Erstellt am 21. September 2015, 15:32

von Ernst Klement

"Ich konnte nicht einfach wegschauen". Der Innermanzinger Christoph Bösch nahm in seinem neu umgebauten Haus 17 Flüchtlinge auf.

Der Innermanzinger Christoph Bösch hat 17 Asylwerber aufgenommen, gemeinsam stellten sie sich zum Gruppenfoto auf.  |  NOEN, Ernst Klement

„Das waren die zwei sinnvollsten Wochen meines Lebens“, sagt Christoph Bösch, obwohl er von Gefängnis bis zu enormen behördlichen Schikanen in diesen zwei Wochen alles durchgemacht hatte.

„Ich bin fast an meine persönlichen Grenzen angelangt. Doch ich lasse mich nicht stoppen“, sagt der Geschäftsmann. Er bietet 17 Flüchtlingen in Innermanzing ein Dach über dem Kopf. „Als ich dieses enorme Flüchtlingsdrama gesehen habe, musste ich helfen. Ich konnte nicht einfach wegschauen. Es geht darum, Menschen, die Fürchterliches erlebt haben, in unserem Land willkommen zu heißen und ihnen durchaus eine dauerhafte Perspektive zu geben“, sagt der Innermanzinger.

Als Schlepper verhaftet

Er machte sich mit Freunden auf nach Ungarn, von wo sie eine afghanische Großfamilie mit vier Kindern und einem Syrer, der sich dem Konvoi anschloss, über die Grenze brachten. „In Österreich wurde ich als Schlepper verhaftet, kam aber nach zwei Tagen Gefängnis wieder frei, da ich meine Unschuld beweisen konnte“, erinnert er sich.

Da Bösch gerade die Umbauarbeiten in seinem Haus in Innermanzing abgeschlossen hatte, konnte er 17 Asylwerber unterbringen. Auch die Caritas begrüßte das Engagement.

Menschen brauchen ein Dach über den Kopf

„Es geht primär um die Schaffung von Wohnraum, es kommt der Winter, die Menschen brauchen ein Dach über den Kopf, da lasse ich mich von den behördlichen Schikanen nicht aufhalten“, sagt der Geschäftsmann.

Seit dieser Woche besuchen drei afghanische Kinder bereits die Mittelschule Laabental, wo sie herzlich aufgenommen wurden. Ein Kind besucht die Volksschule. Christoph Bösch bringt auch täglich die Kinder zur Schule und holt sie ab, damit hat er auch hier alle behördlichen Auflagen erfüllt. Jedes schulpflichtige Kind muss in Österreich die Schule besuchen.

Am Rande der Erschöpfung

In der Schule erzählte Mohassam in Englisch seinen Kollegen über die Flucht, die 28 Tage von Afghanistan bis Innermanzing dauerte. „Wir waren zu Fuß über die Berge im Iran und mit einem alten Boot nach Griechenland unterwegs, von dort ging es wieder zu Fuß über Serbien und Ungarn weiter nach Österreich. Meine Geschwister und ich waren am Rande der Erschöpfung – ausgehungert, ausgefroren bis uns Herr Bösch in Ungarn aufgegriffen hat. Dafür ist der junge Bursche unendlich dankbar: „Danke Österreich“ schreibt der 14-jährige Mohassam auf die Tafel und hofft, dass endlich Frieden in sein Leben kommt.