Erstellt am 11. November 2015, 05:02

von Ernst Klement

Debatte um Flüchtlinge. Vorbehalte gegen Ausländer wurden laut. Aber auch neue Mitarbeiter in der Betreuung konnten gefunden werden, freut sich Initiator Fritz Hödl. LAABEN / 

Auch FPÖ Gemeinderat Karl Wurzer, ÖVP-Gemeinderat Ferdinand Höllerer und Ewald Breitenecker waren unter den Diskutanten.  |  NOEN, Klement

Überfüllt war am Freitag der Festsaal des Gasthaus Kari: Bürgermeister Helmut Lintner und Fritz Hödl, der sich in der Flüchtlingsbetreuung engagiert, luden zu einem Informationsabend zur Flüchtlingsthematik ein. Die Wogen gingen hoch.

Fritz Hödl erläuterte zunächst die Beweggründe für die Veranstaltung: „Hundertausende Menschen haben sich auf den Weg gemacht. Über die Gründe gibt es keine Zweifel. Krieg, Gewalt, Unrecht, der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben in Freiheit und Würde. Der Ansturm ist so groß, dass er viele Länder erschüttert.“

Etliche Asylwerber berichteten von ihren schrecklichen Erlebnissen in ihren Heimatländern Irak, Afghanistan, Syrien, Somalia. Fritz Hödl: „Europa hat viele Jahre in diesen Krisengebieten weggeschaut, das rächt sich nun gewaltig. Wir können die große Politik nicht ändern. Aber wir können in unserer Umgebung viel bewirken, bevor es auch bei uns wegen der Asylwerber zu sozialen Konflikten kommt.“

Syrische Familie untergebracht

Wie derzeit in der Region geholfen wird, darüber berichteten Helga Buttinger und Judith Aschenbrenner. In Laaben ist derzeit eine syrische Familie bei Familie Huber untergebracht. Die Gemeinde hat nicht vor, ein Quartier für Flüchtlinge bereit zu stellen.

Die Laabener Bevölkerung engagiert sich bei den zwei Flüchtlings-Hotspots in den Nachbargemeinden: Im Flüchtlingsheim in Innermanzing befinden sich derzeit 42 Asylwerber, im Klammgruberhof in Hainfeld sind 70 Ausländer untergebracht, die sich selbst verpflegen müssen. „Dort ist jede Menge Hilfe nötig, denn dieses Asylquartier liegt so abgeschieden und niemand kümmert sich“, berichtete die Neulengbacherin Eva Kraus.

Deutschlehrer werden gesucht. Auch Fahrgelegenheiten und Winterkleidung werden dringend gebraucht. Der Laabener Karl Mallmann unterstützt die Flüchtlingsarbeit im Klammgruberhof und weist darauf hin, dass in Altlengbach eine Sammelstelle in der ehemaligen Trafik untergebracht ist, wo man jeden Mittwoch Sachspenden wie Kleidung oder Spielzeug hinbringen kann. „An diese Stelle können sich alle Hilfsbedürftigen wenden, nicht nur Asylwerber“, so Mallmann. Denn in der Diskussion kam auch zur Sprache, dass es in der Region jede Menge Hilfsbedürftige gibt. In der turbulenten Debatte tauchten viele Fragen auf. Vielfach werden die Flüchtlinge eher als Sozialschmarotzer gesehen. Der Iraker Jaleb erklärte gegenüber der NÖN: „Ich habe direkt ein bisschen Angst.“

„Warum fliehen nur junge Männer?“

Immer wieder wurde auch die Frage gestellt, warum nur junge Männer fliehen. „Es ist doch unverantwortlich, Frau und Kinder im Krieg zurückzulassen“, meinte einer der Diskutanten.

Bürgermeister Helmut Lintner, der selbst in seiner Pension in Hainfeld zwölf Asylwerber untergebracht hat, versuchte zu kalmieren: „Wir in der Gemeinde haben diesen Flüchtlingsstrom nicht verschuldet und werden dieses Flüchtlingsdrama auch nicht lösen, dafür sind andere verantwortlich. Vorerst hilft in der Region Pragmatismus. Was ist zu tun? Was wäre sinnvoll?“

Fritz Hödl zeigte auf, wie man Asylwerber sinnvoll in der Region einsetzen könnte, etwa als Erntehelfer, bei der Waldarbeit oder als Mitarbeiter bei Vereinen oder bei der Feuerwehr. Nach zwei Stunden mit turbulenten Diskussionen zog Hödl trotzdem ein positives Resümee: „Wir haben einige neue Mitarbeiter bei der Flüchtlingsbetreuung gewonnen und Laaben ist noch von keiner Flüchtlingswelle überrannt.“