Erstellt am 14. Oktober 2015, 15:22

Neue Bezirksaufteilung: Orte wieder "vereint". Wienerwaldgemeinden waren schon einmal in einem gemeinsamen Bezirk. Bis 1938 gehörten sie zum Bezirk "Hietzing-Umgebung".

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In den vergangenen Wochen wurde viel über die Auflösung des Bezirks Wien Umgebung berichtet: Sechs Gemeinden kommen zu St. Pölten dazu: Purkersdorf, Pressbaum, Wolfsgraben, Tullnerbach, Gablitz und Mauerbach.

Zusammenschluss keine wirkliche Neuerung

„Ein Blick in die Geschichtsbücher lohnt sich, denn für die Region Neulengbach ist der Zusammenschluss keine wirkliche Neuerung“, weiß der Kirchstettener Historiker Marcel Chahrour: „Die Wienerwaldgemeinden waren schon einmal in einem gemeinsamen Bezirk. Von 1890 bis 1938 waren die Gemeinden zwischen Kirchstetten und Totzenbach im Westen und Purkersdorf im Osten Teil des Bezirks Hietzing-Umgebung.“

Der Grund für den heute eigenartig anmutenden Namen: Bei der Errichtung des Bezirks war Hietzing als Hauptort vorgesehen gewesen. Doch nur zwei Jahre nach der Einrichtung im Jahr 1890 wurde Hietzing nach Wien „eingemeindet“. „Der Name Hietzing, den man für den Bezirk ursprünglich gedacht hatte, blieb trotzdem bestehen und wurde in Hietzing Umgebung umgeändert“, berichtet Chahrour.

„Hietzing Umgebung“ war ein vergleichsweise ausgedehnter Bezirk, der bis nach Atzgersdorf, Siebenhirten und Inzersdorf reichte. Der gemeinsame Bezirk der Wienerwaldgemeinden fiel 1938 übrigens auch einer Stadterweiterung zum Opfer: Während der NS-Zeit wurde die Gemeinde Wien weit über die heutigen Gemeindegrenzen ausgedehnt.

"Veränderung gehört zum Lauf der Geschichte"

Die Gemeinden rund um Purkersdorf im Westen und auch die Gemeinden im Süden wurden vom Gau „Groß-Wien“ geschluckt. Der übrig gebliebene Gerichtsbezirk Neulengbach wurde dem Bezirk St.Pölten zugeschlagen. Nach dem Krieg wurde die Eingemeindung der meisten damals nach Wien geholten Gemeinden wieder rückgängig gemacht und der Bezirk „Wien Umgebung“ gebildet. Neulengbach blieb aber bei St. Pölten.

Die Gemeindegrenzen sind früher teilweise ganz anders verlaufen. Viele Gemeinden waren zersplittert, die Gemeinde Eichgraben, die erst durch ein rasches Bevölkerungswachstum nach dem Ersten Weltkrieg anwuchs, noch gar nicht gegründet.

Zusammenlegung in den 1970er Jahren

„Unsere heutigen Gemeindegrenzen gehen zum Großteil auf die Gemeindezusammenlegungen der 1970er Jahre zurück. Man sieht: Die Veränderung von Verwaltungsgliederungen gehört zum Lauf der Geschichte“, so Marcel Chahrour.