Erstellt am 15. März 2016, 04:34

von Claudia Stöcklöcker

46-Jähriger rastete aus. Zu Weihnachten attackierte ein 46-Jähriger seine Lebensgefährtin. "Ich habe ihn angefleht aufzuhören", sagt das Opfer. Richterin verhängte sechs Monate auf Bewährung.

 |  NOEN, APA (dpa)

„Es war ein entspannter Tag, ich habe gekocht“, sagt ein 46-Jähriger aus dem Wienerwald im Prozess in St. Pölten. Dass er im Vorjahr am ersten Weihnachtsfeiertag seine Lebensgefährtin misshandelt hat, gesteht er nicht.

„Es gab eine Diskussion“, räumt er ein, „eine Vielzahl von Unterstellungen. Sie hat mich verbal attackiert. Ich hab’ sie genommen, ins Bett gelegt. Kann sein, dass sie sich dabei am Augenlid verletzt hat. Einen winzigen blauen Punkt hat sie gehabt, ich habe gleich aus dem Badezimmer einen kalten Wickel geholt“, erklärt er. Und weiters: „Geschlagen hab’ ich sie noch nie.“

"Es überkommt ihn immer so plötzlich."

Von Brutalem erzählt das Opfer. „Er hatte viel getrunken und wurde, nachdem die Gäste gegangen waren, aggressiv. Es überkommt ihn immer so plötzlich. Er hat mich auf den Fliesenboden geschmissen, ich bin mit dem Hinterkopf aufgeschlagen, hatte eine Gehirnerschütterung. Ich habe ihn angefleht aufzuhören, ich wollte in Ruhe mit ihm weiterreden.“

Gelungen ist das nicht. „Im Schlafzimmer hat er mich dann gepackt, versucht, mir die Kleider herunterzureißen. Er ist auf mir gekniet und hat gesagt, dass er mich jetzt umbringen wird. Oft habe ich es in unserer Beziehung geschafft, ihn zu beruhigen, da war aber schon zu viel Alkohol im Spiel. Dann hat er mir das Handy weggenommen. Ich habe mich nicht aus dem Schlafzimmer getraut, habe gewartet, bis er eingeschlafen ist. Das war Psychoterror, das hat Stunden gedauert, dann bin ich raus“, berichtet das Opfer weiters vor Richterin Doris Wais-Pfeffer.

„Er hat mich auf den Fliesenboden geschmissen, ich bin mit dem Hinterkopf aufgeschlagen.“ Opfer berichtet im Prozess von Brutalem.

Der einzige Vorfall war das nicht, schon ein Monat davor verletzte der 46-Jährige seine Frau. „Da hat er mich vom Sessel hochgezogen und gegen die Wand gestoßen“, so die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten. Warum die Frau nicht da schon zur Polizei gegangen ist? „Ich wollte nicht wahrhaben, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist.“ Von den Gewalttaten erzählt sie nur einer guten Freundin, die fotografierte auch die Verletzungen.

Für die Richterin steht die Schuld des Angeklagten fest, sie befindet ihn der Körperverletzung und gefährlichen Drohung für schuldig und verhängt sechs Monate auf Bewährung. Der 46-Jährige nimmt das Urteil an, die Staatsanwaltschaft gibt keine Erklärung dazu an. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.