Erstellt am 26. Januar 2016, 05:03

von Beate Riedl

"Des woa ka richtige Fotzn1". War es eine Ohrfeige oder ein "Streifen übers Gesicht"? Nach Familienstreitigkeiten mit schwerer Körperverletzung als Folge saß Siegersdorferin (58) nun auf der Anklagebank.

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 „Du bist die schönste Frau aus Siegersdorf“ – wenn die Angeklagte diesen Satz hört, geht ihr Blutdruck rasend schnell in die Höhe, sie knurrt, gerät fast in Rage.

Im Frühling des Vorjahres gingen deswegen die Nerven mit ihr durch, ihre Schwägerin kassierte dafür eine Ohrfeige, ein Streit war der Provokation vorausgegangen. Nun sitzt sie wegen schwerer Körperverletzung am Landesgericht St. Pölten auf der Anklagebank.

Die Frau (58) wohnt mit ihrem Mann, dessen Schwester und ihrem Lebensgefährten gemeinsam auf einem Grundstück – recht harmonisch dürfte das Zusammenleben aber nicht sein, immer wieder kommt es zu Streitigkeiten. „Die machen immer alles gegen uns, seit drei Jahren kommt es immer wieder zu Streitereien“, sagt die Angeklagte. Sie habe aber nie eine Anzeige gemacht, „weil ich brauche keine Scherereien“.

„Ich weiß, dass ich sie damit provozieren kann“

Doch im Juni des Vorjahres eskalierte die Situation. Die Schwägerin der Angeklagten hatte einen Teller mit Kaffeesud vom Boden auf den Gartentisch gestellt – sehr zum Ärger der Angeklagten und deren Ehemann. Es kam zum Streit. „Ich weiß, dass ich sie provozieren kann, wenn ich sage, dass sie die schönste Frau von Siegersdorf ist, das habe ich dann gesagt“, erzählt das Opfer (59) vor Richterin Doris Wais-Pfeffer. Das brachte das Fass zum Überlaufen. „Sie ist auf mich zugerannt, hat mich geschlagen und dann nochmal ausgeholt, ich wollte den Schlag abblocken, deshalb habe ich mich am Finger verletzt“, sagt sie. Eine Verrenkung des Fingers und eine Schädelprellung waren die Folge.

Die Angeklagte hat allerdings eine andere Version parat: „Ich habe sie im Gesicht gestreift, dann ist ihr Ohrring in die Wiese gefallen“, sagt sie. Auch der Mann der Angeklagten will von „ana zweitn Fotzn“ nichts gesehen haben. „Des woa a ka richtige Fotzn, i hob nix klatschen gehört und der Kopf hat a net gewackelt“, bekräftigt der Ehemann die Aussage seiner Frau. Er vermutet sogar, dass sie sich selbst verletzt habe, als sie mit ihrem Mann ins Haus ging und dann die Polizei alarmierte.

Richterin Doris Wais-Pfeffer glaubt den Aussagen der Angeklagten nicht und verurteilt die Siegersdorferin zu sechs Monaten bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren und Schmerzensgeld über 300 Euro.

Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, die Angeklagte erbat Bedenkzeit.