Scheiblingkirchen-Thernberg

Erstellt am 13. Oktober 2016, 03:10

von Christian Feigl

Mit der Liebe zum Bier. Markus Wagner braut in der kleinen Pittentalgemeinde einen ganz besonderen Gerstensaft: Sein „Wolfsbräu“ ist mittlerweile mehr als das Bucklige Weltbier.

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Wo die Liebe hinfällt. Eigentlich ist Markus Wagner ja ein besonderer Glückspilz: Zuerst liebte der gebürtige Grazer das Bier, dann Karin, deren Vater als Braumeister in 8. Generation arbeitete. Heute ist der 45-Jährige mit Karin glücklich verheiratet, zweifacher Vater und erfolgreicher Bierbrauer: Mit seinem Thernberger „Wolfsbräu“ erobert das Familienunternehmen mittlerweile nicht nur die Tresen der Buckligen Welt, sondern auch jene bis nach Wien. Die Kunden kommen sogar aus Vorarlberg, um sich an seinem Buckligen Weltbier zu ergötzen.

Die meiste seiner beruflichen Zeit verbrachte Wagner jedoch in der IT-Branche. „Irgendwann bin ich dann aber zu dem Entschluss gekommen, dass es reicht: Ich habe damals meine Kinder vor lauter Arbeit kaum noch gesehen und wir haben beide beschlossen, unser Leben komplett auf den Kopf zu stellen“, erinnert er sich an den Schritt in die Selbstständigkeit. Eineinhalb Jahre wurde

eine neue Bleibe gesucht und in Thernberg schließlich gefunden. Die Familie erwarb 2010 den alten Bauernhof zweier Schwestern und revitalisierte das Gehöft. Bestärkt und unterstützt vom Schwiegervater, dessen Werk weiterzuführen, wurde dessen Brauerei aus Wolfsberg – deshalb auch der Name „Wolfsbräu“ – kurzerhand nach Thernberg übersiedelt.

„Zwei volle LKW-Ladungen haben wir hierher gebracht und die Anlage in mühsamer Kleinarbeit wieder aufgebaut.“ Zwei Jahre lernt ihm der Schwiegerpapa die Tricks und Geheimnisse der Branche, 2012 wird der erste Sud gebraut. Der Rest entwickelte rasch eine Eigendynamik.

Durch seine offene Ausstrahlung, seine umgängliche Art und geschicktem Marketing erobert Markus Wagner nicht nur rasch die Herzen der Thernberger – „wir sind hier mit offenen Armen aufgenommen worden“ –, sondern auch jene vieler Gastronomen in der Region.

„Ich habe sie alle abgeklappert und Kostproben dort gelassen“, plaudert er über seine Strategie. Mit Erfolg: Nach und nach gewinnt er Kunden, von Neunkirchen bis zum Semmering, ja sogar die Topgastronomie in Wien gehört mittlerweile zu seinen Kunden.

Denn das Bier, das Markus Wagner in Thernberg braut, ist ein ganz besonderes: „Das Wasser ist eine der wichtigsten Zutaten und es gibt hier die eigene Thernberger Ortsquelle, die unserem Bier den besonderen Geschmack verleiht. Außerdem heben wir uns von der Massenproduktion ab, ich sage immer, dass wir mit Herz und Verstand brauen“, erklärt er der NÖN beim Lokalaugenschein.

Aktuell beträgt der Jahresausstoß zwischen 60.000 und 70.000 Litern pro Jahr. Das Märzenbier, besser unter dem Namen „Wolfsbräu-Kristall“ bekannt, ist der Topseller. Es gibt auch noch Zwickl- oder Bockbier. Auf großartige Geschmacksexperimente verzichtet der Braumeister.

Die ausschließlich natürlich gebundene Kohlensäure gibt dem Bier seine milde und bekömmliche Note. Naturbelassen und ohne Zusätze und Konservierung (nicht pasteurisiert) wird das Wolfsbräu abgefüllt: „Als lebendiges Lebensmittel“ bleiben dadurch alle guten Inhaltsstoffe erhalten.

Sein Hauptabnehmer ist die Gastronomie, da fast ausschließlich in Fässern abgefüllt wird, für den Privatkunden gibt es als kleinstes Gebinde nur zwei Liter-Flaschen.

Neben seiner Frau helfen noch zwei Mitarbeiter im Unternehmen. Montag und Dienstag ist bei den Wagners Brautag, da wird bereits um 4 Uhr mit der Produktion begonnen. Der Rest der Woche gilt der Kundenpflege, die großgeschrieben wird. Denn hier liefert der Chef noch selbst aus: „Na klar, ich will ja meine Wirte sehen und mit ihnen reden!“

Große Expansionspläne hat die Familie nicht: „Es läuft gut, der aktuelle Trend zu Kleinbrauereien kommt uns natürlich auch entgegen“, erklärt der Braumeister. Schön wäre es für ihn, wenn der Betrieb in Familienhand bleiben könnte.

Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls nicht schlecht: Ein Übernahmeangebot einer Großbrauerei hat Markus Wagner bereits abgelehnt und Sohn Leo stiefelt mit seinen neun Jahren bereits eifrig mit dem Schlauch durch die Produktionsräume.

Und dann gibt es ja auch noch Töchterchen Hanna, denn wer weiß, wo die Liebe einmal hinfällt...