Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:12

von Andrea Stoiser und Beate Riedl

Ärger mit Verlassenschaft. Haus von verstorbenem Eichgrabener wurde versiegelt, Angehörigen der Zutritt verwehrt. Rechtsanwalt verweist auf langes Verfahren durch Auslandsbezug.

Sorgen um den Zustand von Haus und Garten des verstorbenen Richard Bren machen sich seine Angehörigen. Die Verlassenschaftsabhandlung dauert mittlerweile schon über ein Jahr.  |  NOEN, Stoiser

Über ein Jahr ist es her, dass der Eichgrabener Richard Bren bei einem tragischen Arbeitsunfall tödlich verunglückte . Die Verlassenschaft ist bis heute nicht fertig abgehandelt, ärgern sich die Angehörigen. Der zuständige Kurator, der Neulengbacher Rechtsanwalt Peter Reitschmied, verweist auf seine Verschwiegenheitspficht, sagt aber: „Vor allem Verlassenschaften mit Auslandsbezug dauern sehr lange.“

„Verlassenschaften mit Auslandsbezug, noch dazu im außereuropäischen Raum, sind viel langwieriger.“ Peter Reitschmied, Rechtsanwalt Neulengbach

Richard Bren hinterließ einen achtjährigen Sohn, der bei der Mutter in Thailand lebt. Unmittelbar nach der Beerdigung wurden dem zuständigen Notariat alle relevanten Unterlagen übergeben, damit die Verlassenschaft rasch durchgeführt werden kann. „Nach einigen Wochen tauchten plötzlich der Notar und ein Rechtsanwalt auf, der als Kurator für den minderjährigen Sohn bestellt wurde, und versiegelten das Haus“, erzählt die Schwester Renate Boldt.

„Wir wurden angewiesen, das Grundstück nicht mehr zu betreten“, berichtet sie weiter. Nicht einmal der Vater des Verstorbenen durfte auf das Grundstück. Seit dem Tod habe sich beim Haus nichts mehr getan. „Das Ganze dauert schon über ein Jahr“, ärgert sich Renate Boldt. „Das Haus wird nicht gelüftet und ob die Heizung ausgelassen wurde, wissen wir nicht. Mit der Zeit wird alles kaputt werden“, befürchtet sie.

Die Familie wird auch immer wieder auf den ungepflegten Zustand des Gartens angesprochen, was vor allem dem Vater zu schaffen macht. Besonders verärgert ist die Familie auch über die Tatsache, dass sie keine Infos über den Verlauf erhalten, obwohl sie gerne jederzeit behilflich wären.

Sohn des Verstorbenen will in Eichgraben leben

„Uns wird weder in die Akten, noch in das Haus Einsicht gewährt, um zu sehen wie der Zustand ist, wir würden es auch auf unsere Kosten instand halten. Wir würden es begrüßen, wenn zumindest unser Vater, der nebenan wohnt, ab und zu nach dem Rechten sehen dürfte. Wir fürchten auch, dass das Haus hinter unserem Rücken verkauft wird“, klagt die Schwester. Sie habe auch die Vollmacht von Richards Ex-Frau, dass sie sich um alles kümmern dürfen, doch die werde nicht anerkannt.

Zur Zeit versucht die Schwester eine notariell beglaubigte Vollmacht aus Thailand zu bekommen, die der Kurator verlangt. Nur das ist wegen der Sprachbarriere und wegen der dortigen Ämter und der Bürokratie, die sehr umständlich und umfangreich ist, fast ein Ding der Unmöglichkeit. „Mein Neffe möchte nach Österreich kommen und im Haus seines Vaters leben. Die Mutter möchte mir die Obsorge übertragen, damit sein Wunsch in Erfüllung gehen kann“, so die Schwester abschließend.

Rechtsanwalt Peter Reitschmied versteht die Sorgen der Angehörigen, verweist aber auf die Rechtslage, dass das Haus versiegelt werden musste. „Das passiert im Interesse der Erben“, sagt er.