Erstellt am 09. September 2015, 05:17

von Andrea Stoiser

"Kooperation ist konstruktiv". Über die ersten sechs Monate der schwarz-grünen Koalition und die weiteren Pläne hat die NÖN mit Martin Michalitsch (ÖVP) und Elisabeth Götze (Grüne) gesprochen.

Bürgermeister Martin Michalitsch und Vize Elisabeth Götze blicken zufrieden auf das erste halbe Jahr der Zusammenarbeit zurück.  |  NOEN, Satzinger

NÖN: Am 4. März fand die konstituierende Gemeinderatssitzung statt. Wie ist das erste halbe Jahr der schwarz-grünen Koalition gelaufen?

Martin Michalitsch: Mein und unser Anliegen als Volkspartei ist es, für Eichgraben etwas weiterzubringen und Projekte auch umzusetzen. Das gelingt uns in der Koalition – denke ich – recht gut.

Elisabeth Götze: Vor der Regierungsbildung führten wir intensive Koalitionsverhandlungen. Wir definierten unsere wichtigsten Projekte, auch mit einem groben Zeitplan. Daher gelang es uns von Beginn an recht schnell, diese Projekte „auf Schiene“ zu bringen.

Welche Highlights haben Sie besonders in Erinnerung?

Michalitsch: Ich freue mich, dass wir die zwei neuen Kindergartengruppen zeitgerecht beziehen können. Auch das Betreute Wohnen und das neue Feuerwehrhaus werden wie geplant fertig. Dazu kommen als neue Projekte die Erweiterung unserer Schule, die wesentlich verbesserte Förderung der Kleinstkindbetreuung und der Testbetrieb für den Gemeinde-Elektrobus. Unbedingt zu nennen ist auch der neue Fahrplan für unsere Westbahn, für den ich mich jahrelang eingesetzt habe: Er wird ab Dezember eine neue Qualität im öffentlichen Verkehr bringen.

Götze: Die Highlights sind immer die aktuellen Errungenschaften: Bei der Gemeinderatssitzung werden wir eine attraktive Förderung für die Kleinstkindbetreuung beschließen und ab September wird das Jugendzentrum jede Woche geöffnet sein. Außerdem starten wir ab Herbst den Probebetrieb des Elektromobils und eine LED-Teststrecke.

Die Opposition ist nicht gerade zimperlich. Wie gehen Sie mit diesem Umstand um?

Michalitsch: Es ist mir ein Anliegen, dass keine gute Idee unter den Tisch fällt. Daher ist die Opposition immer zur sachlichen Zusammenarbeit eingeladen. In vielen Bereichen funktioniert das durchaus gut. Dort, wo die Opposition Show vor Mitarbeit stellt, zeigen wir das auf.

Götze: Wir waren vor dieser Koalition ja selbst in der Opposition. Deshalb habe ich bis zu einem gewissen Grad Verständnis dafür, dass man versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Wichtig ist mir jedenfalls, dass wir für Eichgraben etwas weiter bringen. In dem Sinn halte ich die konstruktive Sacharbeit für sehr wichtig und dazu lade ich die Opposition ein.

Das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig. Eichgraben hat eine Vorreiterrolle eingenommen. Wird die Flüchtlingshilfe erweitert? Wie sind die Rückmeldungen aus der Bevölkerung?

Michalitsch: Wir gelten inzwischen österreichweit als Vorzeigegemeinde und ich werde dazu immer wieder befragt. Wir haben aufbauend auf der bei uns erfreulicherweise vorhandenen großen Hilfsbereitschaft eine gute, ruhige Vorbereitung zuwege gebracht. Ich sehe noch Möglichkeiten, vermehrt Hilfe zu leisten – ganz wichtig ist jedoch, dass dies von der Dimension her überschaubar bleibt und der persönliche Kontakt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen weiter in dieser guten Form möglich bleibt.

Götze: Bei uns gab es im Gemeinderat einen einstimmigen Beschluss Flüchtlinge aufzunehmen. Und es gibt viele Eichgrabenerinnen und Eichgrabener, die sich sehr tatkräftig ehrenamtlich engagieren. Ich denke, dass beides dazu beiträgt, dass die Flüchtlinge sich hier willkommen fühlen und die schwere Zeit leichter verkraften. Kritische Stimmen gibt es kaum. Wenn doch, nehme ich sie aber sehr ernst und versuche in einem Gespräch, die Hintergründe auszuloten und auf die Argumente einzugehen. Aktuell gibt es einige Privatleute, die Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen wollen.

Im Herbst wird der neue Kindergarten eröffnet. Kann man davon ausgehen, dass die Gemeinde Eichgraben die Kinder- und Kleinkinderbetreuung im Griff hat?

Michalitsch: Dazu ein ganz klares Ja! Wir haben rechtzeitig mit der Kindergartenerweiterung begonnen und setzen nun die nächsten Schritte für eine weiter verbesserte Kleinstkindbetreuung. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg zu einer lebenswerten Gemeinde sind, wenn es so viele Kinder im Ort gibt.

Götze: Absolut! Eichgraben investiert viel in die Kinderbetreuung und das Thema war im vergangenen ersten halben Jahr unserer Arbeit ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit in meiner Geschäftsgruppe.

Wie soll sich Eichgraben in den nächsten Jahren entwickeln?

Michalitsch: Wir sind jetzt schon eine sehr aktive und lebenswerte Gemeinde. Unser Augenmerk liegt daher besonders auf Verbesserungen in der Qualität. Dazu haben wir Schwerpunkte in den Bereichen Bildungseinrichtungen, Nahversorgung und weiterhin in der Straßen- und Wegepflege geplant.

Götze: Eichgraben hat sich sehr stark entwickelt, von einer Wohn- und Schlafgemeinde, wie ein Altbürgermeister zu sagen pflegte, zu einem lebendigen Ort. Wichtig ist die Verbesserung der Nahversorgung und Leerstandsmanagement. Trotz einiger Bautätigkeit ist aber wichtig, dass Eichgraben seinen naturnahen Charakter behält. Außerdem wünsche ich mir noch mehr Miteinander, zum Beispiel von Jung und Alt oder von Personen, die schon lange in Eichgraben wohnen und jenen, die neu hierher ziehen.

NÖN: Was wünschen Sie sich vom Koalitionspartner?

Michalitsch: Weiter eine sachlich und menschlich gute Zusammenarbeit.

Götze: Eine weiterhin so konstruktive Zusammenarbeit.