Erstellt am 02. Mai 2016, 10:47

von Tina Jedlicka

Knalleffekt in Veruntreuungs-Prozess!. Paukenschlag im Fall der Veruntreuung von Betriebsratsgeldern bei einer großen Firma in Wimpassing, 168.00 Euro Schaden, Diversion für alle Angeklagten!

 |  NOEN, ROBERT PARIGGER (APA (Archiv/Parigger))
Vier Angeklagte mussten sich wegen Veruntreuung am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten. Der Erstangeklagte soll in seiner Funktion als Betriebsratsvorsitzender bei einer großen Firma in Wimpassing Gelder in der Höhe von 186.400 Euro in eine Einkaufsgemeinschaft eingezahlt und dafür Provisionen kassiert haben.

Eine Mitarbeiterin soll ihm zu diesem Zweck geholfen haben, falsche Identitäten zu kreieren, mit falschen E-Mail-Adressen und Sim-Karten.

Strafmaß von zehn auf drei Jahre herabgesetzt

"Es war nicht möglich so hohe Beträge auf einmal einzuzahlen, weshalb die Einzahler gefälscht wurden", so der Staatsanwalt.

Der Dritt- und die Viertangeklagte sollen als Mitarbeiter der Einkaufsgemeinschaft die Provisionen in Form von Einkaufsgutscheinen in der Höhe von 37.900 Euro an den Erstangeklagten ausbezahlt haben. Zwei Mal schon hätte der Prozess stattfinden sollen. Einmal war der Erstbeschuldigte krank, beim zweiten Mal die Richterin.

Doch auch heute Montag fand kein Prozess in diesem Sinne statt. Die zuständige Richterin erklärte zu Beginn der Verhandlung, dass es eine Gesetzesnovelle beim Vergehen der Untreue gegeben habe. Das Strafmaß wurde von zehn auf drei Jahre herabgesetzt.

"Da sie alle unbescholten und geständig sind, biete ich Ihnen eine Diversion an", meinte die Richterin. 240 Stunden gemeinnützige Arbeit für den Erstangeklagten, 130 für die Zweitangeklagte, 140 Stunden für den Rest.

Außerdem müssen sie den verbleibenden Schaden von 30.000 Euro in verschiedenen Rollen bezahlen. Innerhalb von sechs Monaten müssen die gemeinnützigen Leistungen abgestottert werden.

Staatsanwalt Windisch: "Es ist ein Grenzfall"

Die Angeklagten waren mit dem Angebot einverstanden, obwohl die übrigen Angeklagten erst auf Anraten der Anwälte die Diversion annahmen. Die Viertbeschuldigte bot hinsichtlich der Schadenswiedergutmachung 100 Euro an, sie sei Mindestrentnerin, mehr habe sie nicht.

Privatbeteiligtenvertreter Peter Wittmann bestand auf ein Anerkenntnis den Schaden gut zu machen, die Zweitbeschuldigte und der Drittbeschuldigte wollen je 5.000 Euro in Raten zahlen. Der Erstbeschuldigte zahlt 1.200 Euro. Sollten sie demnächst mehr verdienen, müssen der Erstbeschuldigte und die Viertbeschuldigte den weiteren Schaden abstottern.

Staatsanwalt Johannes Windisch dazu: "Es ist ein Grenzfall, es ist natürlich für die Staatsanwaltschaft die Schadenswiedergutmachung und ein Anerkenntnis das Wichtigste, ohne dem geht es allerdings nicht. Deshalb gebe ich vorerst keine Erklärung ab."

Die vier Angeklagten gingen ohne Vorstrafe wieder nachhause. Sollten sie das Geld nicht bezahlen oder die gemeinnützigen Stunden nicht leisten, wird der Prozess fortgesetzt.