Erstellt am 23. September 2015, 13:43

von Barbara Zedlacher

Eine ruhige erste Nacht im Transitquartier. 200 syrische Kriegsflüchtlinge sind Dienstagnachmittag im Transitquartier am Hans Czettel-Platz in Ternitz eingetroffen und wurden mit dem Notwendigsten wie medizinischer Hilfeleistung, Nahrung und Kleidung versorgt.

 |  NOEN, Barbara Zedlacher
„Total verängstigt sind sie gestern angekommen“, berichtet Rot Kreuz-Bezirkskommandant Walter Grashofer von den ersten Stunden, es herrsche große Verunsicherung bei der Ankunft, wo sie sich befinden. „Manche kommen hier in dem Glauben an, sie wären in Wien“, so Grashofer.

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Innerhalb kurzer Zeit habe er es mithilfe eines Dolmetschers geschafft, den Flüchtlingen ihre Angst zu nehmen und sie in die Halle zu bewegen. Dort werden die Flüchtlinge vorerst mittels Farbband registriert.

„Jeder Tag hat eine andere Farbe“, erklärt Grashofer, so könne man die Verweildauer gut unterscheiden, denn: Die maximale Aufenthaltsdauer im Transitlager beträgt 72 Stunden.

NÖN.at hatte berichtet:



„Die erste Nacht verlief total unproblematisch“, so das Fazit des Rot Kreuz-Einsatzleiters, auch SP-Bürgermeister Rupert Dworak, der noch spätabends im Rathaus zu arbeiten hatte, bestätigt: „Am Hans Czettel-Platz war alles ruhig.“ Für die Sicherheit sorgen die Mitglieder eines eigens von der Stadtgemeinde eingesetzten Security-Dienstes – vor allem in den Nacht- und Morgenstunden.

Die Zahl der Flüchtlinge ist mittlerweile auf rund 80 geschrumpft. Viele haben sich gleich nach wenigen Stunden Richtung Ternitzer Bahnhof zur Weiterreise bewegt. „Es gibt keine Festhaltemöglichkeit“, so Grashofer, wer weiter will, dürfe weiterreisen. Das Ziel von den meisten ist Schweden

Hilfsbereitschaft und Betroffenheit

Von der Hilfsbereitschaft der Menschen zeigt sich der SP-Stadtchef ergriffen. Trotzdem anfangs Skepsis wegen des Transitquartiers geherrscht habe, habe ihn die Hilfsbereitschaft überwältigt: „Es haben sich in den letzten Tagen mehr als 100 Ternitzerinnen und Ternitzer von sich aus gemeldet um Hilfe anzubieten.“

x  |  NOEN, Stadtgemeinde/Unger
Aber auch die gute Organisation freut den Stadtchef. So wurde als eines der ersten Grundbedürfnisse der Flüchtlinge schnell erkannt, dass ein WLAN-Netz benötigt wird, damit den Angehörigen zuhause in Syrien Bescheid gegeben werden kann.

In der Sanitätseinheit stehen Schwestern und Sanitäter zur medizinischen Versorgung bereit, die bei vielen Flüchtlingen notwendig ist: Von der Medikamentenausgabe bis zum Pflaster für die vielen wunden Füße.

Durch die Kooperation mit dem Samariterbund Ternitz steht auch für den im Notfall notwendigen Transport ins Krankenhaus Hilfe parat.

„Viele von den Menschen sind bereits seit zwei bis vier Wochen unterwegs, manche sogar schon sechs“, erzählt Walter Grashofer. Abends saßen die Rot Kreuz-Mitarbeiter mit den Flüchtlingen zusammen und hörten von ihren Erlebnissen.

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Viele Familien mit Kindern, unter anderem auch Babys, sind dabei gewesen. Manche Familien wurden auf der Flucht zerrissen…  Bewegende Erfahrungen und Schilderungen, die die rund 120 freiwilligen Helfer auch erst verarbeiten müssen: Dazu steht auch das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes bereit.

Einer der Helfer hat am Mittwoch folgende Zeilen an den Bürgermeister gerichtet: „Ich konnte bei der Ankunft diese Menschen beobachten und habe bewusst darauf geachtet, wie sie sich verhalten und wohin sie sich bewegen. Ausgestiegen sind Familien mit kleinen Kindern, ältere Frauen und auch junge Männer. Diesen Menschen stehen die Strapazen ins Gesicht geschrieben. Auch das Verhalten hat Bände gesprochen. Da ist kein Wort gefallen, es lag eine bedrückende Stille über der Szene. Sofort nach dem zum Teil sehr zaghaften Aussteigen haben sie sich eng nebeneinander stehend an die Außenwand des Quartiers gedrückt. Welche Erlebnisse Menschen zu einem derart defensiven und verschreckten Verhalten zwingen, kann und möchte ich mir nicht einmal vorstellen. Ich bin ernsthaft berührt!“