Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:48

von Renate Hinterndorfer

Ort bald ohne Hausarzt?. Allgemeinmediziner Rudolf Burg wird in absehbarer Zeit in Pension gehen. Er befürchtet, dass es keinen Nachfolger gibt, wenn die Hausapotheke wegfällt.

Der Kirchstettener Arzt Rudolf Burg: »Die Hausapotheke ist die einzige Möglichkeit, dass man diese kleine Praxis wirtschaftlich führen kann.«  |  NOEN, Wanderer

„Über kurz oder lang wird Kirchstetten keinen Hausarzt mehr haben“, sagt Gemeindearzt Rudolf Burg. Er selbst geht in absehbarer Zeit in Pension. Den genauen Zeitpunkt hat der 67-jährige Mediziner noch nicht festgelegt: „Aber wenn ich mich entscheide, die Verträge mit den Krankenkassen zu kündigen, ist die Praxis drei Monate später geschlossen.“

Doktor Burg betreibt im Gebäude der Praxis auch eine Hausapotheke: „So können die Patienten die verschriebenen Medikamente ohne aufwendige Umwege mitnehmen und für den Arzt ist es die einzige Möglichkeit, die kleine Praxis wirtschaftlich rentabel zu führen.“

Ein etwaiger Nachfolger darf aber aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen keine Hausapotheke mehr führen, weil die Entfernung zur nächsten öffentlichen Apotheke geringer als sechs Kilometer ist. Deswegen ist abzusehen, dass Kirchstetten bald ohne Hausarzt dastehen wird. Rudolf Burg betont, dass er schon seit Jahren die Gemeindepolitiker auf die Problematik aufmerksam mache.

Er hat viele Gespräche geführt, einen offenen Brief an den Gemeinderat geschrieben, Unterschriften gesammelt und Lösungsvorschläge eingebracht: „Man könnte den Ordinationsstandort verlegen, sodass er mehr als sechs Kilometer von einer öffentlichen Apotheke entfernt ist“, so Burg. Auch eine vorübergehende Containerlösung ist in diesem Zusammenhang für ihn denkbar.

Dafür gäbe es mehrere gut funktionierende Beispiele. Jetzt hat er sein Engagement aber aufgegeben, weil er seitens der Gemeinde kein Interesse an einer Lösung erkennen kann: „Das sollte ja ein vorrangiges Anliegen der Gemeinde sein für die Bevölkerung den Praxisstandort mit Hausapotheke für Kirchstetten zu erhalten. Wenn ich einmal in Pension bin, ist es zu spät!“

Neue Ordination bei Wohn-Projekt

Bürgermeister Paul Horsak betont: „Ich habe mich sehr bemüht und eine Lösung gefunden. 2016 beginnt der Bau für betreutes Wohnen beim Pflegeheim Clementinum, und dort werden zwei Wohnungen für eine Ordination eingeplant. Dort sind wir über den sechs Kilometern. Man kann die Ordination dorthin verlegen und die Hausapotheke ist nicht gefährdet.“ Eine andere Lösung, zum Beispiel mit Containern, kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen.

Paul Horsak geht davon aus, dass „Betreutes Wohnen“ im Herbst 2017 fertig ist. Ob Rudolf Burg dann noch als Arzt tätig ist, ist ungewiss. Horsak: „Ich verstehe Doktor Burg, wenn er in Pension gehen will. Aber vielleicht bringt er die Geduld noch auf.“