Erstellt am 12. Januar 2016, 05:23

von Nadja Straubinger

Junge Fahrer oft abgelenkt - Probezeit verlängern?. Vorschlag zur Verlängerung der Probezeit wird in St. Pöltens Fahrschulen unterschiedlich gesehen. Verbesserungspotenzial beim Mopedschein orten allerdings alle.

Im Juli forderte ein Unfall in Statzendorf ein junges Todesopfer. Derzeit ist der Probeführerschein wieder in aller Munde. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit etwa fordert die Verlängerung der Probezeit.  |  NOEN, Freiwillige Feuerwehr Statzendorf

Der Probeführerschein ist Thema vieler Diskussionen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert aktuell die Verlängerung von zwei auf vier Jahre – Grund dafür ist der starke Anstieg von Unfällen von Lenkern, die noch in der Probezeit sind. Im Bereich St. Pölten sind das jährlich gut 20 Unfälle.

„Da muss man etwas tun“, betont Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, denn: „Die meisten Unfälle passieren in den ersten vier Jahren.“ Zur Ausweitung der Probezeit solle auch der Delikte-Katalog angepasst werden: Die Verwendung von Handys solle darin aufgenommen werden, da Ablenkung die Unfallursache Nummer eins ist. Weitere Ursachen sind überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholkonsum.

Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler hält den Vorschlag für denkbar: „Der Probeführerschein hat sich bewährt. Viele haben Angst um ihren Führerschein, daher kann sich eine Verlängerung der Probezeit auch nicht negativ auswirken.“

„Jede Maßnahme, Unfälle zu verhindern, ist eine richtige.“
Richard Mader, Fahrschule Sauer

„Jede Maßnahme, einen Unfall zu verhindern, ist eine richtige“, ist Richard Mader, Inhaber der Fahrschule Sauer, überzeugt. Er ist aber der Meinung, dass mehr Übungsfahrten in der Ausbildung besser als eine Verlängerung der Probezeit wären. Hinsichtlich der Ablenkung würde Mader auf Aufklärungskampagnen setzten. „Ich bin für eine Ausbildungsstunde, bei der Schüler mit Profi-Begleitung im Fahrtechnikzentrum ausprobieren können, wie viel sie mit Handy am Steuer noch mitbekommen.“

Fahrschulinhaber Michael Mayer spricht sich für eine 0,1 Promille-Regelung aus, wobei er sicher ist: „Das wird man nicht machen, weil verschiedene Interessen aufeinanderprallen“. Die Ablenkung sieht auch er als Problem: Früher habe es nicht einmal ein Autoradio gegeben. Heute seien es Navis, CDs, Infotainment – „irgendwann packt das der Mensch nicht mehr.“ Eine Verlängerung der Probezeit hält Mayer für denkbar.

Davon nicht überzeugt ist Fahrschulinhaber Rudolf Polivka: „Ich glaube nicht, dass das etwas bringt. Meines Wissens passieren die meisten Unfälle in den ersten beiden Monaten.“

Mopedschein soll schwieriger werden

Einen sprunghaften Anstieg an Todesopfern gibt es österreichweit auch bei den Mopedfahrern. Das Kuratorium fordert deshalb eine Anhebung des Prüfungsniveaus. „Schließlich fährt man mit dem Moped auch zwischen Lkw und Pkw. Die Ausbildung und Prüfung muss dem Namen ‚Mopedführerschein‘ gerecht werden“, so Kaltenegger. In Sachen Moped-Führerschein sind sich die St. Pöltner Fahrschulinhaber einig: Mader könnte sich vorstellen, dass Praxisstunden nicht mehr in der Gruppe und mehr im Verkehr absolviert werden.

Gut wäre, die theoretische Prüfung in das Computersystem zu implementieren, so Mader. Dem stimmt Polivka zu, denn „mit dem Moped ist man fast im selben Tempo wie mit anderen Kraftfahrzeugen unterwegs“. Mayer schlägt außerdem vor, dass praktische Fahrprüfungen mit externen Fahrprüfern durchgeführt werden. Das sei aber auch mit höheren Kosten verbunden.