Erstellt am 03. Mai 2016, 05:44

„Leihopa“ steht unter schwerem Verdacht. Ein Pensionist im Bezirk soll ein Mädchen (12), dessen Vertrauen er mit seinen Tieren gewonnen hatte, belästigt haben.

 |  NOEN, APA (Archiv)

„Alle wissen, dass er Katzen hat und bei ihm die Türen offen sind. Jedes Kind kann kommen und gehen, wann es will“, beschrieb eine Nachbarin den wegen Missbrauchs angeklagten Pensionisten.

Der Mann war für viele ein „Leihopa“. Ein Mädchen kam besonders häufig und er soll ihr volles Vertrauen genossen haben. Zu viel Vertrauen, meint die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Konkret wird ihm vorgeworfen, das Mädchen sexuell belästigt zu haben. Der Angeklagte war über die Vorwürfe entsetzt.

Er habe das Mädchen nie unsittlich berührt. „Ja, ich habe mich gefreut, dass sie mich immer wieder besucht hat. Meine Frau ist vor einiger Zeit verstorben und ich hatte gerne Gesellschaft. Sie ist mitgefahren, wenn ich Einkaufen war. Am Liebsten hat sie bei mir Ferngesehen und mit den Katzen gespielt“, plauderte der Mann aus seinen Erinnerungen. Fordernd sei sie irgendwann geworden, erzählte der Pensionist erst nach Aufforderung seines Rechtsanwaltes.

Mädchen sei immer fordernder geworden

Zunächst schwärmte er in höchsten Tönen von dem Mädchen. Sie habe ein Handy gewollt. „Aber ich habe gesagt, dass muss sie mit ihrer Mutter ausmachen. Ich habe ihr ein oder zwei Mal Geld gegeben und gemeint sie solle das doch für ein Handy sparen“, erinnerte sich der Mann. Später habe sie einen Hund gewollt. Nur den Hauptwohnsitz hätte dieser Hund bei ihm haben sollen.

„Ich habe ihr gesagt, dass das nicht in Frage kommt für mich. Da war sie sehr zornig“, so der Angeklagte. Irgendwann sei die Aussage gefallen, wenn er das nicht mache, was sie sagt, würde sie behaupten, er habe ihr etwas getan und Kindern glaube man immer. Die Nachbarin, die als Zeugin geladen war, war von dem Mädchen sichtlich wenig angetan. Ihre Enkelkinder hätten sich anfangs oft mit ihr getroffen.

„Sie geht in eine dieser alternativen Schulen und das merkt man. Sie legt kein Benehmen an den Tag, das man sich erwarten würde, wenn man wo zu Gast ist. Sie hat auch überhaupt nicht auf mich gehört“, beklagte sich die Frau im Zeugenstand. Als das Mädchen bei ihr zu Besuch war, habe sie ständig Gerichtssendungen angesehen. „Das habe ich unterbunden. Das war tiefstes bundesdeutsch und die Inhalte entsprechen nicht dem, was Kinder in diesem Alter sehen sollten“, meinte die Frau. Das Mädchen wurde schon vor dem Prozess einvernommen, ihre Aussage aufgezeichnet. Die Verhandlung wurde vertagt.