Eichgraben

Erstellt am 01. Juli 2016, 05:32

von Renate Hinterndorfer

FH-Projekt:Viele Geschichten zum Thema Flucht. Wieso in Eichgraben die Flüchtlingspolitik so gut klappt, haben zukünftige Journalisten untersucht.

„Zum Beispiel Eichgraben - Die Welt im Dorf“ lautet der Titel des FH-Projekts, das in Eichgraben realisiert wurde  |  Tobias Holub, Tobias Holub

38 angehende Journalisten der Fachhochschule für Management und Kommunikation waren in Eichgraben unterwegs: Sie sind der Frage nachgegangen, wie Asylpolitik gelingen kann.

Anfangs wurden die „neugierigen“ Journalisten ein wenig misstrauisch beäugt, aber bald war das Interesse der Bevölkerung geweckt. „Auf einmal erzählten alte Eichgrabener über ihre eigene Flucht während des Zweiten Weltkriegs oder über den Krieg, der auch hier getobt hat. Krieg und Flucht haben ja nicht nur die heutigen Flüchtlinge erlebt“, sagt Florian Klenk. Der Falter-Chefredakteur betreut an der Wiener FH Journalisten. Gemeinsam mit der Eichgrabenerin Ursula Leutgöb hatte er die Idee für das Rechercheprojekt. Vielen Fragen wurde nachgegangen: Was treibt den Ort an, zu helfen? Wie denken Eichgrabener und Flüchtlinge über Frauen, Religion, Kindheit, Heimat, Krieg und Kochen? Welche Vereine helfen bei der Integration? Daraus wurde „Zum Beispiel Eichgraben“.

„Auf die Frage, was sie an den Flüchtlingen stört, antworteten alle befragten Eichgrabner mit: Nix. Offenbar werden viele Probleme von Populisten hochgespielt.“ Florian Klenk

Florian Klenk erzählt: „Wir haben Videos von Flüchtlingen gedreht, ihre Geschichten aufgeschrieben, aber auch ihren Alltag dokumentiert, etwa Kochrezepte und Träume aufgeschrieben.“ Auch die Eichgrabener Politiker wurden befragt. Die Schule und die Stammtische wurden besucht und Kindermärchen von Flüchtlingen und Eichgrabenern gesammelt.

Die Menschen seien sehr offen, sehr direkt gewesen. Zum Teil wurden Geschichten über Eichgraben und über Flüchtlinge erzählt, die niemand je hörte. Klenk: „Ein irakischer Polizist erzählte uns, wie er vor dem IS flüchtete, wir rekonstruierten die lange Odyssee eines syrischen Dissidenten. Und wir erfuhren, wie es war, als in Eichgraben die Mädchen vor den Tieffliegern in den Straßengraben sprangen oder wie die Juden hier vertrieben wurden anno 1938.“ Enttäuscht seien die Projektteilnehmer gewesen, dass noch immer kein Denkmal an Eichgrabens vertriebene Juden erinnert, merkt der Falter-Chefredakteur an.

Präsentation auch in Eichgraben

Etwa sieben Wochen nahm das Projekt in Anspruch. Die Ergebnisse werden am 30. Juni an der FH am Währinger Gürtel und im Herbst dann in Eichgraben präsentiert.

Florian Klenks Conclusio: „Der Ort hat es geschafft, jene fünf Prozent zu aktivieren, die helfen. Die fünf Prozent, die meckern, sind in die Defensive geraten. Das ist eine große Leistung.“