Erstellt am 12. April 2016, 05:44

von Christine Hell

Bauern sind am Limit. Es geht um die Existenz: Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass die Preise für Milch und Schweinefleisch auf niedrigstem Stand sind. Landwirte sind darüber schwer in Sorge.

Martin Breitenecker bewirtschaftet den Hof »Satzing« in Ludmerfeld bei St. Christophen. Auch er ist enttäuscht über die Entwicklung.  |  NOEN, Hell

Nicht genug, dass die Einheitswerte für landwirtschaftliche Betriebe neu berechnet wurden und teilweise in die Höhe geschnellt sind, auch der Wegfall des Öko-Punkte-Systems bringt vor allem im Berggebiet saftige Einkommenseinbußen und dazu liegen jetzt auch noch die Erzeugerpreise für Milch und Schweine auf einem erschreckend niedrigen Niveau. Die Stimmung unter den Bauern ist von Sorgen und Existenzängsten geprägt.

Fast monatlich müssen die Milchbauern einen Preisrückgang der Molkereien hinnehmen, per 1. April wurde der Milchpreis wieder abgesenkt und beträgt bei Berglandmilch 31,53 Cent pro Kilogramm Milch und bei NÖM 31,30 Cent pro Kilogramm Milch. „So tief lag der Preis noch nie“, sagt Martin Breitenecker aus Ludmerfeld resigniert. Friedrich Prammer schlägt in dieselbe Kerbe: „Etwa 28 bis 30 Cent kostet dem Bauern ein Liter Milch, bis das wertvolle Lebensmittel im Milchtank auf die Abholung durch die Molkerei wartet“, rechnet der Jungbauer vor, die Bauern seien derzeit in einer sehr angespannten bis sogar verzweifelten Lage. Vor zwei, drei Jahren lag der Milchpreis noch bei etwa 42 Cent pro Kilogramm an die Molkerei gelieferter Milch.

„Vom Schwein wird in Mitteleuropa nur mehr 50 Prozent gegessen, der Rest muss exportiert werden und wird oft bis nach Südkorea verschifft.“ Kammerobmann Anton Hieger

„Viele Jahre haben wir um teures Geld Milchquoten zugekauft, um unsere Milch an die Molkereien liefern zu dürfen. Nach zehn Jahren Diskussion ist die Quotenregelung mit 1. April des Vorjahres gefallen, jetzt wird schon wieder eine Milch-Kontingentierung diskutiert“, so der St. Christophener Jungbauer, „wir müssen unsere Milch an die Molkereien liefern, das ist ja unser Einkommen, von dem wir leben können und mit dem wir unsere Höfe weiterbringen.“

Preisverfall: Mehrere Faktoren spielen Rolle

Nicht nur dem Fall der Milchkontingentierung ist der massive Preisverfall zuzuschreiben, mehrere Faktoren spielen zusammen: „Durch das Russland-Embargo und die träge Wirtschaftslage in China sind wichtige Exporte ausgefallen, durch den niedrigen Ölpreis verdienen manche Länder weniger und geben auch weniger aus“, berichtet Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Hieger, der momentan von einer Verhandlungsrunde zur nächsten eilt, um in der angespannten Situation etwas weiterzubringen. „128 Prozent beträgt die Eigenversorgung in Österreich, wenn nicht 28 Prozent exportiert werden können, ist ein Überschuss da und der Preisverfall gegeben“, rechnet Hieger vor. Der Kammerobmann berichtet auch, dass Schlachthöfe die Schlachtungen eingestellt haben und keine Schweine mehr von den Bauern abgeholt werden, was in weiterer Folge die Ferkelbetriebe in Bedrängnis bringt.

Viel Geld wurde besonders in den vergangenen Jahren in den (vorgeschriebenen) Ausbau für tiergerechte Haltungsformen und in die Modernisierung der Höfe gesteckt, oftmals sind dafür hohe Kredite aufgenommen worden.

„Der Milchpreis ist katastrophal“, sagen auch Veronika und Johann Wagner, die in Oberndorf einen Bauernhof mit Milchviehhaltung bewirtschaften.

Wie viele anderen Bauern auch, hat Robert Schnopp viel Geld in den Bau eines Mastschweinebetriebes investiert. „Die Durststrecke ist schon sehr lange und es wird auch für schweinehaltende Betriebe zunehmend mühsamer, ihre Betriebe aufrecht erhalten zu können“, berichtet der engagierte Bauer aus Paisling bei Asperhofen. „Als Einzelner ist man machtlos, aber die Politik ist jetzt gefordert, Maßnahmen zu setzten, damit wir Bauern nicht verbluten.“

„Derzeit bekommen wir von den Molkereien nur das bezahlt, was uns die Milch kostet. Das kann sich für einen Betrieb nie ausgehen.“ Friedrich Prammer

Bezirksbauernrat Michael Göschelbauer bringt es auf den Punkt: „Wenn man Familienbetriebe über Generationen haben will, muss jetzt etwas passieren, sonst erdrückt uns Bauern die Kostenlawine mit diesem desaströs niedrigen Milchgeld und den enorm niedrigen Schweinepreisen.“

Milchbauern, Genossenschaften und Politik seien jetzt massiv gefordert, raschest eine Lösung für dieses Desaster zu finden, sagt Friedrich Prammer, Obmann des Ortsbauernrates St. Christophen, „wie es aber derzeit ausschaut, ist noch keine Lösung in Sicht.