Erstellt am 19. April 2016, 05:34

von Tina Jedlicka

Drogen in Unmengen. Mehrere Kilo Drogen sollen drei Männer aus dem Bezirk Neunkirchen, eine Frau aus Felixdorf und ein Asylwerber unter anderem über das Internet vertrieben haben.

 |  NOEN, LPD NÖ

 Einer Drogenbande, die im wirklich großen Stil gedealt haben soll, wurde am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gemacht. Ein verdeckter Ermittler der Polizei soll ihnen das Handwerk gelegt haben.

„Solche Mengen habe ich in meiner Laufbahn als Staatsanwalt noch nicht gehabt“, beschrieb Staatsanwalt Udo Kremnitzer das Ausmaß des Vorwurfs der Staatsanwaltschaft gegen fünf Angeklagte. Statt, wie sonst üblich mehrere dutzend Gramm, ist in der Anklage von 10 Kilo Amphetamin, 3 Kilo Kokain (Gesamtwert 157.000 Euro), 18 Kilo Amphetamin (80.000 Euro) die Rede. „Die fünf haben mit allem, was Gott verboten hat gedealt, bis auf Heroin“, so der Staatsanwalt weiter.

Zwei junge Männer aus Breitenau, einer aus Saubersdorf eine junge Frau aus Felixdorf und ein Asylwerber mussten sich zwei Tage lang vor dem Schöffensenat verantworten.

Am ersten Verhandlungstag waren strengere Sicherheitskontrollen angeordnet worden. Der Wachdienst wurde verdoppelt und auch Polizei war vor und in dem Verhandlungssaal. Den genauen Grund wollte man auf NÖN-Anfrage nicht nennen. Es habe einen Verdacht gegeben, der sich nicht erhärtet habe.

„Die fünf haben mit allem, was Gott
verboten hat gedealt, bis auf Heroin!“
Staatsanwalt Udo Kremnitzer.

Der Saubersdorfer soll über außergewöhnlich gute EDV-Kenntnisse verfügen und im „darknet“, der dunklen Seite des Internets, Drogen bestellt und vertrieben haben. Die Felixdorferin soll die sogenannte Grenzmenge um das 215-fache überschritten haben. Die Angeklagten bekannten sich teilweise schuldig. Lediglich die ungeheuren Mengen bestritten sie. „Mein Mandant war suchtgiftabhängig, arbeitsunfähig und hatte kein Geld.

Er hat eine chronische Erkrankung und leidet unter enormen Schmerzen. Die Folgen der Krankheit sieht man ihm auch an, weshalb er immer gehänselt wurde“, erklärte der Anwalt des Saubersdorfers. Er habe einem verdeckten Ermittler zugesagt ihm große Mengen an Suchtgift besorgen zu können, dabei aber maßlos übertrieben. „Er hat dem Ermittler erzählt, dass er den Mastercode für Bankomatkarten kenne, mit dem er alle Karten knacken könne.

Das stimmt natürlich überhaupt nicht“, nannte der Anwalt ein Beispiel für die angeblichen Übertreibungen. Die Anwältin der Felixdorferin erklärte, dass die Frau suchtgiftabhängig gewesen sei, jetzt aber einen Entzug erfolgreich absolviert habe. „Sie hat es sich verdient, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden“, appellierte die Anwältin gleich zu Beginn des Verfahrens. Die Richterin hörte sich die Ausführungen der Angeklagten an zwei Verhandlungstagen an. Der Viertangeklagte gab an, an einer psychischen Krankheit zu leiden, ein psychiatrischer Sachverständiger soll deshalb ein Gutachten erstellen. Der Prozess wurde vertagt.