Erstellt am 18. Mai 2016, 05:54

von Claudia Stöcklöcker

Messer an Hals gesetzt. Am sozialen Leben im Flüchtlingsheim durfte Familie eines Afghanen nicht teilnehmen. Als seine Ehefrau sich dann von ihm trennen wollte, drohte er mit dem Töten.

 |  NOEN, Symbolbild

„Meine Frau lügt. Ich frage mich, was mit Europa los ist, dass sie sich so verändert hat“, wundert sich ein Afghane vorm Richter. Weil seine Ehefrau ihn verlassen wollte, setzte er ihr im Streit ein Messer an den Hals und erklärte: „Damit werde ich dich töten.“

„Dass Sie alles opfern werden, wenn Ihre
Frau Sie verlässt, das ist das Einzige, was
ich Ihnen glaube.“
Richter zum Angeklagten im Prozess


Schwere Nötigung gesteht der 30-Jährige im Prozess nicht. „Ich habe sie nicht berührt. Gott ist mein Zeuge, dass ich die Wahrheit sage“, beteuert er immer wieder seine Unschuld. Und meint: „Ich werde alles opfern, wenn sie sich scheiden lässt.“ Nach Österreich kam der Angeklagte mit Frau und Kind vor einem halben Jahr, lebte dann in einem Flüchtlingsheim im Wienerwald. Dort an Aktivitäten teilzunehmen, verbot er seiner Familie.

„Sie ist immer in ihrem Zimmer gewesen, hat nur am Deutschkurs für Frauen teilgenommen“, sagt eine Betreuerin. „Weil sie gläubig ist und betet“, meint der Angeklagte. „Sie durfte nicht in die Küche, weil dort Männer sind“, erklärt sein neunjähriger Sohn im Prozess.

Streit eskalierte

Der Streit eskalierte, nachdem der Afghane seinem Sohn verboten hatte, im Hof mit Flüchtlingskindern zu spielen. „Geschlagen hat er mich oft. Damals hat er mich am Hals gepackt, gegen die Wand gedrückt und gesagt, dass ich Mist sei“, erzählt das Kind. Als die Ehefrau nach dem Vorfall von Trennung sprach, zückte der Afghane das Messer. Der Sohn fasste Mut, suchte Hilfe bei der Betreuerin.

Von jahrelanger Unterdrückung berichtet die Ehefrau (22). „Seit ich ihm mit sieben Jahren versprochen wurde, hat er mir viel verboten. Nach der Hochzeit mit zwölf hat er mich beschimpft und geschlagen. Von Scheidung haben meine Eltern abgeraten, weil ich sie entehren würde. In Afghanistan hatte ich große Angst, jetzt nicht mehr, weil ich weiß, dass es hier Gesetze gibt“, sagt sie.

Einfach strukturiert wäre der 30-Jährige, meint sein Verteidiger. „Er war Landarbeiter und ist Analphabet. Zusammenhänge bleiben für ihn im Verborgenen“, so der Rechtsanwalt. Der Richter verhängt 18 Monate bedingt (nicht rechtskräftig) und sagt zum Angeklagten: „Sie haben Glück gehabt, nicht weil ich Sie mag, sondern weil die Gesetze so mild sind.“