Erstellt am 24. Oktober 2015, 09:27

von Ernst Klement

"Keiner flüchtet gern". Betreuerin Judith Aschenbrenner brachte einen irakischen Flüchtling mit Jugendlichen der Neuen Mittelschule Laabental zusammen.

Salman Al-Dulaimi mit den Schülern der zweiten Klassen Thomas Herdlicka, Leopold Kahri, Jan Franzke, Saranda Kadira, Lucy Schraml, Bianca Daxböck, und Christine Wang beim Workshop zum Thema Flüchtlinge.Klement  |  NOEN

Seit Oktober besuchen drei Schüler aus Afghanistan die Mittelschule Laabental und sind schon gut integriert. Die Mittelschule Laabental ist ein Vorreiter in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen. Asylwerber dürfen auf dem Kunstrasen der Mittelschule Laabental Sport betreiben. Immer wieder gibt es auch Fußballspiele zwischen Schülern und Flüchtlingen.

Vorurteile, Ängste und Konflikte werden abgebaut

Das persönliche Kennenlernen eröffnet die Möglichkeit, Vorurteile, Ängste und Konflikte abzubauen und ein gegenseitiges, offenes Miteinander zu fördern.

Nun brachte Flüchtlingsbetreuerin Judith Aschenbrenner den Iraker Salman Al–Dulaimi in die Mittelschule und in einem Projekt mit jeder Klasse schilderte er seine Flucht und das Flüchtlingsleben in Österreich. Die Schüler konnten auch Fragen stellen, die ihnen zum Flüchtlingsthema am Herzen lagen. Salman schilderte die Kriegszustände in Syrien und erzählte auch über das Leben davor, als Syrien noch ein blühendes Land war:

„Durch die Angriffe der USA und den Tod des Diktators Saddam Hussein wurde unser Land destabilisiert , die Armee zerstört und unser Land schlitterte in einen fürchterlichen Bürgerkrieg.“ Auf die Frage, warum Europäer Waffen in diese Region liefern, antwortete er: „Das ist alles Politik. Warum Kriege entstehen, kann keiner erklären. Die Menschen wollen Frieden. Keiner flüchtet gern aus seiner Heimat.“

Salman Al–Dulaimi hat zwei Kinder im Alter von einem Jahr und sechs Jahren. Die Familie hat er zurückgelassen: „Die Flucht mit zwei Kleinkindern ist zu risikoreich, ich habe es geschafft nach Österreich und hoffe, dass nun bald meine Familie nachkommt.“

Auf der Flucht wurde der Iraker schwer verletzt, trotz allem gelang es ihm, über die Balkanroute nach Österreich zu kommen, wo er zunächst ins Erstaufnahmezentrum Traiskirchen und dann nach Innermanzing ins Gasthaus Helmmuth kam.

„Warum haben alle ein Handy?“

Salman erklärte den Kindern auch die Bedeutung der Religion in den Krisengebieten: „Die Religion ist Dreh- und Angelpunkt allen Denkens und Handelns in diesen Regionen“.

Natürlich kam von den Kindern auch die Frage, warum alle Flüchtlinge ein Mobiltelefon haben. „Das Handy ist der einzige Kontakt zu unseren Familien, damit habe ich immer Kontakt zu meiner Frau und meinen zwei Kindern“. Salam Al-Dulaimi ist Arzt und spricht perfekt Englisch. In Englisch wurde auch die Diskussion geführt. Die Schüler jedenfalls haben mit diesem Projekt einen neuen Blick auf die Welt bekommen.