Erstellt am 26. Juli 2016, 05:40

von Renate Hinterndorfer

„Reiselust nicht zerstören lassen“. Putschversuch in der Türkei, Terroranschläge in Frankreich: Wie wirkt sich das auf die Urlaubsfreude aus?

Stornierungen sind im Neulengbacher Reisebüro die Ausnahme, berichten Evelyn Korrak und Isabella Bayer.  |  NOEN, Dietl

„Man muss die Situation jeden Tag neu bewerten“, sagt die Neulengbacher Reisebüro-Chefin Evelyn Korrak angesichts der Krise in der Türkei. Nur ein Kunde hat im Reisebüro Korrak nach dem gescheiterten Putschversuch eine bevorstehende Türkei-Reise storniert. Das war ohne Probleme kostenlos möglich. „Wir haben viele Kunden, die im August oder September in die Türkei fliegen. Sie wollen nicht umbuchen, weil sie diesen Luxus, den man in der Türkei kriegt, in einem anderen Land nicht kriegen. Die Leute haben sich bewusst für die Türkei entschieden und wollen fliegen. Sie lassen ihre Buchungen aufrecht“, berichtet die Neulengbacherin. Solange AUA zweimal täglich Istanbul anfliege sei das Risiko nicht allzu groß. Auch jene Urlauber, die gerade in der Türkei sind, würden ihren Aufenthalt nicht abbrechen wollen, so Korrak. Eine ihrer Kundinnen, die während des Putsches gerade in der Türkei war und jetzt heimkam, erzählte, dass sie von den Problemen nichts mitbekommen hätte, wenn sie nicht in den Medien davon gehört hätte.

Griechenland und Spanien sind gefragt

Die Türkei ist heuer aber aufgrund von Anschlägen kein besonders gefragtes Ziel von Touristen. Ein Veranstalter musste eine Charterkette streichen, weil 40.000 Passagiere fehlten. Evelyn Korrak bedauert die aktuellen Probleme: „Für das Land ist das sehr schade. Die meisten Leute dort sind ja nett und gastfreundlich. Die Türkei war heuer ohnehin schon schlecht gebucht. Jetzt hätte sie sich langsam wieder erfangen.“

„Was in Nizza passiert ist, ist eine Katastrophe, aber deswegen auf alles zu verzichten ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss.“
Evelyn Korrak

Welche Destinationen sind im heurigen Sommer besonders beliebt? Griechenland ist laut Korrak sehr gefragt, auch Spanien und Portugal sind bei den Urlaubern beliebt. Fernreisen in die USA, nach Bali, Thailand oder Costa Rica werden gern gebucht, auch Städtereisen nach Stockholm oder Barcelona sind ein großes Thema.

Was dem Neulengbacher Reisebüro-Team auffällt ist, dass sich viele Leute ums Fliegen nicht mehr reißen: „Viele unserer Kunden waren heuer flugmüde. Sie sagen sich, wir fahren lieber an den Gardasee oder nach Kroatien oder wir bleiben überhaupt in Österreich.“

Und es gibt auch viele Spätentschlossene: „Es gibt viele last-minute-Buchungen, das ist zwar manchmal nicht einfach, aber wir finden für jeden etwas“, schmunzelt Korrak.

Reiselust nicht kaputt machen lassen

Insgesamt solle man sich die Reiselust nicht kaputt machen lassen, ist die Urlaubs-Expertin überzeugt. „Mir hat das auch bei der Europameisterschaft in Frankreich gefallen: Wir hatten aus Neulengbach drei Gruppen, niemand hat gesagt, ich fahre aus Angst nicht, alle sind hingefahren, haben mitgefeiert, und alle sind gut heimgekommen.“

Aber jeder Kunde habe ein anderes Sicherheitsgefühl und müsse für sich entscheiden, was er tut. Wenn jemand umbuchen wolle, sei das kein Problem: „Jeder Mensch denkt anders, wir überreden niemanden zu etwas und wir reden auch nichts schön.“

Und wo macht eine Reisebüro-Inhaberin selbst Urlaub? Evelyn Korrak war in Griechenland: „Ich fahre jedes Jahr auf eine andere griechische Insel, heuer war ich auf Samos, und ich bin begeistert. Es gibt keine Hoteltempel, sondern nette, kleinere Hotels mit 30 oder 40 Zimmern. Da begrüßt der Hotelier beim Frühstück jeden Gast mit Namen.“

Dass es Probleme mit Flüchtlingen auf Samos gibt, wie manche meinen, kann Korrak nicht bestätigen: „Die Flüchtlinge sind nicht das Problem dort. Das Problem sind die jungen, gut ausgebildeten Menschen, die keine Arbeit finden.“

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