Erstellt am 26. Januar 2016, 05:58

von Renate Hinterndorfer

Debatte um weiteres Flüchtlingsprojekt. Dass Jugend-Betreuung von Gemeindeseite abgelehnt wird, sorgt in Neulengbach für Empörung.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Die Pläne für eine weitere Flüchtlingseinrichtung in der Schlossberggasse in Neulengbach sorgen für Diskussionsstoff. Wie berichtet möchte die Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie in ihren Räumlichkeiten einen Betreuungsplatz für zehn unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren anbieten. Von der Gemeindespitze gibt‘s aber ein Nein.
 

Stadträtin Barbara Löffler hingegen betont: „Wir als Grüne und ich als Stadträtin, unterstützen dieses Projekt vorbehaltlos.“ In weiten Teilen Neulengbachs herrsche tiefstes Unverständnis, warum Teile der Gemeindevertretung, konkret Bürgermeister Franz Wohlmuth und Stadträtin Maria Rigler, sich gegen das Betreuungsprojekt aussprechen. Löffler: „Ich bin überzeugt, dass das Projekt den betreuten Jugendlichen eine reale Chance bietet, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und unsere Werte vermittelt zu bekommen.“ Die Grünen erwarten sich ein Umdenken des Bürgermeisters und der zuständigen Stadträtin.

Barbara Löffler: „Es ist wirklich wichtig, jetzt die Weichen für eine gelungene Integration von jugendlichen Asylwerbern zu stellen. Jeder und jede, die sich dagegen stellt, hat den Ernst der Lage noch nicht begriffen und ist sich der sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft nicht bewusst. Diese Integration ist im Interesse aller.“ Das angedachte Flüchtlingsprojekt koste Neulengbach nichts, nur „ein bisschen Mut, gegen die, die glauben, mit dem Schüren von Ängsten, Stimmen zu gewinnen aufzustehen.“

"Ein professionelles Projekt"

Gänzlich anderer Meinung als der Bürgermeister und Sozialstadträtin ist auch SP-Chefin Beate Raabe-Schasching: „Das Projekt mit den zehn jugendlichen Flüchtlingen scheint mir professionell vorbereitet und gut durchdacht zu sein. Allein die Kontaktaufnahme mit den Nachbarn spricht für eine umsichtige Vorgangsweise.“ Die von Rigler vorgebrachten Argumente bezüglich Infrastruktur klingen für Raabe-Schasching eher wie eine Ausrede.

Psychotherapeut Heinz Prochazka, selbst in der Flüchtlingsbetreuung tätig, findet die Ablehnung des Projekts empörend und hat einen offenen Brief an Bürgermeister Franz Wohlmuth und Stadträtin Maria Rigler geschrieben: „Ich weiß um die besonderen Bedürfnisse dieser Menschen aber auch von der Gefahr, die entsteht, wenn wir sie einfach ihrem Schicksal überlassen.“ Die Unterbringung von weiteren zehn Menschen in der Gemeinde stelle keinen großen Kraftakt dar. Prochazka bittet die Gemeindeverantwortlichen, ihre Haltung zu überdenken.

Rigler: „Aktuell ist es kein Thema“

VP-Stadträtin Maria Rigler bleibt bei ihrer Position: Aktuell lehnt die Stadt das Projekt ab. „Es kann nicht so sein, dass die Gemeinde ohne Plan alles zulässt. Erst wenn die Leute, die jetzt da sind, gut integriert sind, wenn die Kinder untergebracht sind, können wir weiterreden. Die Bevölkerung muss auch mitkönnen.“