Erstellt am 22. September 2015, 05:27

von Eduard Riedl

Asylwerber kommen ins ehemalige Kloster. Genossenschaft stellt Unterkunft zur Verfügung. FPÖ sorgt sich um das Wohl der Gemeindebürger in Maria Anzbach.

Im Kloster Stein werden ab 29. September rund 60 Flüchtlinge untergebracht.  |  NOEN, Eduard Riedl

60 Flüchtlinge finden im ehemaligen Annunziata-Kloster am Stein Ende September eine Unterkunft (NÖN-Online berichtete exklusiv). „Wir sehen es als Gebot der Stunde an, den Schutz suchenden Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten Syrien und Afghanistan eine Unterbringung zu ermöglichen“, erklärt Ronald Wodler, Geschäftsführer der GESFÖ, der Gemeinnützigen Bau- und SiedlungsgmbH, die im Besitz des Klosters ist. Betreut werden die Flüchtlinge von der Diakonie. „Neben der Beschäftigung der Flüchtlinge, etwa durch Deutschkurse, ist es uns ein Anliegen, dass das Areal für die Öffentlichkeit weiter zugänglich bleibt“, sagt Wodler.

Flüchtlinge bleiben bis längstens 2017

Bis zum Frühjahr 2017 soll das Kloster für die Flüchtlinge zur Verfügung stehen, heißt es in einer Aussendung von Maria Anzbachs Bürgermeisterin Karin Winter gemeinsam mit Eichgrabens Bürgermeister Martin Michalitsch.

Da das Kloster zwar im Gemeindegebiet von Maria Anzbach liegt, aber auch unmittelbar an Eichgraben grenzt, haben sich beide Ortschefs zu einer Mitteilung an die Gemeindebürger entschlossen. Man werde sich dafür einsetzen ein friedliches Miteinander zu gewährleisten. „Hierbei vertrauen wir auf die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft“, so Winter und Michalitsch unisono. Zu der neuen Situation ergänzt Winter, sie fühle sich für das Wohlergehen aller Menschen verantwortlich, die in Maria Anzbach leben.

„Diejenigen, die hier Vorbehalte haben,
generell in das Eck der Ausländergegner zu stellen,
halte ich für grundfalsch und unzulässig.“
Karin Winter, Bürgermeisterin

Zum Thema Flüchtlinge seien unterschiedliche Reaktionen an sie herangetragen worden. „Da ist einmal ein großes Bedürfnis in weiten Teilen der Bevölkerung, einfach helfen zu wollen“, sagt Winter. Man könne jenen Menschen nicht genug danken, die sich ehrenamtlich engagieren, ihre Zeit opfern, um eine menschenwürdige Unterbringung und Betreuung zu gewährleisten. „Es gibt aber auch Ängste, die ich verstehe und ernst nehme“, gibt Winter zu bedenken. Niemand könne sagen, wie sich die Situation in den Herkunftsländern und in der Folge in Europa entwickelt, das würde viele Menschen verunsichern. „Diejenigen, die hier Vorbehalte haben, generell in das Eck der Ausländergegner zu stellen, halte ich für grundfalsch und einfach unzulässig“, betont Winter. Viel eher müsse es das Ziel sein, den Ängsten die Grundlage zu entziehen.

FPÖ sorgt sich um Auswirkungen

Verärgert und verwundert ist die FPÖ Maria Anzbach über die Aufnahme der Flüchtlinge. Laut FPÖ-Gemeinderat Michael Hell würde Maria Anzbach dann 66 Flüchtlinge beherbergen, zusätzlich zu jenen sechs, die schon in einem Nebengebäude des Klosters Meierhöfen einquartiert seien. „Und das obwohl von Vizebürgermeister Peter versichert wurde, dass die Anzahl der Migranten, die Maria Anzbach aufnehmen wird, im einstelligen Bereich bleiben wird“, ist Hell erbost.

Die FPÖ sei besorgt und frage sich, welche Auswirkungen die Aufnahme so vieler Migranten für Gemeinde und Bürger haben werde – besonders auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Winter betont: „Auch uns liegt das Wohl der Bürger am Herzen, aber die Unterbringung der 60 Flüchtlinge liegt nicht im Entscheidungsbereich der Gemeinde, schließlich ist die Genossenschaft Besitzer des Klosters.“