Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:12

von Renate Hinterndorfer

Neulengbach: "Fast nur Vorteile". 15 Jahre Stadterhebung / bewertet die bisherige Entwicklung positiv. Der Charakter der Stadt soll auch in Zukunft erhalten bleiben. NÖN: Was bedeutet die Stadterhebung für Neulengbach?

Burg Neulengbach  |  NOEN, NÖN

NÖN: Was bedeutet die Stadterhebung für Neulengbach?
Franz Wohlmuth: Die Stadterhebung war ein großer Impuls, das ist unbestreitbar. Da braucht man nur an den ganzen Bereich der Bildung denken. Es wäre niemals möglich gewesen, ein Oberstufenrealgymnasium zu bekommen, ohne Stadtgemeinde zu sein. Das wirkt sich auch auf nachgelagerte Bereiche aus. So ist etwa die Mittelschule attraktiver geworden. Die Stadterhebung hat auch bei der Erhaltung des Gerichtsstandortes geholfen, das ist ebenfalls unbestritten. Der Standortvorteil ist unbezahlbar. Ein Steuerberater siedelt sich zum Beispiel lieber in einer Stadt an. Ob man Stadt- oder Marktgemeinde ist, ist einfach eine Imagesache.

Die Stadterhebung hat also viele Vorteile für Neulengbach gebracht. Gibt es auch Nachteile?
In Summe gibt es eigentlich nichts, wo die Bürger oder die Politiker einen Nachteil hätten. Es ist selten, dass etwas fast nur Vorteile hat. Normalerweise hat jede Medaille zwei Seiten, aber in dem Fall gibt es wirklich fast nur Vorteile. Der einzige Nachteil ist vielleicht, dass andere, kleinere Gemeinden ein bisschen neidisch auf eine Stadt blicken, weil sie glauben, dass man mehr Geld bekommt. Das stimmt aber nicht. Denn die Bedarfszuweisungen richten sich ja nach den Einwohnerzahlen. Wir haben 8.000 Einwohner, mehr Bedarfszuweisungen gibt es erst ab 10.000 Einwohnern.

"Wir wollen die Lebensqualität im Zentrum erhalten"

Wie soll sich die Stadt weiter entwickeln?
Wir haben auf jeden Fall vor, den Charakter der Stadt mit dem Zentrum und den kleinen Geschäften mit allen Mitteln zu erhalten. Auch die Wohnqualität soll erhalten bleiben. Die Vermischung von Ländlichem mit städtischer Kultur zu erhalten, das ist eine Riesenaufgabe. Wir arbeiten auch daran, den Verkehr entsprechend zu lenken und Parkplätze zu schaffen. Wir wollen die Lebensqualität im Zentrum und die Einkaufsmöglichkeiten erhalten, ohne dass die Stadt mit Autos verstopft ist, das ist eine Riesenherausforderung.

Es gibt Überlegungen, großvolumigen Wohnbau zu bremsen, wie schaut das konkret aus?
Wir wollen nicht alles verbauen, verhütteln, verbetonieren, aber wir wollen den Spagat schaffen, trotzdem Wohnraum zu schaffen. Großvolumiger Wohnbau soll entlang der öffentlichen Verkehrswege entstehen, Einfamilienhäuser sollen in den Katastralen errichtet werden. Da gibt es verschiedene Interessen, und das ist nicht immer ganz leicht. Aber wir wollen nicht so verhüttelt werden wie manche Gemeinden in Wien Umgebung. Wir wollen eine Qualität erhalten, wo die Ortsstruktur auch in den Katastralen aufrecht bleibt, mit einem funktionierenden Vereinswesen, mit einer Feuerwehr. Die Orte sollen ihren Charakter nicht verlieren.

Was ist in Neulengbach als Betriebsstandort geplant?
Riesenbetriebe werden wir nicht bekommen, weil wir eh keinen Platz haben. Wir wollen bestehende Firmen wie Rehau oder Lagerhaus erhalten und schützen. Und wir wollen Möglichkeiten für Dienstleistungsgewerbe schaffen. Wir wollen eine Standortqualität aufbauen, damit Arbeitsplätze erhalten oder ausgebaut werden.

„Ob man Stadt- oder Marktgemeinde ist, ist einfach eine Imagesache.“ Franz Wohlmuth

Noch ist Neulengbach die größte Stadt im Bezirk St. Pölten. Das wird sich 2017 mit den neuen Bezirksgrenzen ändern, wenn sechs neue Gemeinden dazukommen und Purkersdorf die größte Stadt ist. Was wird überwiegen? Konkurrenz oder Kooperation?
Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Mit Tullnerbach und Pressbaum wird man eher mehr zusammenwachsen. Purkersdorf ist eher in Richtung Wien orientiert. Die Gemeinden sollten sich nicht als Konkurrenz sehen. Jede Gemeinde wird ihre Schwerpunkte haben.

Der Bezirk hat dann auch drei weitere Gymnasien, kann das ein Nachteil für eine etwaige Erweiterung des Neulengbacher Schulstandorts bedeuten?
Das glaube ich nicht, im Gegenteil. Ich sehe das mittelfristig eher befruchtend. Die Gymnasien haben ja teilweise räumliche Probleme. Da wird man besser kooperieren im Bezirk und es wird in Zukunft einen besseren Ideenaustausch geben. Mittelfristig wird es leichter werden, sich im Gymnasiumsbereich zu entwickeln. Ich sehe das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung oder Entlastung. Insgesamt sehe ich da viele Vorteile, nicht nur für Neulengbach, sondern für die ganze Region.

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