Erstellt am 02. Februar 2016, 05:08

von Ernst Klement

Glück im Unglück: "Ein Engel rettete mich". Leopold Katzensteiner erinnert sich an die dramatischen Stunden nach seinem Sturz in der Eiseskälte. Er hatte nur mehr 23 Grad Körpertemperatur.

Bereits eine Woche nach dem Unfall sitzt Leopold Katzensteiner bei frühlingshaften Temperaturen in seinem Garten. Schwere Erfrierungen an den Händen hat er von den Stunden im Schnee davongetragen.  |  NOEN, Klement

„Eigentlich habe ich mit meinem Leben schon abgeschlossen gehabt“, erinnert sich Ingenieur Leopold Katzensteiner an jene dramatischen Stunden zurück: Wie berichtet kam der 76-Jährige in der Vorwoche auf dem Heimweg vom Holzhackerball zu Sturz und überlebte mehrere Stunde bei Eiseskälte im Freien.

Katzensteiner wollte eine Abkürzung zu seinem Haus nehmen und das wurde ihm zum Verhängnis: „Ich rutschte einen steilen, eisigen Schneehang hinunter und konnte von dort nicht mehr hinauf. Immer wieder krallte ich mich mit den Fingern in den Schneehang und wollte hinaufklettern, doch immer wieder rutschte ich hinunter“, schildert der Laabener seine ausweglose Situation. „Ich sah die Autos auf der Straße fahren, doch niemand sah mich. Eigentlich habe ich mit meinem Leben schon abgeschlossen. Dass mich doch noch ein Engel namens Leopoldine Halbwachs rettete, an das habe ich nicht mehr geglaubt.“

"Mit 20 Grad gibt es kein Überleben mehr.“

Denn am Samstagvormittag wurde eine Autofahrerin auf den Mann im Schnee aufmerksam. Sie alarmierte sofort die Einsatzkräfte, die den Verunglückten befreiten und ins Universitätsklinikum St. Pölten brachten.
Wie knapp Leopold Katzensteiner dem Tod entronnen ist, stellte sich dort heraus: Eine Stunde länger in der Eiseskälte hätte er wohl nicht überlebt. „Ich hatte eine Körpertemperatur von 23 Grad, der Arzt sagte mir, dass eine Stunde später meine Körpertemperatur bei 20 Grad gewesen wäre. Und mit 20 Grad gibt es kein Überleben mehr.“ Dann hätte die Ballnacht ein dramatisches Ende genommen.

„Leider war es eine eisige Nacht.“ 

Leopold Katzensteiner ist Stammgast beim Holzhackerball: „Ich gehe nur auf den Holzhackerball, das gehört in Laaben dazu, und leider war es diesmal besonders gemütlich“, erinnert er sich. Dass es „eine große Blödheit“ war, in seinem Zustand allein nach Hause zu gehen, gibt er unumwunden zu: „Leider war es eine eisige Nacht.“ Sein Glück war, dass er körperlich topfit ist. Er hat immer Sport betrieben und fährt auch jetzt noch jeden Tag eine Stunde mit dem Mountainbike. So hat er die eisige Nacht ohne Lungenentzündung überstanden.

Schwere Erfrierungen an den Händen und Fingern

Ganz folgenlos ist sein „Ausrutscher“ in der Nacht von Freitag auf Samstag aber nicht geblieben: Der Laabener hat durch das ständige Festkrallen im Schnee schwere Erfrierungen an den Händen und Fingern davongetragen. „Man ist ohne Finger so unbeholfen, die Schmerzen sind enorm. Hätte ich mich nicht ständig mit den Fingern in den Eishang hineingekrallt, hätte ich überhaupt nichts.“

Doch die Ärzte konnten größeren Schaden vermeiden: „Mein großer Dank gilt meinen fantastischen Ärzten, der Notärztin und der St. Pöltner plastischen Chirurgie. Sie haben mir die Finger trotz der schweren Erfrierungen gerettet.“

Nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause am vergangenen Wochenende muss der Patient noch einmal ins Spital: In dieser Woche stehen mehrere Hauttransplantationen an den erfrorenen Fingern an, die an der Abteilung für plastische Chirurgie in St. Pölten durchgeführt werden.