Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Einige Änderungen brachten die Gemeinderatswahlen mit sich. Die größte Herausforderung war die Flüchtlingsbewegung und die Suche nach Quartieren.

Foto des Jahres: Mit einem Porsche 911 kracht ein Purkersdorfer in einer engen Kurve in Paisling (Gemeinde Asperhofen) in eine Scheune. Das schnittige Fahrzeug wird dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen, die Feuerwehren Neulengbach und Johannesberg rücken zur Bergung aus. Nach der spritzigen Sonntagsfahrt ist der Purkersdorfer auch seinen Führerschein los, er hatte über ein Promille.  |  NOEN, Markus Berger

ÖVP wird erste Kraft in Altlengbach

Der Jubel bei der Altlengbacher ÖVP kennt am Wahlsonntag am 25. Jänner keine Grenzen, es fließen Freudentränen: Die Volkspartei hat die SPÖ überholt und stellt den Bürgermeister. „Es ist ein Wahnsinn“, strahlt Spitzenkandidat Michael Göschelbauer.

Der Vorsprung ist denkbar knapp: Die Altlengbacher ÖVP erhält 30 Stimmen mehr als die SPÖ. Die Grünen schaffen den Einzug in den Gemeinderat nicht, die FPÖ bleibt bei einem Mandat.

Strahlender Wahlsieger ist Michael Göschelbauer: „Ich habe gehofft, dass es so ausgeht. Ich bin nicht überrascht, ich bin bestätigt“, sagt der neue VP-Bürgermeister. Bitter enttäuscht ist der bisherige SP-Ortschef Wolfgang Luftensteiner. Die ÖVP geht eine Koalition mit der SPÖ ein, es gibt mit Daniel Kosak (VP) und Wolfgang Luftensteiner (SP) zwei Vizebürgermeister.


Käthe Wolk wird erste Ortschefin in Asperhofen

Bürgermeister Josef Ecker nimmt überraschend den Hut. In einem parteiinternen Vorzugsstimmen-Wahlkampf waren Josef Ecker und Harald Lechner als Bürgermeister-Kandidaten angetreten. Ecker erreicht etwas mehr Vorzugsstimmen als sein Parteikollege, tritt aber trotzdem zurück. Auch Harald Lechner steht nicht als Bürgermeister zur Verfügung. Die ÖVP Asperhofen beschließt in ihrer Parteisitzung, Katharina Wolk als Bürgermeisterkandidatin zu nominieren. Damit übernimmt zum ersten Mal in der Geschichte von Asperhofen eine Frau das Bürgermeisteramt.

Änderungen gibt es auch bei den Freiheitlichen. Nach einem Zwist beim Bezirkstag des FP-Gemeindevertreterverbandes löst sich die FPÖ Asperhofen auf. Die früheren FP-Mandatare Kurt Schmidratner, Patrik Ettenauer und Manuel Langstadlinger sitzen nun als Vertreter der Freien Liste Asperhofen (FLSA) im Gemeinderat.


Unterkünfte für Flüchtlinge gesucht

Das beherrschende Thema im Jahr 2015 ist nicht nur europa- und bundesweit die Flüchtlingsbewegung. Auch für die Region Wienerwald wird das eine Herausforderung.

Große Aufregung herrscht in Neulengbach, als bekannt wird, dass ein deutscher Betreiber ein Massenquartier für unbegleitete Minderjährige im aufgelassenen Seniorenheim „Harmonie“ in Unterdambach plant. Die Bürger gehen auf die Barrikaden, im Gemeinderat wird heftig debattiert und schließlich beschlossen, dass ein Massenquartier nicht akzeptiert wird. Als Flüchtlingsherberge steht ab Dezember ein Teil der ehemaligen Custozza-Kaserne zur Verfügung. Auch das Rote Kreuz kümmert sich um eine Unterkunft.

