Erstellt am 09. Oktober 2015, 06:32

Wie gesund ist Sport?. Regelmäßige körperliche Betätigung wird empfohlen. Doch Todesfälle von Sportlern sorgen für Verunsicherung. Neulengbacher Ärzte informieren.

Jürgen Nowy über Sport und plötzliche Todesfälle.  |  NOEN

Die kühleren Temperaturen machen Lust auf Sport im Freien, in den Vereinen starten die Herbstaktivitäten. Aber Meldungen wie jene, dass beim Wachaumarathon zwei Läufer (35 und 44 Jahre alt) gestorben sind, sorgen für Verunsicherung. Ist Sport immer gesund? Sind solche plötzlichen Todesfälle vermeidbar?

Genetische Erkrankungen als Problem

„Es kommt immer wieder zu tragischen Todesfällen sowohl im Spitzensport als auch im Breitensport“, so Andreas Kliegel, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, von der Ordination „Herz im Zentrum“ in Neulengbach. Für den plötzlichen Herztod bei jungen Wettkampfsportlern seien vor allem genetische Erkrankungen verantwortlich.

„Einige dieser Erkrankungen können mit einem simplen EKG erkannt werden. In einer Region Italiens konnte die Rate von plötzlichen Herztoden bei jungen Wettkampfsportlern durch ein systematisches Screening um fast 90 Prozent gesenkt werden“, berichtet Kliegels Kollege Jürgen Nowy. Neben Nikotinabstinenz und gesunder Ernährung empfehlen die Ärzte regelmäßige körperliche Betätigung mit Ausdauersport und Kraftübungen zur Verminderung des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen. Auch bei bestehenden Risikofaktoren wie Diabetes oder hohem Blutdruck verbessere eine Bewegungstherapie die Leistungsfähigkeit und die längerfristige Prognose.

Koronare Herzkrankheit hauptverantwortlich für plötzliche Todesfälle im Sport

Viel häufiger als Todesfälle bei jungen Wettkampfsportlern seien Probleme, die durch Atherosklerose der Herzkranzgefäße oder Herzmuskelerkrankungen entstehen. „Ab dem 35. Lebensjahr ist die koronare Herzkrankheit hauptverantwortlich für plötzliche Todesfälle im Sport. Insbesondere bei Risikofaktoren wie Zigarettenkonsum, Diabetes oder Bluthochdruck steigt die Wahrscheinlichkeit für eine strukturelle Herzerkrankung, die bei körperlicher Belastung zu einer Gefährdung führen kann“, erklären die Experten. Zusätzlich spielen genetische Faktoren eine Rolle.

Durch gezielte Befragung, körperliche Untersuchung und EKG könne das Risiko durch den Internisten bereits besser eingeschätzt werden. Mit hundertprozentiger Sicherheit könne man dennoch einen plötzlichen Herztod nicht verhindern. Eine gute Riskioabschätzung sei aber für die meisten Menschen, die Sport betreiben möchten, möglich.