Wiener Neustadt , Neunkirchen , Warth

Erstellt am 17. August 2016, 05:52

von Andreas Fussi

600 Bauern wollten Kurz sehen. Außenminister Sebastian Kurz war der Hauptgast beim Sommergespräch des Bauernbundes.

Die Bezirksbauernratsobmänner von Neunkirchen und Wiener Neustadt – Thomas Handler und Martin Preineder – begrüßten am Donnerstag zum traditionellen Sommergespräch des Bauernbundes in der LFS Warth-Aichhof Außenminister Sebastian Kurz. Der aufstrebende Politiker wirkte wie ein Magnet – rund 600 Bauernbundmitglieder und Gäste füllten den Saal.

Sie konnten vor Beginn auf Zetteln ihre Fragen an den Außenminister schreiben, die ihm dann nach Themen geordnet gestellt wurden. In 45 Minuten beantwortete Kurz 50 Fragen aus dem Publikum, vorwiegend zu den Themen EU, Türkei und Flüchtlinge. Aber auch die Russland-Sanktionen kamen zur Sprache. Kurz zeigt sich hier optimistisch, dass die Sanktionen stufenweise wieder abgebaut werden können.

Zur Türkei meinte Kurz, Europa werde nicht wegsehen, wenn die Grundrechte verletzt werden und das Land von der Demokratie wegkomme. Viel Applaus erntete Kurz für die Klarstellung, dass die Türkei kein Mitglied der EU werden dürfe. Man müsse aber mit der Türkei in vielen Bereichen kooperieren. „Es ist absurd, keinen Kontakt mehr mit der Türkei suchen zu wollen.“ Der Außenminister stellte sich auch dagegen, dass innertürkische Konflikte nach Österreich getragen werden. „Wer in Österreich leben möchte, muss sich an unsere Gesetze halten!“ Kurz sprach sich auch deutlich gegen Doppelstaatsbürgerschaften aus.

Minister bedankt sich beim Bauernbund

Zur Flüchtlingscausa sagte Kurz: „Nicht jeder, der zu uns kommt, ist auch ein Flüchtling“ und stellte damit klar, dass zwischen Flüchtlingen und Zuwanderern zu unterscheiden sei. Die Grenze sei in letzter Zeit zu sehr verwischt worden. Die Unterbringung sei dabei nicht das größte Problem. Die Herausforderung liege in der Integration und beim Arbeitsmarkt. „Wir brauchen Reformen im Sozialbereich, weil wir zu attraktiv sind – das ist die Wahrheit.“

Den größten Applaus erntete Kurz auf den Aufruf einer Person aus dem Publikum: „Bitte halten Sie durch und lassen Sie sich nicht verheizen!“ Der Minister bedankte sich beim Bauernbund für die Veranstaltung. „Es ist schön, solche Verbündete zu haben!“
Zu Beginn gaben Bauernbund-Direktorin Klaudia Tanner und Bundesrat Martin Preineder Antworten auf aktuelle agrarische Fragen. „Nicht mehr vom Selben, sondern vom Selben mehr“ sagte Preineder in Blickrichtung, dass auch das Wachsen der landwirtschaftlichen Betriebe Grenzen hat.

Außerdem lernten die Besucher Christoph Holzbauer aus Kirchschlag kennen, einen jungen Techniker (29), der neu in die Bio-Legehennenhaltung eingestiegen ist. Tamara Eckner (21) aus Prigglitz berichtete über den Stallneubau für 100 Rinder mit Melkroboter am elterlichen Betrieb, den sie im Vollerwerb führen möchte.