Erstellt am 24. September 2015, 06:57

von Christine Hell

Verdrängte Erinnerung. Die Wanderausstellung über vertriebene Sudetendeutsche aus Böhmen und Mähren macht bis 2. November in Neulengbach Halt.

Bei der Ausstellungseröffnung: Willibald Rosner vom NÖ Landesarchiv, Gemeinderätin Barbara Löffler, Rita Garstenauer vom Zentrum für Migrationsforschung, Bürgermeister Franz Wohlmuth, Obmann der Kulturvereinigung Neulengbach Heinz Syllaba, Niklas Perzi vom Zentrum für Migrationsforschung, Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka, Kulturstadtrat Ferdinand Klimka, Direktor des NÖ Landesmuseums St. Pölten Carl Aigner und Vizebürgermeister Alois Heiss (v. l.).  |  NOEN, Christine Hell

Die Wanderausstellung des NÖ Landesarchivs in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Migrationsforschung in der NÖ Landesbibliothek mit dem Titel „Langsam ist es besser geworden. Vertriebene erzählen vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben“ hat in Neulengbach Station gemacht. Die Ausstellung läuft seit Herbst 2013 und war bereits zehn Mal, unter anderem in Prag, Znaim, Hollabrunn und Neupölla zu sehen. 9.000 Menschen haben bisher die Wanderausstellung besucht. Nun ist sie im Lengenbacher Saal in Neulengbach zu sehen.

Zahlreiche Interessenten lauschten bei der Eröffnung den Worten des Obmannes der Kulturvereinigung Heinz Syllaba in seiner Eröffnungsrede, in der er in Anbetracht der vielen Flüchtigen betonte: „Der Zeitpunkt für eine Ausstellung mit dieser Thematik ist heute aktueller denn je.“ Auch Bürgermeister Franz Wohlmuth betonte: „Diese Ausstellung könnten wir an Aktualität gar nicht mehr toppen.“ Auch damals sei es eine gewaltige Bewegung von über einer Million Menschen gewesen, so Wohlmuth, „und auch damals hat es Österreich geschafft.“

Landesarchivdirektor Willibald Rosner gab zu bedenken: „Es war nicht unbedingt so, dass im Jahr 1945, wo im Land selbst nicht zu essen da war, die Menschin in Österreich Freude an den Zuwanderern gehabt hätten.“ Und er stellte die Frage: „Wie lange werde es wohl gedauert haben, bis jene, die blieben oder bleiben durften, wirklich dazugehörten?“

„Vertreibung ging uns alle an“

Und Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka sagte: „Erinnerungen, die lange Zeit verdrängt worden waren, werden mit dieser Ausstellung beleuchtet“. Dabei brachte es Landesarchivdirektor Willibald Rosner auf den Punkt: „Jeder von uns hat entweder eine tschechische Großmutter oder einen ungarischen Großvater.“ Die Vertreibung er Sudetendeutschen im Jahr 1945 aus Böhmen und Mähren ginge also uns alle an.

Kulturstadtrat Ferdinand Klimka nutzte im Rahmen der Eröffnung gleich die Gelegenheit und lud zur Langen Nacht der Museen am 3. Oktober ein, an der sich heuer erstmals auch Neulengbach beteiligt: „Zeitzeugen aus unserem Gebiet werden zugegen sein, heimische Autoren werden für interessante Lesungen sorgen und ein Videofilm über Flucht und Vertreibung wird zu sehen sein.“

Im Anschluss an die Eröffnung wurden die ersten zwanzig Interessierten durch die Ausstellung geführt.

Die Ausstellung

Die Wanderausstellung „Langsam ist es besser geworden. Vertriebene erzählen vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben“ ist bis Montag, 2. November, jeden Samstag, von 14 bis 17 Uhr und Sonn- und Feiertag, von 10 bis 17 Uhr im Museum Neulengbach zu besichtigen.