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23.02.2016, 12:09 Islamgesetz

Wirbel um Imam-Abgang in St. Veit

Hafenecker (FP) spricht von "Skandal der Sonderklasse", weil Vorbeter in St. Veit von Türkei finanziert wurde. Obmann wehrt sich. SP-Ortschef: "Sehe kein Integrationsproblem."

(© Wohlmann)
In der Wiesenfelder Moschee war jener von der Türkei finanzierte Imam tätig, der als erster Österreichs das Land verlassen musste.
© Wohlmann

Die Meldung hatte für Schlagzeilen gesorgt: Der Imam der Moschee in Wiesenfeld musste in der Vorwoche das Land verlassen — als erster in Österreich infolge des neuen Islamgesetzes (siehe Info-Box).

Nicht unerwartet kommt nun herbe Kritik von FPÖ-Bezirkschef Christian Hafenecker: „Es ist ein Skandal der Sonderklasse, dass sich der in St. Veit ansässige türkisch-islamische Verein ATIB einen Imam von der türkischen Erdogan-Regierung schicken und finanzieren ließ.“

Hafeneckers Fazit: „Mit seiner jährlichen Großveranstaltung in Traisen, auf der mit tanzenden Derwischen und religiöse Lieder intonierenden Ilahi-Chören großspurig islamische Kultur inszeniert wird, betreibt dieser Verein schon seit Jahren nichts anderes als gelebte Integrationsverweigerung und die Festigung der bereits bestehenden Parallelgesellschaft. Dass diese ganzen Umtriebe auch noch direkt von der türkischen Erdogan-Regierung finanziert und damit gesteuert wurden, zeigt, was der ATIB-St. Veit-Verein von Integration hält: nämlich gar nichts.“

FP: „Gibt bereits genug Integrationsprobleme“

Eine islamische Gesellschaft, die sich nicht an die heimische anpassen wolle, habe hier im Bezirk und im Land nichts verloren“, urteilt Hafenecker.

Schützenhilfe kommt von St. Veits FPÖ-Gemeinderat Arno Schönthaler: „Die skandalösen Vorgänge rund um den Moscheeverein zeigen, dass es bereits genug Integrationsprobleme mit muslimischen Zuwanderern in unserer Region gibt. Mit dem Zuzug sogenannter Flüchtlinge aus dem islamischen Raum werden diese noch weiter verstärkt, ebenso die bereits bestehende Parallelgesellschaft.“

Bürgermeister Johann Gastegger (SPÖ) stellt zur Abberufung des Imams indes fest: „Wegen des Verbots der Auslandsfinanzierung wurde das Visum des Imams nicht verlängert. Ein Integrationsproblem der Mitglieder des Vereins in Wiesenfeld sehe ich nicht. Mir sind jedenfalls keine Probleme und Beschwerden bekannt. Mit der Gemeinde herrscht ein sehr gutes Einvernehmen.“

Verein dementiert Unwillen zur Integration

Gegenüber der NÖN bedauert der Obmann des betroffenen Sport- und Kulturvereins St. Veit, Bayram Yalman, den Abschied des Imams: „Aufgrund der Abweisung des beantragten Aufenthaltstitels reiste Imam Yakup wie geplant zurück in die Türkei. Er war nicht nur ein klassischer Vorbeter, sondern auch ein weltoffener, toleranter Mensch, der als Seelsorger in unserer vielfältig gefestigten Gemeinde tätig war.“

Yalman, der übrigens in Traisen als Kicker „Benji“ bekannt ist, beschreibt die Vereinigung der über 100 Mitglieder als „transparenten, kleinen Verein, der in gewissen sozialkulturellen Bereichen tätig ist. Jeder ist willkommen.“

„Und wenn er doch an unserem Fest für alle als Gast teilnimmt, dann gehe ich zusammen mit Herrn ,Hafenscherer‘ in Lederhosen zum Akademikerball.“ Obmann Bayram Yalman

Von mangelnder Integration könne keine Rede sein, weist der Obmann die FPÖ-Vorwürfe zurück: „Unser Verein veranstaltete letztes Jahr in Traisen im Einvernehmen mit der Gemeinde ein Fest mit Folkloren aus verschieden Regionen, beginnend mit den Herzogenburger Schuhplattlern bis zu lateinamerikanischen Tänzerinnen.“

Falls sich Hafenecker alleine fühle, lade er ihn zum nächsten Fest wieder einmal ein. Yalman schmunzelnd: „Und wenn er doch an unserem Fest für alle als Gast teilnimmt, dann gehe ich zusammen mit Herrn ,Hafenscherer‘ in Lederhosen zum Akademikerball. Wie integriert sollen wir noch sein?“

Zum Thema

  • Das neue Islamgesetz wurde vor einem Jahr beschlossen. Der in Wiesenfeld im Auftrag der türkischen Religionsbehörde tätige Imam musste Österreich verlassen, weil er von der Türkei finanziert wurde und daher kein Visum mehr erhalten hatte. 64 weitere Imame des ATIB, des größten Moscheevereins Österreichs, dürften vom neuen Islamgesetz ebenfalls betroffen sein.

  • Nach Angaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiO) werde vielleicht erst 2018 das Studium „islamische Theologie“ in Wien gestartet, weiß St. Veits Obmann Bayram Yalman: „Die ersten graduierten Imame werden somit 2022 in der jeweiligen Kultusgemeinde aktiv sein. Bis dahin entsteht ein großes Vakuum, das eventuell Nährboden für gefährliche Radikalisierungen in Ballungszentren sein könnte.“ Die zuständigen Minister seien gefordert, mit einer angemessenen Übergangszeit zu regulieren.

  • Die bisherige Regelung, an türkischen Fakultäten graduierte Imame zur Unterstützung der Migranten ins Ausland zu senden, habe den Sinn, Missstände und Radikalisierungen zu vermeiden, so Yalman: „Seitdem entwickelte sich die Gemeinschaft. Es werden jetzt Wallfahrten, Bestattungen, Seelsorge, korrekte Ausbildung im Islam und auch Kurse, wie Geige, Gitarre, Klavier, Theater oder Lernhilfen, angeboten.“

 

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johann0954

25.02.2016 10:41

Humor hat der Bayram auch :D

An Hafeneckers Stelle würde ich der Einladung folgen und Bayram danach in die Wort Pflicht nehmen

Zitat NOEN "Und wenn er doch an unserem Fest für alle als Gast teilnimmt, dann gehe ich zusammen mit Herrn ,Hafenscherer‘ in Lederhosen zum Akademikerball"

mich würde interessieren, was die Linken dann machen würden :D
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