Erstellt am 23. Februar 2016, 05:34

"Ich bin ein Lamperl!". Von Bankern fühlte sich 78-Jähriger um Geld betrogen. Mit Blutbad und Abstechen drohte er und sitzt nun vor Richterin.

„Ich habe ein bisserl zu viel getrunken“, erklärte der Angeklagte seinen Ausraster vor Gericht.dpa  |  NOEN, dpa/Maurizio Gambarini

"Es wird ein Blutbad geben, wenn die diebischen Elstern nicht sofort mein Geld rausrücken.“ Das schrieb ein 78-Jähriger in einem Brief an eine Bank und drohte der Mitarbeiterin der Filiale in Neulengbach mit dem Abstechen ihres Kollegen.

Weil sich der Pensionist um sein Geld betrogen fühlt, macht er schon seit längerer Zeit Bankern das Leben schwer und wurde wegen Drohung auch schon zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt. Nun sitzt er wieder auf der Anklagebank im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Einsichtig zeigt er sich vor Richterin Doris Wais-Pfeffer nicht.

„Ich fühl mich auf keinen Fall schuldig. Womit soll ich denn jemand verletzen? Ich bin doch ein Lamperl“, sagt er und lässt seinem Unmut freien Lauf.

„Wenn es um Geld geht, wird man leicht nervös“

„Frau Rat, 22.000 Euro hab’ ich hergegeben für Wertpapiere, und dann hab’ ich eine Bestätigung bekommen über nur 18.000 Euro. 4.000 Euro haben sie mir unterschlagen, die hat die Bank eingesteckt. Eine Bagage ist das! Man wollte mich bestehlen. Und bestehlen lass ich mich nicht.“

Dass er in der Bank geschrien hat, gibt er zu. „Weil ich hart gearbeitet hab’ wie ein Tier um mein Geld und die so getan haben, als ob ich spinnen würd’. Und Antworten hab’ ich gar keine bekommen! Außerdem, so genau kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich bin ja auch schon ein bisserl verkalkt.“

Ob der Pensionist zornig war? „Frau Richterin, was würden Sie denn tun“, entrüstet er sich. „Das ist doch eine Rasselbande, und dass ich hier sitze, das ist, wie mit der Steinschleuder auf Amseln schießen“, wettert er.

Und weiters: „Sie müssen schon verstehen, dass man, wenn’s ums Geld geht, leicht nervös wird. Fürs Blutbad möcht’ ich mich entschuldigen. Das war nicht bös gemeint, nur zur Abschreckung.“

Ein Urteil fällt die Richterin nicht. Weil eine Zeugin erkrankt ist, vertagt sie.