Im Kloster Stein in Maria Anzbach wird Platz für 60 Flüchtlinge geschaffen, auch im Pflegeheim kommen Flüchtlinge unter. Auch in den anderen Gemeinden werden Unterkünfte geschaffen.

Während es auf der einen Seite Vorbehalte und Ablehnung gegen Flüchtling gibt, ist auf der anderen Seite die Hilfsbereitschaft in den Orten groß. Privatfamilien nehmen Flüchtlinge auf, zum Beispiel in Kirchstetten, Neulengbach oder im Laabental. In vielen Gemeinden schließen sich Bürger zusammen, so entsteht etwa das Mosaik Eichgraben oder die Initiative „Willkommen Mensch Maria Anzbach“. Willkommensfeste werden organisiert, Hilfsgüter und Spendengelder gesammelt, Deutschkurse und Fahrtendienste organisiert.


Bezirk St. Pölten wächst um sechs Gemeinden

Der NÖ Landtag beschließt die Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung. Sechs Gemeinden kommen zum Bezirk St. Pölten dazu: Tullnerbach, Purkersdorf, Pressbaum und Wolfsgraben wechseln in den Bezirk rund um die Landeshauptstadt. Ebenfalls nach St. Pölten kommen die Gemeinden Mauerbach und Gablitz, die ursprünglich nach Tulln zugeordnet werden sollten.

In der Region Wienerwald sieht man den Zuwachs optimistisch. In Kraft tritt die neue Regelung mit 1. Jänner 2017. Dann hat Niederösterreich insgesamt 20 Bezirke.


Sommer bringt Rekordhitze

Extrem heiß ist der Sommer 2015. Temperaturen jenseits der 30 Grad sind keine Ausnahme. Für die Badbetreiber ist das ein Grund zum Jubeln. So wird etwa im Neulengbacher Freibad ein absoluter Besucherrekord verzeichnet: 47.000 Besucher suchen Abkühlung.

Weniger Freude mit dem Wetter haben die Landwirte: Der über Wochen ausbleibende Regen und die Hitzeperioden führen dazu, dass die Ernte, außer Getreide, generell schlecht ausfällt.

Darüber hinaus sorgt der heiße Sommer auch für eine drastische Vermehrung des Borkenkäfers.


Fusion bei Raiffeisen

Die Raiffeisenbank Wienerwald schließt mit Ende des Jahres die Filialen Tausendblum und Asperhofen. Rund 3.000 Kunden sind davon betroffen, etwa 2.000 in Tausendblum und 1.000 in Asperhofen. In Asperhofen gibt es großen Protest gegen das Aus der Bank. Über 900 Unterschriften werden für den Erhalt des einzigen Geldinstituts im Ort gesammelt.

Katharina Wolk schreibt im Namen der Gemeinde an die Raiffeisen-Chefs einen Brief. Doch der Protest ändert nichts an der Entscheidung, dass die beiden Filialen zur Bank in Neulengbach dazukommen. „Mit zehn Bankstellen ist die Raiffeisenbank Wienerwald weiterhin der starke Nahversorger für alle Geldgeschäfte. Wir bieten in unserer Region nach wie vor das mit Abstand dichteste Bankstellennetz“, so die Raiffeisen-Geschäftsleitung.


Diskussion um Altlengbacher Kreisverkehr

Für heftige Debatten sorgt der geplante Kreisverkehr bei der Ortseinfahrt Altlengbach. Einige Unfälle passieren an dieser Stelle, ein Kreisverkehr soll für mehr Sicherheit sorgen. Uneinigkeit herrscht jedoch bei der Finanzierung. Die Kosten des geplanten Projektes belaufen sich auf 250.000 Euro, für 150.000 kommt das Land NÖ auf, die restlichen 100.000 Euro sollen die Gemeinden Altlengbach und Innermanzing zu gleichen Teilen bezahlen.

