Erstellt am 01. Juni 2016, 04:05

von Beate Riedl

Nachhilfe: Kritik an Schulsystem. Teure Lernunterstützung / Schüler brauchen oft Hilfe von außen. AK fordert Ausbau der Nachmittagsbetreuung. REGION WIENERWALD / 

Heidi Barcza vom Nachhilfeinstitut »Lernen mit Herz« unterstützt viele Kinder.  |  NOEN, NÖN

Rund 680 Euro geben Eltern für ihre Kinder für Nachhilfeunterricht aus, damit ist die Lernunterstützung in Niederösterreich nach Wien am zweitteuersten. Hochgerechnet fallen damit pro Jahr rund 17,7 Millionen Euro an, das ergab eine Studie, die von der Arbeiterkammer in Auftrag gegeben wurde.

In Neulengbach bietet etwa Heidi Barcza mit ihrem Team vom Lerninstitut „Lernen mit Herz“ Nachhilfe an: Gerade jetzt gegen Ende des Schuljahres bzw. ab Beginn der Schularbeiten, vor den Semesterferien und vor der Matura hat sie alle Hände voll zu tun.

Dass Nachhilfe für die Eltern teuer kommen kann, kann sie verstehen und sie gibt der Arbeiterkammer recht: „Meistens haben die Kinder nicht nur in einem Gegenstand Schwierigkeiten, sondern in zwei oder drei, wobei hauptsächlich die Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen betroffen sind.“

Und wenn Eltern auch mehrere schulpflichtige Kinder hätten, komme schon eine hohe Summe zusammen. Beim Großteil der Schüler, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, gehe es vorwiegend um eine positive oder negative Benotung. Diejenigen, die etwas aufholen wollen und dafür Unterstützung von außen holen, gehören der Minderheit an.

Förder- und Forderkurse angeboten

Doch nicht nur Schüler von Mittelschulen und höheren Schulen kommen zum Lernen, vereinzelt hätten auch Volksschüler bereits Nachholbedarf, vor allem ab dem Start von Schularbeiten. Für Volksschüler bietet Barcza außerdem Legastenie- und Dyskalkulie-Trainings an. „Diese Schwächen im Unterricht zu kompensieren, ist nicht möglich, da ist Hilfe von außen notwendig.“

Den Grund, warum Kinder Nachhilfe brauchen, sieht die Heidi Barcza allerdings nicht nur bei den Kindern oder Eltern, sondern vor allem auch im Schulsystem. Dem schließt sich auch Eichgrabens Mittelschuldirektor Helmut Peter an, der versucht, dem in seiner Schule so gut wie möglich entgegenzuwirken.

„Bei uns werden Förder- und Forderkurse angeboten. Die Unterstützung und Förderung hat die Schule zu leisten und darf nicht ausgelagert werden.“ Das sollte überall so sein, ist der Direktor überzeugt. Denn es könne nicht sein, „dass die Schule etwas einfordert, aber es den Schülern und Eltern überlassen wird, von wo sie die Fähigkeiten dann herbekommen.“

Bis dahin seien aber noch einige Bildungsreformen notwendig, meint der Direktor. Die Förderkurse, die pro Schulstufe zwei Stunden pro Woche für die Hauptgegenstände angeboten werden, werden sehr gut von den Schülern angenommen.

Ganztagsschule statt Nachhilfe

Der Förderunterricht wird auch in der Mittelschule Neulengbach gerne genutzt – vor allem vor Schularbeiten – wie Schulleiterin Gabriele Ettmayer bestätigt. Zusätzlich nehmen manche Schüler auch externen Nachhilfeunterricht, denn „oft haben Eltern nicht die Zeit mit ihren Kindern zu lernen.“

Auffallend bei der Studie ist auch, dass bei ganztägigen Schulangeboten mit entsprechenden Übungs- und Lerngruppen und einer Ausweitung von Fördergruppen die außerschulische Nachhilfe deutlich reduziert werden kann.

So ist bei 58 Prozent der Schüler in einer Ganztagsschule oder mit Nachmittagsbetreuung Nachhilfe nicht mehr nötig, bzw. konnte diese deutlich reduziert werden. Deshalb setzt sich die Arbeiterkammer NÖ dafür ein, dass die schulische Nachmittagsbetreuung ausgebaut wird. So könnten viele Schüler auch ihre Lernziele erreichen, ohne dass die Eltern tief in die Tasche greifen müssen.