Erstellt am 21. September 2015, 09:43

von Christian Feigl

Stoppuhr entscheidet über NAW-Standort. In zwei dreimonatigen Testphasen soll anhand der Ausfahrtzeit ermittelt werden, welche Lösung die Beste ist.

Bislang war der NAW am Spitalsgelände stationiert. Das Rote Kreuz möchte künftig das Fahrzeug samt Sanitäter bei sich haben.  |  NOEN, Feigl

Wie berichtet, ist um den Standort des Notarztwagens ein wilder Streit entbrannt: Während NAW-Chef Gerhard Koinig das Fahrzeug aus medizinischen Gründen wie bislang am Spitalsareal haben möchten, machte sich das Rote Kreuz für eine Verlegung in die Bezirksstelle stark. Am Donnerstag kam es deswegen zu einem Gipfeltreffen aller Beteiligten.

In einem 90-minütigen Gespräch, wo Sepp Schmoll, Walter Grashofer, Peter Kaiser, Michael Bürger für das Rote Kreuz sowie Gerhard Koinig, Robert Griessner und Martin Bayer für die Landeskliniken Holding anwesend waren, kam es am Ende zu einer, typisch österreichischen, Kompromisslösung: Bis Jahresende bleibt vorerst einmal alles beim alten. Mit der Umstellung auf das sogenannte NEF (Notarzteinsatzfahrersystem, wo der Arzt mit einem Fahrer in einem kleinen Auto zum Einsatzort vorfährt und der Transporter mit Mannschaft nachkommt) gibt es zum Jahresbeginn dann zwei jeweils dreimonatige Testphasen.

Ausfahrtzeiten genau protokolliert

„Von Jänner bis März bleibt das Fahrzeug auf der Bezirksstelle des Roten Kreuzes und holt den Arzt im Einsatzfall vom Krankenhaus ab. Und von April bis Juni läuft es umgekehrt: Arzt und Fahrzeug befinden sich beim Krankenhaus“, erklären Spitalsdirektor Gerhard Koinig und Rot Kreuz-Boss Sepp Schmoll im Exklusiv-Gespräch mit der NÖN.

Dabei werden bei allen Einsätzen die Ausfahrtzeiten genau protokolliert: Das heißt, es wird gemessen, wie lange es von der Alarmierung bis zur tatsächlichen Ausfahrt mit Arzt an Bord dauert.
Diese Daten sollen als Entscheidungsbasis für eine weiterführende und endgültige Lösung dienen.
„Mir ist nach wie vor wichtig, dass der Weg zum Patienten so rasch wie möglich erfolgt. Das sehe ich bei einer Stationierung des Wagens am Spitalsgelände eher gegeben“, so Koinig.

Sepp Schmoll sieht das anders: „Die Rotkreuz Bezirksstelle ist 700 Meter vom Spital entfernt. Bis der Arzt von seiner Station herunterkommt, ist der Wagen auch schon dort“, glaubt er.
Den Grund für den Konflikt sieht Schmoll in den gegenseitigen Bedürfnissen: „Wir möchten nicht, dass unser Sani den ganzen Tag im Spital sitzt und umgekehrt möchte das Klinikum nicht, dass sein Arzt die ganze Zeit auf der Rotkreuz-Bezirksstelle verbringt.“