Erstellt am 24. Februar 2016, 04:59

von Renate Hinterndorfer

Gegen zu dichte Verbauung. Christian Popp protestiert weiter gegen drei Wohnhäuser in der Liechtensteinstraße. Baubehörde prüft Gutachten.

Eine Skizze des geplanten Projekts in der Liechtensteinstraße.privat  |  NOEN, zVg

Das Raumordnungsprogramm der Stadtgemeinde Neulengbach wird abgeändert. Ein wesentlicher Punkt: Eine zu große Verdichtung der Bebauung soll in Zukunft verhindert werden. In weiten Teilen des Bauland-Wohngebiets sollen nur mehr maximal zwei Wohneinheiten pro Grundstück errichtet werden dürfen.

Ein geplantes Projekt in der Liechtensteinstraße 106 ist von dieser Regelung nicht betroffen, sehr zum Ärger von Anrainer Christian Popp: „Die Möglichkeit der Beschränkung auf maximal zwei oder drei Wohneinheiten pro Grundstück sieht das NÖ Raumordnungsgesetz nicht erst seit gestern, sondern bereits seit dem Jahr 2007 vor. Andere Gemeinden in der Kleinregion haben diese Möglichkeit bereits vor Jahren genutzt.“ Christian Popp wirft der Stadtgemeinde Neulengbach ein Versäumnis zu Lasten der Anrainer vor.

Unterschriften gegen Projekt

Wie berichtet plant die Genossenschaft „Schönere Zukunft“ drei Wohnhäuser mit 29 Wohneinheiten. 71 Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt.

Hauptkritikpunkte sind: Unverträglichkeit mit dem vorhandenen Ortsbild, Verschärfung der Verkehrssituation und „die Tatsache, dass durch das Nichthandeln der Gemeinde eine Wohnbaugesellschaft gegenüber den Anliegen einer großen Anrainerschaft bevorzugt wird“, ärgert sich Christian Popp. Teile der Wohnblöcke seien in potenziell gesundheitsgefährdenden Lärmzonen der Westbahn.

Ein Ortsbildgutachten der „Schöneren Zukunft“ sei nicht im Detail geprüft worden, obwohl die Gemeinde von ihm über Mängel informiert worden sei, kritisiert Christian Popp weiters. Er hat selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: Das geplante Bauvorhaben entspreche bezüglich Ortsbildgestaltung nicht der Bauordnung. Auf die Einhaltung des Ortsbildes steht Nachbarn allerdings kein subjektiv öffentliches Recht zu. Für Christian Popp ist aber klar: „Das Vorhaben ist in der eingereichten Form wegen des Ortsbildes nicht bewilligungsfähig. Da baut man drei Blöcke mit bis zu 13 Metern Höhe, und dann sagt man, das ist ortsbildverträglich.“ Auch die über 1000 Quadratmeter große Parkfläche sei nicht ortsbildverträglich: „Da bringt man nicht einen Baum hin.“

„Wir haben unsere Hausaufgaben erfüllt"

Raimund Haidl, Geschäftsführer der Wohn- und Siedlungsgenossenschaft, erklärt, dass man auf alle Forderungen der Anrainer, die wirtschaftlich erfüllbar waren, eingegangen sei. Haidl rechnet mit einem positiven Bescheid der Baubehörde: „Wir haben unsere Hausaufgaben erfüllt. Es gibt dringenden Bedarf an Wohnungen und ich finde es schade, dass jemand ein Projekt so lange verzögern kann.“

Bürgermeister Franz Wohlmuth erklärt: „Man wird die beiden Gutachten prüfen und dann wird es eine Entscheidung geben. Wenn das Projekt genehmigungsfähig ist, dann muss ich die Genehmigung erteilen, sonst würde ich mich strafbar machen.“ Zum Thema verdichteter Wohnbau sagt der Ortschef: „Im Bauland-Kerngebiet, in Bahnnähe und rund um den Bahnhof ist verdichteter Wohnbau weiterhin möglich.“