Während Altlengbachs VP-Bürgermeister Michael Göschelbauer und Innermanzings VP-Bürgermeister Ernst Hochgerner für diese Lösung sind, legt sich Altlengbachs SP unter Vizebürgermeister Wolfgang Luftensteiner quer. Begründung: Innermanzing profitiere mehr vom Kreisverkehr und solle daher auch einen größeren Anteil bezahlen. Nach langen Verhandlungen kann jedoch doch noch eine Einigung gefunden werden. Beide Gemeinden steuern je 50.000 Euro dazu, dafür verspricht Hochgerner bei einigen Anschaffungen der ASBÖ-Rettungsstelle einen Beitrag zu leisten.


Rücktritt beim Roten Kreuz

Überraschend legt der Bezirksstellenleiter des Neulengbacher Roten-Kreuzes sein Amt zurück: „Ehrenamt ist gut und schön, aber ich bin selbstständig. Man muss schauen, was Priorität hat. Die zeitlichen Ressourcen zwingen mich zum Rücktritt“, sagt der scheidende Rot-Kreuz-Chef. Auch seine Frau Maria Weichinger-Gastmayr, die Schriftführerin, Freiwilligenkoordinatorin und Leiterin des Gesundheits- und Sozialdienstes war, scheidet aus.

Ein neuer Bezirksstellenleiter wird im ersten Quartal 2016 gewählt.


Biber auf dem Vormarsch

Die Biber sind in der Region Wienerwald äußerst aktiv. Und das bringt Probleme mit sich, vor allem für Bauern: Durch den Rückstau entsteht auf Äckern in der Nähe von Bächen eine Staunässe. Die Biber graben unter den Ackerflächen auch oft unterirdische Röhren, was zu gefährlichen Situationen führen kann.

So bricht etwa eine Landwirtin bei der Arbeit mit dem Mähdrescher ein. Wasserverbandsobmann Karl Gfatter ist mit zahlreichen Beschwerden konfrontiert, vor allem weil viele Leute glauben, dass durch eine neue Verordnung des Landes die Biber einfach getötet werden können.


Krise bei bauMax

Die österreichische Baumarkt-Kette ist in der Krise. Ein Großteil der österreichischen bauMax-Märkte wird verkauft. 49 der insgesamt 65 Filialen übernimmt die deutsche Baumarkt-Kette OBI mit Sitz in Wermelskirchen in Deutschland.

Auch die Neulengbacher Filiale wird zu einem OBI. Alle Mitarbeiter werden übernommen. Nach Aufräumarbeiten und einer Umgestaltung wird der neue Baumarkt in der Tullnerstraße mit einem großen Fest und vielen Besuchern eröffnet.
 

Zitate des Jahres

„Wir waren sehr erfreut und auch sehr überrascht. Sie ist ein braves Baby und ähnelt ihrer Schwester Pia sehr.
Kathrin Zarda, Mutter der 8000. Neulengbacherin Lisa Zarda.

„Bis dato haben wir es nicht geschafft, Kandidaten zu finden. Wir wollen die Suche in Ruhe und gezielt fortsetzen und schauen, dass wir doch noch jemanden finden.“
Michael Gratz von der Region Elsbeere Wienerwald über die Absage der Wahl des Elsbeer-Prinzen.

„Das Weggehen von unserer Schule fällt mir nicht leicht, aber ich gehe mit einem ruhigen Gewissen.“
Neulengbachs Mittelschul-Direktorin Gabriele Pollreiß wird Pflichtschulinspektorin in Baden.

„Seit dem Erdbeben habe ich keinen Kontakt zu meinen nepalesischen Freunden. Sollte das Erdbeben die Schulen zerstört haben, baue ich sie wieder auf.“
Der Laabener Rudi Praschl-Pichler nach der Erdbeben-Katastrophe in Nepal.

„Mit den Knien hab ich ein bissl zu tun, aber sonst bin ich pumperlgsund.“
Der Neulengbacher Helmut Rabel wurde durch eine Namensgleichheit für tot erklärt.

