Erstellt am 30. August 2016, 04:00

von Renate Hinterndorfer

Debatte um Ferien: "Die Eltern sollten entscheiden“. Sommerpause verkürzen, Herbstferien einführen? Die Meinungen dazu sind geteilt.

Während Schüler und Lehrer noch die letzte Ferienwoche genießen können, sind die Schulwarte überall schon im Einsatz. Im Bild Maria Daxböck, Burgi Weiß, Alexander Lihotzky und Monika Adamek in der Neuen Mittelschule Laabental.  |  Klement

Die Sommerferien sind fast vorbei, was weiter geht ist die Debatte um die Ferien: Einmal mehr wird über die Verkürzung der Sommerferien und die Einführung von Herbstferien diskutiert.

Wie sehen Pädagogen in der Region Wienerwald die Sache? „Für berufstätige Eltern sind neun Wochen Ferien schon ein Wahnsinn“, sagt Ulrike Szemelliker, Direktorin der Volksschule Neulengbach, wo ab September 330 Kinder von 32 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Szemelliker kann sich vorstellen, dass man die Sommerferien um eine Woche verkürzt und dafür eine Woche Herbstferien anhängt.

Für die Eltern wäre eine solche Umstellung eine Erleichterung, ist Szemelliker überzeugt. Für Kinder seien Herbstferien aber eher ein Nachteil: Gerade die Jüngsten bräuchten fünf bis sechs Wochen bis sie sich an den Schulalltag gewöhnt haben: „Nach einer Woche Herbstferien kann man von vorn anfangen.“

Für Szemelliker ist auch klar, dass Lehrer eine ausgiebige Erholungsphase im Sommer benötigen, eine gravierendere Verkürzung der Sommerferien kann sie sich nicht vorstellen. Man müsse das Thema aber einmal ausgiebig diskutieren: „Jedes Mal im August beginnt die Diskussion und im September endet sie wieder“, so Szemelliker.

Herbstferien: Pro und Contra

Daniel Kosak, Schulobmann in der Neuen Mittelschule Laabental, ist für beide Ferien-Varianten offen: „Man sollte diese Entscheidung den Eltern überlassen, vielleicht in einer Abstimmung bundeslandweit. Denn um die Eltern und ihre Kinder geht es hier. Es gibt gute Gründe, warum zumindest eine Woche Herbstferien sinnvoll wäre. Für die Kinder ist der Zeitraum zwischen September und Dezember schon sehr lang.“

Kein großer Freund von Herbstferien ist der Neulengbacher BORG-Direktor Johannes Hiller: „Das ist eine Auszeit in der besten Arbeitszeit. Es gibt eine alte Regel: Was bis Weihnachten nicht reingeht, das geht gar nicht mehr rein.“ Im Jänner hat man sowieso nur mehr drei Wochen Unterricht, und im zweiten Semester bringe man aufgrund von Schikursen und Projektwochen, Osterferien und Feiertagen ohnehin nicht mehr so viel zusammen, gibt der BORG-Direktor zu bedenken.

Über die Verkürzung der Sommerferien könne man streiten: „Es gibt ein Für und ein Wider. Ich halte zwei Monate Ferien für sehr sinnvoll, vor allem auch für Schüler mit Nachprüfungen. Im ersten Monat können sie sich ausruhen, im August können sie strebern.“ Das Argument, dass Eltern nicht wüssten, was sie mit den Kindern in den langen Sommerferien machen, lässt Hiller nicht gelten: „Das Problem habe im Herbst genauso. Das ist ein gesellschaftliches Problem.“

„Dazu fällt mir spontan ein: Und ewig grüßt das Murmeltier.“

Beate Raabe-Schasching zur Diskussion um die Ferienzeiten

Landesschulrats-Vizepräsidentin Beate Raabe-Schasching spricht sich klar gegen Herbstferien aus: „Es verbleiben von Herbst bis zu den Weihnachtsferien dreieinhalb Monate des intensiven Lernens und Arbeitens. Das ist eine wichtige Zeit, in der auch wirklich etwas weitergeht. Diese zu unterbrechen halte ich für den Lernerfolg der Kinder für kontraproduktiv.“ In vielen Fächern sei das die wichtigste Zeit um schwierige Materien durchzuarbeiten und zu festigen: „Längere Unterbrechungen stören dabei“, ist Raabe-Schasching überzeugt.

Im Sommer würden die Schüler einen gewissen längeren Zeitraum brauchen, um sich zu erholen: „Ob das acht oder neun Wochen sind, ist dabei nicht wirklich relevant für jene, die die vollen neun Wochen haben. In den BHS schaut das anders aus, denn hier werden die Sommermonate auch für die Pflichtpraktika genutzt und es verbleiben ohnehin maximal vier Wochen Ferienzeit.“

Und für Eltern ändere eine Umschichtung von Sommer auf Herbst bei der Sorge um die qualifizierte Betreuung der Kinder in der Ferienzeit gar nichts. „Es wird nur schwieriger, denn es haben sich dort und da bereits Anbieter und Angebote speziell in den Sommerferien entwickelt, die ein wenig die Betreuungslast abnehmen können.“

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