Erstellt am 02. August 2016, 05:58

von Beate Riedl und Christine Hell

Hochwasser trug Siloballen davon. Vermurungen, Überflutungen, wegschwimmende Siloballen und eine verschollene Kuh – die Feuerwehreinsätze waren vielfältig.

In Ludmerfeld hat das Wasser Steine, Erde, Laub und Äste auf die Straße geschwemmt. Die Straßenmeisterei Neulengbach und die Feuerwehren  |  NOEN

„Innerhalb von zehn Minuten hat es 27 Liter gereget, zwei Tage später innerhalb kürzester Zeit 38 Liter“, so der Neulengbacher Feuerwehrkommandant Helmut Peter, der mit seiner Mannschaft sowie auch anderen Feuerwehren der Region in der Vorwoche zu zahlreichen Unwettereinsätzen gerufen wurde. „Der Boden war bereits mit Feuchtigkeit gesättigt und konnte nichts mehr aufnehmen“, erklärt Peter.

Manche Wege waren durch den Starkregen unpassierbar, sodass die Feuerwehren ausrücken mussten.  |  NOEN, FF Neulengbach

Über die Bezirke St. Pölten und Melk sind in der Nacht auf Donnerstag schwere Unwetter gezogen, nachdem es bereits in der Nacht auf Dienstag ordentlich gewettert hatte. „Und wieder öffnete der Himmel seine Schleusen und setzte 150 Keller, Garagen, Schulen, Firmen und Straßenunterführungen bis zu 1,5 Meter hoch unter Wasser. Aber auch Bäume wurden entwurzelt und krachten auf Strom- oder Telefonleitungen“, schilderte Feuerwehrsprecher Franz Resperger die Situation in Niederösterreich. Abschnittsfeuerwehrkommandant Franz Gruber beschrieb die Situation in „seinem“ Abschnitt als überschaubar.

Keller ausgepumpt, Vermurungen beseitigt

Die Neulengbacher Feuerwehr musste Keller auspumpen und Vermurungen von Straßen beseitigen. „In Haag war eine Straße sogar unpassierbar, rund ein Meter hoch lag Schotter auf der Straße“, berichtet Kommandant Peter. Und in Ebersberg rutschte die Erde einer frisch gesäten Wiese ab, sodass die Straße gereinigt werden musste. Wasser trat auch im Keller des Feuerwehrhauses sowie bei einer Wohnung ein. „Ein Abfluss auf der Terrasse war verstopft, das Wasser kam in den Wohnbereich. In Unter-Oberndorf war die Bundesstraße überschwemmt, in Maria Anzbach wurde die Schwabstraße geflutet, auch in die Kirche floss Wasser.

Im Einsatz war auch die Straßenmeisterei Neulengbach mit acht Mann. „Vor allem am Mittwoch und Donnerstag gab es viel zu tun“, so Gerhard Weber. Verunreinigungen und Bankettschäden wurden beseitigt und Gräben ausgeräumt.

„Ich bin begeistert, wie schnell die Florianis in unserem Haus eintrafen.“

Katharina Huber, St. Christophen

Im Unwettereinsatz stand auch die Feuerwehr St. Christophen, unter anderem bei Katharina Huber: „Wir haben den starken Regen um Mitternacht mitgekriegt und haben dann gesehen, dass das Wasser wie ein Bach in die Richtung unseres Hauses schießt. Im Keller ist das Wasser permanent gestiegen, sodass wir die Feuerwehr gerufen haben“, berichtet Huber. Die Feuerwehr St. Christophen war binnen kürzester Zeit vor Ort, auch die Nachbarn Reinhard Hell und Maria Schindlegger kamen den beiden zu Hilfe. „Ich bin begeistert, wie schnell die Florianis bei uns waren“, sind Katharina Huber und Peter Mojzer überwältigt von der effizienten Hilfe der Feuerwehr.

Die Florianis begaben sich im Anschluss nach Kirchstetten, um den dort bereits eingesetzten Feuerwehrleuten bei der Arbeit in zahlreichen überfluteten Kellern zu Hilfe zu kommen.

Kuh nahm Reißaus, Ballen schwammen weg

Nachdem die Feuerwehr Kirchstetten in der Nacht auf Dienstag im Unwettereinsatz war, ging es in der Nacht auf Donnerstag in Kirchstetten rund: „Normal rinnt beim sogenannten Sauzipf ein kleines Bacherl, in der Nacht war das Wasser auf einmal einen dreiviertel Meter über dem Straßenniveau“, erzählt der Kirchstettener Feuerwehrkommandant Andreas Heiss. Er und seine Kameraden wurden ebenso zu Auspump- und Reinigungsarbeiten gerufen – gemeinsam mit den Feuerwehren St. Christophen, Totzenbach, Ollersbach und Unterwolfsbach standen sie im Einsatz. Zeitgleich ging auch die Alarmierung wegen einer verschollenen Kuh ein. Diese hatte sich, vermutlich aufgrund des Gewitters erschrocken und suchte das Weite. „Wir haben das Tier aber wieder gefunden und zurückgebracht“, berichtet Heiss. Am nächsten Morgen ging es weiter – mit Reinigungsarbeiten in Aschberg: Durch den Starkregen wurde der kleine Bach zu einem großen Fluss und riss 22 Siloballen mit. „Mit dem Kran und privaten Fahrzeugen holten wir die Siloballen wieder zurück, die sich entlang des Bachbettes über mehrere hundert Meter verteilt hatten“, berichtet Heiss. Durch das Plastik schwammen die Ballen auf, blieben aber unbeschädigt, sodass diese noch verwendet werden können.

Auch der Keller des Hauses von Katharina Huber und Peter Mojzer in  |  NOEN, St. Christophen füllte sich durch den starken Regen mit Wasser. Die Feuerwehr eilte zu Hilfe.

Getroffen hat es auch Imker Hermann Kohl in Sichelbach: „In der Nähe unseres Bienenhauses hat sich ein Baum quergelegt, dadurch kam es zu den Überflutungen.“ Sein Honiglager wurde mit Wasser und Schlamm gefüllt, die Produkte blieben aber unbeschädigt. Auch die 65 Bienenstöcke der Familie kamen ohne Schaden davon, allerdings wurden acht Zuchtkästchen samt Königinnen von den Wassermassen mitgerissen.

Schuld an der Überflutung sei laut Kohl der Biber: „Ein vier bis fünf Meter hoher Baum hat sich quergelegt, das feine Zeug des Bibers machte ein Abfließen des Wassers unmöglich“, mutmaßt der Imker, der der Feuerwehr für ihren raschen Einsatz Rosen streut.