„Ich habe nur einige Sirenen gehört. Es war echt arg. Ich war vielleicht eineinhalb Kilometer entfernt, aber ich habe nichts mitbekommen. Mir ist ganz anders geworden.“
Die Asperhofenerin Elisabeth Kuntner war bei den Anschlägen in Paris nicht weit davon entfernt.

„Wir hatten jahrelang die besten Ergebnisse im Bezirk. Aber von oben ist nie etwas gekommen. Mit der Bezirkspartei funktioniert es nicht.“
Kurt Schmidratner über die Auflösung der FP-Ortsgruppe Asperhofen.
 


2015 nahmen wir Abschied von...

Josef Eichinger: Kurz vor Weihnachten stirbt nach schwerer Krankheit Josef Eichinger im 88. Lebensjahr im Krankenhaus Hietzing in Wien. Eichinger war von 1978 bis 2014 Herausgeber der NÖN und von 1983 bis 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrates des NÖ Pressehauses gewesen. Von 1978 bis 2014 war er als Obmann an der Spitze des Pressvereins der Diözese St. Pölten gestanden. Bis zuletzt leitete er noch die St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“.

Karoline Hochreiter: Im Jänner heißt es Abschied nehmen von Karoline Hochreiter (80). Die Ehrenbürgerin von Maria Anzbach war 30 Jahre lange Gemeinderätin, 20 Jahre davon als geschäftsführende Gemeinderätin sowie jahrzehntelang in der Pfarre aktiv. Sie war 23 Jahre lang als Bezirks- und Gebietsbäuerin bei der Arbeitsgemeinschaft der Bäuerinnen, in der Interessenvertretung der Bauern, Kammerrätin, Landeskammerrätin und im Präsidium des NÖ Bauerbundes. Sie gründete auch den Unabhängigen Geselligkeits- und Kulturverein.

Franz Schleining: Im August stirbt Franz Schleining (80) nach einem Herzinfarkt. Über zehn Jahre war er für die SPÖ im Neulengbacher Gemeinderat tätig. 2015 ist er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten.  Schleining war außerdem von 1996 bis 2003 Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes. Auch im Gewerkschaftsbund, als Betriebsrat und bei der Volkshilfe war er.

Leopold Göschelbauer: Völlig unerwartet stirbt im November der Asperhofener Leopold Göschelbauer (57), Präsident der Jagdgilde Neulengbach, Ollersbach und Umgebung, während einer Dienstreise in China. Er war langjähriges Mitglied und ehemaliger Gruppenkommandant der Feuerwehr Asperhofen. Seine Leidenschaft galt der Jagd. Er war auch stellvertretender Bezirksjägermeister in St. Pölten.

Franz Muck: Im Juli stirbt Franz Muck (81). Der Altlengbacher war 37 Jahre im Gemeinderat und 21 Jahre lang Vizebürgermeister. Im Vorjahr erhielt er das große Ehrenzeichen für 60-jährige Mitgliedschaft zur SPÖ. Muck war außerdem viele Jahre Vorstandsmitglied beim Pensionistenverband. Darüber hinaus unterstützte er den Sportverein, dessen Gründungsmitglied und langjähriger Sektionsleiter er war.

Leopold Binder: Ende Oktober stirbt der Eichgrabener Leopold Binder. Der Ehrenlöschmeister verrichtete über 60 Jahre seinen Dienst bei den Florianis. Er war auch langjähriges Mitglied des Jagdausschusses und des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereins. Binder erhielt für seine Verdienste die Goldene Ehrennadel der Marktgemeinde.

Hannes Schulz: Hannes Schulz verstirbt Anfang Dezember im 75. Lebensjahr. Der Altlengbacher war Gründer des Laabentaler Viergesangs (1975), der Mostschenke Schulz, Gründungsmitglied des Bildungs- und Heimatwerkes und Initiator das Laabentaler Herbstsingens. Mit seinem Tod endete auch die Erfolgsgeschichte der Gruppe.