Ternitz

Erstellt am 05. April 2017, 05:00

von Andreas Fussi

Ternitzer half bei Entwicklungsprojekt in Afrika. Bäckermeister Thomas Huber referiert in der Pfarre Ternitz über seine Arbeit im drittgrößten Slum von Kenias Hauptstadt Nairobi. Sein Einsatz dort hat sich gelohnt.

Thomas Huber erzählt in seinem Vortrag über seine missionarische Tätigkeit in Afrika, die er nur durch seinen unerschütterlichen Glauben erfolgreich bewerkstelligen konnte.  |  Fussi

Der Ternitzer Bäckermeister und ehemalige ÖVP-Gemeinderat Thomas Huber ist wieder zurück aus Afrika, wo er die letzten 1,5 Jahre an einem besonderen Entwicklungsprojekt maßgeblich beteiligt war. Für den als „Kornspitz-Company“ bekannten Backmischungshersteller Backaldrin baute er im Korogocho-Slum von Kenias Hauptstadt Nairobi im Rahmen des Hope-for-Future-Hilfsprojekts die „Afrikan Angel-Bakery“ auf.

Vortrag im Pfarrzentrum

Über seine Arbeit und Erlebnisse im Slum berichtet Huber nun im Rahmen eines Vortrages am 7. April um 19 Uhr im Pfarrzentrum Ternitz Herz-Jesu. Zuvor findet um 18 Uhr eine rhythmische Messe mit afrikanischer Musik statt.

Der Vortrag ist der offizielle Abschluss der Projektphase. Im Gespräch mit der NÖN zieht Thomas Huber eine überaus positive Bilanz seines Einsatzes: „De Leute sind willig. Der Alltagsbetrieb in der Angel-Bakery läuft gut, die produzieren jetzt grundsätzlich autonom.“ Vorbildprojekt war die Café-Bäckerei Mozart im Kongo, wo 60 Leute in drei Filialen beschäftigt sind.

100 Leute fanden Arbeit

Auf diese Erfahrung wollte man auch in Kenia aufbauen. In den 1,5 Jahren habe man 24 Backshops errichten und 14 Bäcker ausbilden können. Insgesamt 100 Leute fanden bei Hope-for-Future (mit Fußball-Akademie) Arbeit. Zwei Schulen für rund 1.200 Kinder sind Teil des Projekts. Es gebe noch die Überlegung, zusätzlich eine Lehrbäckerei aufzubauen. Bei Rotary International wurde der Antrag dazu bereits gestellt. 145.000 Euro müssten für ein Jahr der Lehrwerkstatt investiert werden, für 30 Lehrlinge. Eine Entscheidung steht noch aus.

„Schritt für Schritt“ habe Huber mit den Slum-Bewohner an dem Projekt gearbeitet. Die Firma Backaldrin hat eine Betriebsstätte, hingebaut, die top sei. „Das haben alle Besucher bestätigt“. Insgesamt eineinhalb Jahre war Huber in Kenia, dazwischen nur kurz zurück in Ternitz auf Heimaturlaub. Die Flugzeit hin und zurück beträgt 13 Stunden. Insgesamt flog er 136.000 Kilometer, also dreimal um den Globus. Immer wieder gab es auch Besprechungen in der Backaldrin-Zentrale in Oberösterreich.

Grundsätzlich könne er sich vorstellen, das Projekt „Angel Bakery“ weiterhin zu begleiten. „Ich werde wieder hinfahren, in nächster Zeit aber nur als Privatmann“. Vorerst habe er vor, einige Jahre wieder in Österreich zu bleiben. Die Bäckerei in Ternitz, wo er 30 Jahre lang beschäftigt war und sie in dritter Generation 21 Jahre leitete, wolle er nicht mehr reaktivieren. Job-Angebote habe er genug. Ab Mai könnte er zur Firma Backaldrin nach Asten/St. Florian wechseln. Eine zweite Jobmöglichkeit biete sich im kirchlichen Bereich an.

"Entscheidung war goldrichtig"

Er bereue es nicht, den Weg nach Afrika gefunden zu haben. „Die Entscheidung war goldrichtig.“ Und das trotz der großen Herausforderungen dort: „Kein Frischwasser, keine Abwässer, fast kein Strom. Mit einer Pritsche werden Jauche und Fäkalien eingesammelt und irgendwo gelagert. Jeden Tag brennt eine Hütte ab.“ Ein Problem sei auch die Korruption. Huber: „Kenia ist einer der korruptesten Staaten der Welt.“

Man bekomme jedenfalls einen anderen Horizont, wenn man die Verhältnisse dort sehe. Die Menschen seien nirgendwo beheimatet. Für Huber steht fest, dass künftige Migrantenströme nur durch einen Wissenstransfer in Bildung verhindert werden können. „Und man braucht nachhaltige Landwirtschaftsprojekte“, weiß Huber.