Erstellt am 08. Oktober 2015, 06:07

von Christian Feigl

Erste Polizistin Österreichs aus Neunkirchen. Die Neunkirchnerin Elly Edinger trat genau vor 50 Jahren als eine der ersten Frauen der Polizei bei: Über gute und schlechte Zeiten erinnert sie sich im Rückblick.

Die 71-Jährige war die erste Polizistin Österreichs  |  NOEN, privat/Feigl

Die Neunkirchnerin Elly Edinger hat Geschichte geschrieben: Am 1. Oktober vor 50 Jahren trat sie als eine der ersten Frauen der Polizei in Österreich bei. Mit ihr starteten 63 in den Kurs, 38 hatten ihn am Ende abgeschlossen. Edinger mit dabei. Und sie kann auf eine stolze Karriere zurückblicken!

„Bin durch Zufall zur Polizei gekommen“

„Eigentlich bin ich ja nur durch Zufall zur Polizei gekommen“, erinnert sich die gelernte Herrenschneiderin an ihren Berufsstart. Ihre Mutter hatte von der erstmaligen Aufnahme im Radio gehört und ihr davon erzählt. Unter 600 Bewerben schaffte sie es schließlich unter die letzten Auserwählten, die zum Kurs zugelassen wurden: „Die zwei Jahre in der Marokkanerkaserne in Wien waren sehr hart. Wir durften praktisch nicht nach Hause fahren und auch körperlich ging es bei der Ausbildung voll zur Sache.“

Ihre ersten Einsätze nach Abschluss hatten die „Politessinnen“, wie die weiblichen Polizistinnen aber nicht genannt werden wollen, beim Verkehrsregeln. „Stundenlang stand ich am Ring in Wien zwischen dichtestem Verkehr. Im Winter habe ich oft meine Finger nicht mehr gespürt. Es gab auch ein paar Auffahrunfälle, weil einigen Herren das Bild offensichtlich noch ungewöhnlich erschien“, muss sie schmunzeln.

„Habe auch viele schreckliche Dinge mitbekommen"

Doch die Polizistin wollte bald mehr und begann ebenfalls als eine der ersten Beamtinnen Österreichs mit der Ausbildung zur Kriminalbeamtin, die sie Ende 1969 erfolgreich abschloss.

Es folgen zehn harte Jahre: „Ich war als Frau natürlich viel mit Sexualdelikten und Gewalt in der Familie, hier vor allem gegen Kinder, beschäftigt. Das war keine schöne Zeit, weil ich auch viele schreckliche Dinge mitbekommen habe. Deshalb wollte ich auch nie Kinder“, erinnert sie sich beim Gespräch mit der NÖN.

Schließlich wechselte die heute 71-Jährige zur Staatspolizei, Antiterror-Gruppe, wo sie ihre abwechslungsreichsten Berufsjahre verbringen durfte. „Ich war für den Personenschutz zugeteilt und habe dabei tolle Persönlichkeiten wie König Hussein von Jordanien oder den Papst kennenlernen und begleiten dürfen. Auch der jährliche Opernballbesuch gehörte beruflich zum Fixpunkt!“

„Ich würde alles genauso wieder machen!“

Und obwohl die Dienstwaffe - eine Glock Pistole - immer mit dabei war, musste die Neunkirchnerin nie davon Gebrauch machen: „Darüber bin ich auch froh!“ Ihre Erfahrungen in all den Jahren bei der Polizei beschreibt sie als großteils positiv und ist sich sogar sicher: „Ich würde alles genauso wieder machen!“ Mit ihren ehemaligen Kolleginnen trifft sie sich noch heute regelmäßig zum Gedankenaustausch: „Wir hatten schöne Erlebnisse und Erinnerungen, an die man ewig zurückdenken wird!“