Erstellt am 21. September 2015, 12:44

von Lisa-Maria Seidl

Schiele neu entdeckt. Neue und innovative Zugänge zum Werk Egon Schieles und dessen Aktualität für die Gegenwart wurden beim 14. SCHIELE fest unter dem Motto „Die Kontroverse beginnt“ beleuchtet.

 |  NOEN, Lisa Seidl

Es geht um ein neues Menschen- und Liebesbild und um eine Überschreitung von Grenzen. Man fragt danach, was am Werk Egon Schieles heute noch aktuell und zeitgenössisch ist. „Wir sind ein kleines, avantgardistisches und freies Festival“, erklärt die künstlerische Leiterin Eva Brenner, die die Besucher durch die Veranstaltung führte,

„Heuer sind wir nach sechs Jahren und mit einem konzeptionellen Neubeginn wieder nach Neulengbach zurückgekehrt.“ Im Zentrum stand der Austausch zwischen Publikum, Kunst und Künstlern aus den verschiedensten Bereichen von der Bildenden Kunst, über das Theater bis hin zu Musik und neuen Medien.
 

Vier einzigartige Stationen bildeten den Rahmen für das Fest. Am Beginn stand eine Bilderinstallation von Leander Kaiser zum Thema „Das Ende des bürgerlichen Zeitalters“, dabei handelt es sich um drei Bilder aus einer Serie, die bereits in Wien ausgesellt wurde. In der idyllischen Atmosphäre der Künstlervilla Peter&Eva sprach der Maler auch über das von Schiele neu definierte Menschenbild. Weiter ging es mit einer Ausstellung von Germana Kovacic mit dem Titel „Buschmetamorphosen“ im Foyer des Gemeindezentrums in Maria Anzbach.

Nach einem Spaziergang zum Wohnatelier Schieles führte der Weg in die Villa Kreativ nach Neulengbach, wo Maler Wilfried König ein Publikumszeichnen leitete sowie eine textile Installation von Barbara Hechl zu bewundern war.

Den Abschluss des Festes bildeten der Vortrag „Schiele androgyn“ von Elisabeth von Samsonow sowie eine eindrucksvolle Performance nach Oskar Kokoschkas expressionistischem Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“ im GRAF+ZYX Tank.

Neubewertung der Diskussion um Schiele

Nach Neulengbach kam Egon Schiele im Jahr 1911, wo er sich mit der figuralen Malerei, Aktstudien und Zeichnungen mädchenhafter Körper widmete. Damit erregte er immer wieder Anstoß, bis er ein Jahr später unter dem Vorwurf der Verführung einer Minderjährigen in seinem Haus verhaftet wurde. Verurteilt wurde er schließlich wegen „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“. Schiele verließ Neulengbach daraufhin und kehrte auch nicht wieder zurück.

Gefördert wurde das SCHIELE fest von Land, Bund und privaten Sponsoren. „Trotz der geringen finanziellen Mittel ist es uns gelungen, etwas Neues und Innovatives zu versuchen. Es ist ein kleines, bescheidenes Festival, aber mit einem großen Geist“, betont Eva Brenner. Die multikulturelle und interdisziplinäre Künstlergruppe rund um das Festival will zu einer Neubewertung und Belebung des Diskurses über das Leben und Werk Egon Schieles beitragen.