Erstellt am 19. Januar 2016, 05:48

von Renate Hinterndorfer

Politiker gegen weitere Flüchtlinge. Geplante Betreuung von zehn unbegleiteten Jugendlichen in Ortszentrum sorgt für politische Diskussion.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge könnten in der Schlossberggasse ein neues Zuhause bekommen.  |  NOEN, Hinterndorfer

Die Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie plant für zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein neues Zuhause in Neulengbach. „Wir haben lange nach Möglichkeiten gesucht, dann sind wir auf die Idee gekommen, unser Bürohaus herzunehmen“, berichtet Geschäftsführerin Hedwig Zsivkovits. Ab März könnten die Räumlichkeiten in der Schlossberggasse für die Flüchtlingsbetreuung verwendet werden.

„Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren wären in dem Haus sehr gut untergebracht und von kompetenten Leuten mit jahrelanger Erfahrung betreut“, so Zsivkovits. Geplant ist eine 24-Stunden-Betreuung durch Fachpersonal nach dem Konzept der Kinder- und Jugendhilfe. Die Nachbarn seien informiert. Es hätte viele Fragen gegeben, aber die Reaktionen seien positiv, so Zsivkovits. Anrainer Georg Brutschy etwa hat kein Problem mit dem geplanten Projekt: „Ich habe da im Vorfeld keine Ängste oder Befürchtungen.“

FPÖ fordert eine Obergrenze

Nicht so positiv reagieren Gemeindepolitiker: Die FPÖ fordert eine Obergrenze bei der Zahl der Asylwerber und fragt sich, ob „die Gemeindeverantwortlichen, insbesondere die ÖVP, endlich darüber nachdenken.“ Die Obergrenze liegt für Peter Matzel bei der vorgegebenen Quote: 1,5 Prozent Asylsuchende in Relation zur Wohnbevölkerung seien ein vernünftiger Rahmen. Das wären in Neulengbach 120 Menschen.

Mit der Summe der vielen Asylprojekte sei die vorgegebene Quote längst überschritten und es sei kein Ende in Sicht. Ein gewisser „Wildwuchs“, so die FPÖ, werde sogar noch unterstützt. FP-Chef Peter Matzel: „Es wird alles schöngeredet. Wir müssen realistisch sein. Es gibt Ängste in der Bevölkerung. Und man muss auch die Verwaltung, das Personal in den Schulen und Kindergärten in Schutz nehmen.“

Auch VP-Stadträtin sagt „Stopp“

Auch die für Asylfragen zuständige VP-Stadträtin Maria Rigler steigt auf die Bremse. „Ich habe von den Plänen gehört, aber das wird nichts.“ Nachdem in Neulengbach schon fast 130 Asylwerber aufgenommen wurden, müsse man jetzt einmal Stopp sagen, so Rigler: „Wir sind stolz, dass wir die Flüchtlingsbetreuung mit Hilfe der Bevölkerung, die das toll unterstützt, so weit gebracht haben. Als Gemeinde sind wir jetzt aber gefordert zu schauen, dass das Ganze gut verträglich ist für die Bevölkerung und für die Infrastruktur mit Kindergärten und Schulen.“

Die Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie will das Gespräch mit den Gemeindepolitikern suchen: „Für zehn Jugendliche wäre das Projekt eine gute Chance, weil sie intensiv betreut werden. Und der Gemeinde kostet es nichts“, betont Hedwig Zsivkovits.


In Neulengbach leben derzeit etwa 130 Asylwerber, 67 davon sind in der ehemaligen Custozza-Kaserne untergebracht. Platz wäre in der Kaserne für 120 Personen. So viele sollen es laut Stadträtin Maria Rigler vorläufig nicht werden, mit der Diakonie sind 95 Flüchtlinge vereinbart.