Erstellt am 17. Februar 2016, 05:34

von Birgit Kindler

"Sind ratlos und hilflos". Herbert Fohringer kümmert sich auch um Asylwerber. Die hauptsächlich jungen Männer kommen vor allem wegen psychischer Probleme.

Herbert Fohringer behandelt Flüchtlinge, die hauptsächlich an psychischen Erkrankungen leiden.  |  NOEN, Kindler

Seit einigen Wochen behandelt Herbert Fohringer, praktischer Arzt in Neulengbach, Flüchtlinge. Dass er dabei manchmal an seine Grenzen stoßt, verrät er gegenüber der Neulengbacher NÖN.

Vorwiegend kommen junge Männer und Kinder in Fohringers Praxis, um sich behandeln zu lassen. Größtes Problem sei dabei die Sprache. „Das ist in der Realität eine wirkliche Katastrophe“, meint Fohringer, denn schließlich könne man sich nicht miteinander verständigen und so sei es besonders schwierig, eine Diagnose zu erstellen. Außerdem könne es sein, dass die Flüchtlinge bereits Tabletten einnehmen, „so etwas überhaupt herauszufinden ist nicht einfach.“

Flüchtlinge sind traumatisiert

Die Flüchtlingskinder würden hauptsächlich wegen normaler Kinderkrankheiten, wie Feuchtblattern, zu ihm kommen. Weit komplizierter würde hingegen die Behandlung bei den Erwachsenen aussehen. „Die jungen Männer kommen oft nur wegen Kleinigkeiten, sind aber traumatisiert und wollen, dass ihre Psyche behandelt wird. Die Leute sind massiv hilfsbedürftig“, erklärt Fohringer. Schließlich wisse man nicht, was sie alles in ihrer Heimat und dann auf der Flucht erlebt hätten.

„Diese psychosozialen Geschichten kann man aber nur erahnen“, betont Fohringer. Wie die Flüchtlinge therapiert werden sollen, weiß er nicht: „Wir stehen diesem Problem ratlos und hilflos gegenüber.“ Eine geeignete Psychotherapie für Flüchtlinge würde es nicht geben. „Denn schließlich ist die psychologische Versorgung in Österreich nicht gerade die beste. Ein Großteil der Österreicher zahlt sich die Psychotherapie aus eigener Tasche“, meint Fohringer.

„Die jungen Männer kommen oft nur wegen Kleinigkeiten, sind aber traumatisiert und wollen, dass ihre Psyche behandelt wird.“ Herbert Fohringer, praktischer Arzt

Dass sich die Asylwerber so eine Behandlung nicht leisten könnten, sei klar und wenn man eine Gratis-Behandlung für Flüchtlinge anbieten würde, dann sei ein Aufschrei in der Bevölkerung gewiss. „Von den Österreichern ist nicht das große Mitgefühl zu erwarten“, glaubt Fohringer und es würde zu keiner positiven Stimmung beitragen, wenn man mehr für die Flüchtlinge macht, als für die österreichischen Bürger.

Zur Behandlung der psychischen Probleme der Asylwerber hat Fohringer aber trotzdem einen Lösungsansatz: „Wichtig ist es, dass die Asylwerber einer Tätigkeit nachgehen und nicht nur herumsitzen.“