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26.09.2011, 00:00

Das Azurblau der Côte d'Azur

Inspiration und Muse fanden zahlreiche Künstler der Vergangenheit und Gegenwart an der französischen Rivera.

Die Côte d’Azur ist landschaftlich eine der vielfältigsten Regionen Frankreichs. Das Hinterland ist mit den Seealpen und dem „Massif des Maures“ sehr gebirgig. In Antibes lädt die einmalige Stadtanlage an der Küste zum Promenieren ein, auch ein Sprung ins Wasser bietet sich an der einen oder anderen Stelle unweigerlich an.HARALD WINKLER

VON HARALD WINKLER

Man muss es schon einmal selbst gesehen haben: das Azurblau der Côte d’Azur. Das war und ist auch Inspiration für viele Künstler, das besondere Licht, die faszinierenden und prallen Farben. Die Côte d’Azur bietet neben einer sehr reichhaltigen landschaftlichen Beschaffenheit auch einen sehr dynamischen und kreativen Hort für Kultur und Kunst.

Nizza: Kultur und Kunst,  die erfahrbar wird
Der zeitgenössischen Kunst hat sich die Museumslandschaft in Nizza verschrieben. Das MAMAC (Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain) behandelt die Hegemonie der Farbe. Die besondere blaue Farbe der Côte d’Azur hat der Künstler Yves Klein (1928-1962) aufgegriffen. Die Werke Kleins sind in Ultramarinblau, dem „International Klein Blue“, gehalten. Der Betrachter wird von dieser Farbe in das Bild fast hineingezogen, der Blick taucht ein in die Reinheit und Aussagekraft der Farbe und des Kunstwerks. Werke von Warhol, Yves Klein und Vertretern der „Schule von Nizza“ sowie Niki de Saint Phalle sind ebenso zu besichtigen. Ein Teil des MAMAC hat sich „Ben“ verschrieben. Wer mit offenen Augen durch Nizza geht, sieht fast an jeder Ecke seine Spuren: Ben Vautier ist eine Ikone der sogenannten Fluxus-Bewegung und zählt zu den bedeutendsten Vertretern. Übrigens: Die Fluxus-Ikone freut sich über jeden Besuch. Jeden Freitag ist er in der Galerie Espace a Débattre zwischen 18 und 23 Uhr anzutreffen. Eingeladen ist jeder. Strickende Mit-Fünfziger, die philosophierende Mittelschicht und interessierte Touristen unterhalten sich über Gott und die Welt. Eine Stange Wurst und eine Flasche Wein schaffen dabei die „kulinarische Basis“. Nach einem Tratsch mit Ben bietet sich ein Abendessen im Garten des Hotels Windsor an. Wer in diesem Hotel-Museum auch übernachten will, kann zwischen 20 Zimmern wählen, die von Künstlern ausgestaltet wurden.

Von Absinth bis Picasso:  Lebensfreude in Antibes
Ein wahres Juwel an der Côte d’Azur ist Antibes. Antibes ist eine der ältesten Städte an der Cote d’Azur. Hier lädt der provenzalische Markt zum Einkauf ein. Zwischen Gewürzdüften und dem umtriebigen Marktgeschehen lässt sich das südfranzösische Flair entspannt bei einem Espresso beobachten. Oder man besucht die Bar Antibes an der Court Massena (ganz in der Nähe des provenzalischen Markts) und verkostet Absinth.

Im August 1946 kam Picasso nach Antibes. Im Musée d’Antibes richtet sich Picasso sein Atelier ein und erarbeitet dort seine „Hymne an das Leben“, „La Joie devivre“ (Die Lebensfreude). Am Ende seines Aufenthalts in Antibes schenkte er der Stadt 23 Gemälde und 44 Zeichnungen.

Ein Spaziergang entlang der Route „Die Côte d’Azur der Maler“ in Antibes lassen sich die von verschiedenen Künstlern eingefangenen Eindrücke und Stimmungen „en face“ mit der Wirklichkeit abgleichen. Diese Route verläuft auch in anderen Städten der französischen Riviera. Zum Abendessen bietet sich das Restaurant Bleu Lavande an, ein mehrfach ausgezeichnetes Restaurant mit exzellenter französischer Küche.

Spätestens seit dem Film „Das Parfum“ (nach dem Buch von Patrick Süskind) ist Grasse für seine lange Geschichte rund um das Parfum bekannt. Sie nennt sich die „Welthauptstadt des Parfüms“ – und ist es ohne Zweifel. Die Fabrikate von Generationen von Parfümeuren sind in Grund und Boden des malerischen Dorfes eingedrungen – an allen Ecken verströmt ein angenehmer Duft.

Das internationale Parfüm museum empfängt nicht nur duftinteressierte Erwachsene, sondern ist auch durchaus für Familien und Kinder geeignet. Es gibt viel zum Ausprobieren und Riechen! Nach dem Museumsbesuch lohnt sich der Besuch des Restaurants Les Trois Garcons. Außer an Sonntagen kann man im Musée Fragonard (das Unternehmen bezeichnet sich auch als „Univers Fragonard“) die Parfumherstellung besichtigen.

Die Duftberatung erfolgt hier mehr als extravagant: Denn nur nach dem Augenschein und einem prüfenden Blick der Bera terin wird hier das richtige Parfum empfohlen – und die Trefferquote ist (zugegebenermaßen) sehr hoch.

Wenn der Künstler selbst  zum Kunstwerk wird
Etwa eine halbe Stunde von Grasse entfernt liegt Le Cannet, ein Vorort von Cannes. Im Musée Bonnard widmet man sich den Werken von Pierre Bonnard.

Mit dem „zweiten Leben“, dem „Second Life“ beschäftigt sich schließlich „Moya“, der derzeit im Kunstzentrum La Malmaison in Cannes seine Vision des Pinocchio ausstellt. Es scheint, dass er mit seiner Kunst eins geworden ist bzw. er selbst das Kunstwerk ist. Ein Besuch lohnt sich. Wer in Cannes Flair und Atmosphäre erleben möchte, kann dies im Hotel Splendid tun: Die Hotelmanagerin Madame Cagnat hat im Laufe ihres Lebens das Hotel mit Antiqui täten ausgestattet.

Fazit: Die Cote d’Azur ist voller Leben und lädt wegen ihrer Vielfalt zum Wiederkommen ein!

 

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