Erstellt am 22. September 2015, 14:58

von Tanja Barta, Christian Feigl und Barbara Zedlacher

Erste Flüchtlinge sind eingetroffen. Die ersten Flüchtlinge haben heute Nachmittag um ca. 14.30 Uhr das Transitquartier in Ternitz erreicht.

 |  NOEN, Redaktion

Das lange Warten hatte Dienstagnachmittag endlich ein Ende, die Vorbereitungen der Rotkreuz-Mitarbeiter haben sich gelohnt: Drei Busse mit Flüchtlingen wurden im neuen Transitquartier in Ternitz in Empfang genommen.

Nach einer ersten Registrierung konnten die Flüchtlinge, hauptsächlich Familien, die ehemalige Löwa-Halle betreten, für die Kinder stehen eine eigene Kinderecke, ein Wickelplatz und Spielmöglichkeiten zur Verfügung, „damit sie sich jenseits ihres Schlafplatzes ein bisschen beschäftigen können“, berichtet Rot Kreuz-Bezirkskommandant Walter Grashofer.

„Die Flüchtlinge sind total verunsichert hier angekommen und wussten nicht, wo sie hier sind“, so die ersten Eindrücke des Rot Kreuz-Kommandanten, „es ist anfangs schwierig, zu vermitteln, dass das hier nur eine Übergangslösung ist.“ Zur besseren Kommunikation stehen sechs Dolmetscher bereit.

„Das wird jetzt erst einmal eine zeitaufwändige Sache, den Flüchtlingen ihre Lage zu vermitteln“, bekräftigt Grashofer. Über mögliche Asylanträge könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, auch über die genaue Verbleibdauer  noch nicht. „Das Quartier steht maximal 72 Stunden für die Flüchtlinge zur Verfügung“, betont der Rot Kreuz-Bezirkskommandant.


Update Dienstag 12.45 Uhr: 200 Menschen erwartet

Im neuen Quartier in Ternitz wurden am (heutigen) Dienstagnachmittag 200 Flüchtlinge erwartet. Alle Vorbereitungen seien seit dem Vortag abgeschlossen, sagte Sonja Kellner vom Roten Kreuz NÖ auf APA-Anfrage. Die Halle eines ehemaligen Supermarktes steht laut Bürgermeister Rupert Dworak (SPÖ) längstens bis Ende Dezember 2015 zur Verfügung.

Kellner wies zudem darauf hin, dass bereits seit Mitte August 230 Flüchtlinge auf dem Flughafen Wien in Schwechat betreut würden. Eine adaptierte Gerätehalle kann bis Ende Oktober genützt werden. An Lösungen für die Zeit danach werde gearbeitet, sagte die Sprecherin.

Weitere 230 Menschen seien in Bezirksstellen des Roten Kreuzes im Bundesland untergebracht, knapp 300 waren es in der Nacht auf Dienstag im städtischen Wirtschaftshof in St. Pölten.

"Wir helfen überall, wo es notwendig ist", sagte Kellner. Betreut würden "Quartiere, die uns zur Verfügung stehen". Mitarbeiter des Roten Kreuzes NÖ seien außerdem nach wie vor am burgenländisch-ungarischen Grenzübergang Nickelsdorf unterstützend im Einsatz.Über die Geschehnisse in dem Transitlager werden Sie die NÖN laufend informieren.
 


NÖN.at berichtete am Montag:
Gespanntes Warten auf Flüchtlinge: Noch keine Gäste in Ternitz

Es war alles perfekt vorbereitet am Montag, die Schlafstätten waren errichtet und die Küche war aufgebaut. Alleine die rund 200 Kriegsflüchtlinge, die in der ehemaligen Löwa-Halle in Rathausnähe ein Übergangsquartier finden sollen, kamen nicht.

Wurde zu Beginn die Mittagszeit als möglicher Ankunftstermin genannt, so verzögerte sich dieser Zeitpunkt stündlich. Am Abend wurde es dann zur Gewissheit: „Heute kommen keine Kriegsflüchtlinge mehr“, so Rot Kreuz-Einsatzleiter Walter Grashofer. Zur Sicherheit hielten aber vier Mitarbeiter der Hilfsorganisation in der Halle Nachtdienst, „damit wir für alle Fälle gerüstet sind!“
 
Nun rechnen die Verantwortlichen damit, dass die ersten Gäste am Dienstagvormittag in Ternitz eintreffen werden. Erfreut zeigt sich Walter Grashofer über die Solidarität in der Bevölkerung: „Ich bin von den vielen positiven Reaktionen wirklich überwältigt!“

Im Rahmen einer Veranstaltung sprach der Einsatzleiter auch vor Publikum und klärte die wichtigsten Fragen: „Am wichtigsten ist bei dieser Sache das direkte Gespräch. Damit kann man viele Ängste abbauen! Danach haben sich gleich einige für den Freiwilligendienst vor Ort eingetragen, das finde ich toll!“

Ängste, die nach wie vor latent vorhanden sind. So kritisierte etwa eine Frau im Internet, dass sich das Transitquartier in unmittelbarer Schul- und Kindergartennähe befinden würde. Und auch FPÖ-Stadtparteichef Michael Reiterer machte auf Facebook seinem Ärger Luft. Sein Posting wurde allerdings zu einem Rohrkrepierer: Denn nachdem es viele negative Reaktionen auf sich gezogen hatte, löschte es der Mandatar später wieder.
 
SPÖ-Bürgermeister Rupert Dworak: „Für Hetze und Hass ist jetzt kein Platz, es gilt armen Menschen zu helfen. Auch ich habe bislang viele positive Reaktionen bekommen und hoffe, dass sich das nicht ändern wird!“