Erstellt am 13. April 2016, 05:54

von Renate Hinterndorfer

Biberdämme sind weg. Dass direkt vor der Schonzeit Bauten der Nager entfernt wurden sorgt für Kritik. Ortschef Paul Horsak verweist auf Gefahr von Überflutungen.

Besonderes Kennzeichen des Biber ist sein Schwanz, die Kelle.  |  NOEN, Sokolov Alexey/shutterstock.com

Am 30. März kam der Bescheid vom Land, dass die Gemeinde am Sichelbach Biberdämme entfernen darf. Am 30. März kam auch der Bagger, und mehrere Biberbauten oberhalb von Sichelbach wurden weggeräumt.

„Das war eine Hauruck-Aktion zwei Tage vor Beginn der Schonzeit“, kritisiert Gemeinderat Gerhard Waldschütz von den Grünen. Ihm habe der Dialog gefehlt, nicht einmal der Umweltgemeinderat sei informiert gewesen, wundert sich Waldschütz: „Die Anrainer wussten aber, dass an diesem Tag der Bagger über ihren Grund fahren wird.“

Biber seit Jahren in Krichstetten

Die Biber haben sich schon vor einigen Jahren in Kirchstetten angesiedelt. Am 1. Februar beantragte die Gemeinde die Ausnahmegenehmigung zur Entfernung von Biberdämmen sowie das Fangen und Töten von Bibern in einem Bereich des Sichelbachs. Durch den Wasseraufstau infolge der Biberdämme könne bei einem Dammbruch eine Gefährdung der Ortschaft Sichelbach nicht ausgeschlossen werden. Bei längeren Starkregenfällen könnten die Dämme brechen und die Wassermassen Häuser und Liegenschaften fluten, wird befürchtet.

VP-Bürgermeister Paul Horsak betont, dass von einer „Hauruck-Aktion“ keine Rede sein könne: „Das war eine geplante Aktion. Wir haben Anfang Februar das Ansuchen beim Land gestellt. Es hat halt gedauert, bis wir den Bescheid bekommen haben.“ Er habe aber die fixe Zusage gehabt, dass am 30. März der Bescheid kommt, deswegen seien die Biberdämme an diesem Tag entfernt worden. Es seien keine Biber getötet worden, betont Horsak.

„Ich hatte beim Sichelbach schon schwere Bedenken"

Die Räumung der Biberbauten sei kein Willkürakt gewesen, so Horsak: „Ich hatte beim Sichelbach schon schwere Bedenken. Wir hatten bei zwei Dämmen einen Wasserstau mit geschätzten 15.000 Kubikmeter Wasser. Wenn ein Starkregen kommt, weiß ich nicht was passiert. Wenn die Brücke verklaust, dann gehen die Häuser unter. Außerdem gehen auf dem Weg beim Bach viele Kinder. Das Wasser ist drei Meter tief. Was ist, wenn ein Kind reinfällt?“ Auch die Landwirte fühlten sich beeinträchtigt: „Es sind einige Komponenten, die mich dazu gebracht haben, etwas zu tun“, so Horsak.

„Keiner will dem Biber Böses, aber ich habe alle Bürger zu vertreten. Jedem Recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.“ Bürgermeister Paul Horsak

Am Dienstag fand ein Gespräch zwischen Bürgermeister, Umweltgemeinderat Josef Friedl und Gerhard Waldschütz statt. Man verständigte sich darauf, dass die Kommunikation verbessert werden soll. „Wir haben beschlossen, dass es solche Alleingänge nicht mehr geben wird“, sagt Waldschütz. Ihm ist wichtig, dass die Menschen über die Biber aufgeklärt werden: „Der Biber ist nicht nur etwas, das man ausrotten sollte. Es gibt viele vorgefasste Meinungen. Aber durch den Biber wird auch die Biodiversität gefördert und es entsteht ein Artenreichtum, der auch Nützlinge für die Landwirtschaft bedeuten könnte.“

Josef Friedl erklärt: „Jetzt ist sowieso Schonzeit und wir haben Zeit zu überlegen, wie wir das in Zukunft gestalten. Ein oder zwei Populationen in Bereichen, wo es keine Gefährdung der Bevölkerung und keine Schäden gibt, wird man versuchen zu erhalten.“