Erstellt am 15. Juni 2016, 17:30

von Renate Hinterndorfer

Freie Arztstelle : "Keine Überraschungen". Dass noch kein Nachfolger für Alois Schweighofer da ist, sorgt für Diskussionsstoff. Ärztevertreter kritisiert das System. ALTLENGBACH / 

Die Suche nach einem zweiten Arzt für Neulengbach war bisher nicht erfolgreich.  |  NOEN, Erwin Wodicka - erwin.wodicka@gm

Allgemeinmediziner Alois Schweighofer geht in Pension, die Ordination ist mit 30. Juni frei. Die Stelle wurde wie berichtet von der Gebietskrankenkasse ausgeschrieben, aber ohne Erfolg.

Für Wolfgang Geppert vom österreichischen Hausärzteverband ist das keine Überraschung: „Wie prophezeit wird die Nachbesetzung der Schweighofer-Planstelle eine große Herausforderung. Das bei Wegfall der Hausapotheke vorauszusagen war kein großes Kunststück.“

Nur eine Ärztin hat sich wie berichtet für die Arztstelle in Altlengbach beworben. Auf einen Ärztemangel sei das geringe Interesse nicht zurückzuführen, erklärt Geppert: Die Anzahl von Wahlarzt-Praxen würde explodieren, das Problem sei, dass Kassenplanstellen immer unattraktiver würden: „Jungärzte scheuen diese Form der extremen Fremdbestimmung.“ Geppert spricht sogar von einer „schrittweisen Versklavung der Kassenärzte.“ Die Palette der Quälereien reiche von „mystery shopping“ über Ausweiskontrollen bei Fremdpatienten bis zum Zwang, an ELGA teilzunehmen.

Für bessere  Rahmenbedingungen

Seitens der Gebietskrankenkasse wird betont, dass man gemeinsam mit der Ärztekammer das Ziel habe, die Patienten in ganz NÖ gut zu versorgen. „Dazu gehört auch, dass wir gemeinsam mit der Ärztekammer an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für unsere Ärzte arbeiten“, betont Pressesprecherin Elisabeth Heinz. Ein Hauptthema sei die Work–Life-Balance. Die verschiedenen Modelle der Gruppenpraxis würden den aktuellen Arbeits- und Lebenswelten von Ärzten entgegenkommen. Heinz: „Das dürfte auch die Ärzteschaft so sehen. Die Zahl der Gruppenpraxen hat sich seit 2010 in Niederösterreich verdreifacht. Das kommt auch den Patienten entgegen, zum Beispiel durch längere Öffnungszeiten.“

Prinzipiell sei zu sagen, dass ein Vertragsverhältnis einem Arzt eine gute Absicherung biete, etwa durch einen bedarfsorientierten Stellenplan und eine gute Honorierung. Als weitere Vorteile nennt Elisabeth Heinz die Bereitstellung eines Teils des Ordinationsbedarfs und die Vernetzung der Daten mit hochsicheren, modernen Kommunikationsformen. „Allerdings ist ein Vertrag immer nicht nur mit Rechten, sondern auch Pflichten verbunden – das gilt auch für einen Kassenvertrag“, sagt die Pressesprecherin der NÖ Gebietskrankenkasse.