Erstellt am 14. Juni 2016, 05:15

von Christine Hell

"Warme Winter sind Katastrophe“. Hobbygärtner plagen sich seit Jahren mit ihnen, jetzt sind die schleimigen Tiere auch auf Feldern ein Problem.

Durch die Witterung vermehren sich die Nacktschnecken stark.  |  NOEN, NÖN

Gartenbesitzer sind mit dem Schneckenproblem schon lange konfrontiert und nehmen den Kampf gegen die gefräßigen Tiere mit allen erdenklichen Mitteln auf. Jetzt sind die Schnecken auch auf Feldern zum Problem geworden.

Martin Wagner hat erstmals im Vorjahr festgestellt, dass von den Feldrändern beginnend, die Sonnenblumenpflanzen immer weniger wurden. „Zuerst waren wir ratlos, dann haben wir Schleimspuren entdeckt und gewusst: „Das sind die Schnecken.“ Das Feld musste neu angebaut werden. Heuer ist der Maria Anzbacher Bauer deshalb auf Soja umgestiegen.

„Im heurigen Jahr ist es brutal"

„Im heurigen Jahr ist es brutal, die schwachen Winter mit den wenigen Niederschlägen sind eine Katastrophe“, sagt Hannes Steinböck aus Paisling. Der Jungbauer befasst sich wie viele andere Landwirte mit „minimaler Bodenbearbeitung“, dadurch wird bei Starkregen die Abschwemmung verringert, es wird Diesel eingespart, das Bodenleben bleibt intakt und die Öko-Bilanz ist dadurch sehr gut. „Wenn die Schneckenplage weiter zunimmt, werden wir Bauern wieder auf den Pflug zurückgreifen müssen“, überlegt Steinböck. Neben dem fehlenden Frost und fehlenden Niederschlag sei auch die Begrünung für die explosionsartige Vermehrung der Schnecken verantwortlich, so der junge Bauer. Ansonsten bewertet er die winterliche Gründecke auf Feldern für Umwelt, Natur und für das Wild als sehr positiv.

Hohe Ernteausfälle werden prognostiziert

Die Zuckerrüben am Acker in Paisling fallen sowohl durch Schneckenfraß als auch durch Drahtwurmbefall zu einem Drittel aus. „Bei Rüben ist Nachbau nicht möglich“, sagt Hannes Steinböck. Beim Kukuruz gibt es 25 Prozent Ausfall. Das Kürbisfeld musste total umgerissen und neu angebaut werden. Das bedeutet 350 Euro Zusatzkosten pro Hektar. „Der Gewinn ist bei allen diesen Kulturen schon jetzt weg, wahrscheinlich ist es heuer ein Minusgeschäft“, sagt Steinböck, der das Öl aus seinen Kürbissen Ab-Hof vermarktet.

Auch im Nachbarort Wimmersdorf ist die Schneckenplage ein Thema: „Auf unserem Zuckerrübenacker und beim Kukuruz haben wir viele kahle Stellen festgestellt“, berichten Rosemarie und Anton Höfer.

Aber nicht nur Schnecken setzen den Ackerfrüchten zu, auch die Wildschweine sind eine arge Plage. „Durch die milden Winter bringen die Bachen bis zu 10 Frischlinge durch, ich weiß nicht, wie wir diesen Plagen Herr werden sollen“, sagt Steinböck.

WEITERE INFOS

In Österreich wurde die spanische Wegschnecke erstmals 1972 entdeckt, dürfte aber wesentlich früher eingeschleppt und bis dahin übersehen worden sein, denn schon 1973 verursachte sie im Weinviertel und Marchfeld in Gärten große Schäden. Die Schnecken werden bis 12 Zentimeter lang und vermehren sich bei feuchtwarmem Wetter extrem.