Erstellt am 22. April 2016, 05:14

von Christine Hell

Birnbaum-Krankheit: "Halb Europa sucht nach einer Lösung". Vor 15 Jahren hat man den "Birnbaumverfall" entdeckt, für große Mostobstbäume gibt es keine Rettung.

»Eine reiche Blüte ist oft das letzte Aufbäumen eines absterbenden Birnbaumes.« Andreas Ennser,Obstbaumexperte Marianne Bointner in ihrer Streuobstwiese mit den riesigen Mostbirnbäumen in Ludmerfeld.  |  NOEN, Hell

"Wir sehen mit Sorge, wie die Kronen unserer mächtigen Mostbirnbäume immer lichter werden",berichten Marianne und Johann Bointner aus Ludmerfeld. In den letzten beiden Jahren haben sie sich die Mühe gemacht, alle dürren Äste aus den Baumkronen zu entfernen. Der Verfall der Bäume schreitet aber immer weiter voran.

Die Rede ist vom „Birnenverfall“, der viele Birnbäume innerhalb weniger Jahre absterben lässt. Die Krankheit wurde vor etwa 15 Jahren entdeckt, übertragen wird sie durch saugende Insekten wie Birnblattsauger, Zikaden oder Blattläuse.

„Bei Importen, speziell aus dem asiatischen Raum, werden mit Pflanzen und Verpackungsmaterialien oftmals Krankheitserreger und Insekten eingeschleppt.“ Bauernkammerobmann Anton Hieger

„Für alte Mostobstbäume gibt es keine Gegenmaßnahmen“, sagt der Obmann der Bezirksbauernkammer St. Pölten Anton Hieger. Professionelle Most- und Saftproduzenten hätten bereits auf die Situation reagiert und junge Birnbäume gesetzt.

In den Wintermonaten ist der Erreger vornehmlich in den Wurzeln zu finden, im Frühjahr wandert er mit dem Baumsaft in die Blattkrone und ein Teufelskreis entsteht: Wurzeln und Äste sterben ab, die Krone wird immer lichter. Nach längstens 15 Jahren ist der Birnbaum komplett dürr. „Manche Sorten sind für die Krankheit anfälliger, andere sind dagegen resistenter“, weiß der Experte. „Halb Europa ist auf der Suche nach einer Lösung“, so Andreas Ennser. Bei einem Symposium im Vorjahr haben sich internationale Experten intensiv mit diesem Problem auseinandergesetzt. „Dabei ist aber nicht wirklich etwas Neues für uns herausgekommen“, sagt der Obstbauspezialist. Die anfangs als resistente Baumunterlage von Quitten sei nur für Tafelbirnen geeignet und nicht für die traditionell riesigen Mostobstbäume. Auch ist die Quitte absolut nicht für die sehr kalkhaltigen Böden in der Region Neulengbach geeignet. Momentan gilt es, Sämlingsunterlagen mit virusfreiem Pflanzmaterial zu veredeln, dazu seien die Baumschulen bereits angewiesen worden. Im Baumbestand mit kranken Bäumen ist die Ansteckung durch Insekten jedoch sofort wieder gegeben.

„Das ist ein sehr langwieriges Projekt, das über Generationen geht“

„Vor wenigen Tagen haben wir erfahren, dass ein Test in Deutschland erfolgreich verlaufen ist“, berichtet Andreas Ennser, dazu müssen jetzt erst einmal Versuchspflanzungen angelegt werden. „Das ist ein sehr langwieriges Projekt, das über Generationen geht“, weiß der Obstbauexperte.

„Uns ist aufgefallen, dass unsere Birnbäume in den letzten Jahren generell weniger Früchte getragen haben“, berichtet Burgi Praschl-Bichler aus Innermanzing.

Die sehr frühtragenden Mostobstbäume von Josef Hössinger dürften zu den besonders resistenten Sorten zählen, denn der Unterwolfsbacher sagt: „Ich habe von der Krankheit noch nichts bemerkt.“

Heidi Widmann, die mit Gatten Walter ein paar Mal jährlich die Bauernhoftore für ihren Mostheurigen in Gottleitsberg bei Altlengbach öffnet, hat ihre Mostobstbäume schon „ins Visier genommen“ und die vielen dürren Äste in den Baumkronen bemerkt. „Es ist uns auch aufgefallen, dass es in den letzten zwei Jahren viel weniger Mostbirnen gegeben hat.“