Erstellt am 14. September 2015, 09:11

von Christian Feigl

Alk am Arbeitsplatz? Prozess in 3. Runde. Gekündigter Mitarbeiter des Kommunalservice wurde durch die Zeugenaussagen großteils entlastet. Prozess vertagt.

Richter Dieter Neugebauer musste die Verhandlung abermals vertagen.  |  NOEN, Fotos: Christian Feigl

| Am Mittwoch standen die Rasenmäher still in der Bezirkshauptstadt: Fast die halbe Mannschaft des Kommunalservice war als Zeugen zu einem arbeitsgerichtlichen Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt geladen: Zwei ehemalige Kollegen hatten gegen ihre Entlassung im April geklagt – sie sollen während des Dienstes betrunken gewesen sein.

Während sich einer der beiden bereits beim ersten Prozess im April mit dem Arbeitgeber, die Neunkirchner Wirtschaftsbetriebe GmbH, verglich und eine einvernehmliche Kündigung erreichte, ging Harald Weninger aufs Ganze und stellte sich der zweiten Runde vor Richter Dieter Neugebauer: Und obwohl der Prozess abermals vertagt werden musste, konnte er dabei klare Vorteile für sich verbuchen!

Der 24. April war es, den es mit Hilfe der Zeugen zu rekonstruieren galt: Zu dritt war damals eine Truppe in einer Wohnhausanlage in der Stockhammergasse mit Mäharbeiten beschäftigt. Dabei soll, so der Grund für die beiden fristlosen Entlassungen, auch reichlich Alkohol geflossen sein. Allerdings wurde das nur von einem einzigen der sieben Zeugen bestätigt, und zwar vom dritten Mann, der damals dabei war. Aber auch er belastete Kläger Weninger kaum, sondern vielmehr den ehemaligen Kollegen, der sich mit der Gemeinde verglichen hat: „Viermal musste ich am Vormittag in seine Wohnung gehen und jeweils drei Flascherl Spritzer holen“, erinnert sich der Zeuge. Zehn Flaschen davon habe der Ex-Kollege getrunken, Weninger habe er aber nur eines trinken gesehen.

„Einer der Zeugen hat die Ladung nicht behoben...ah,
der war zwei Monate in der Karibik – da hätte ich sie
ihm auch persönlich übergeben. Richter Dieter Neugebauer.

Weninger selbst bleibt vor Gericht bei seiner Version: „Ich habe an diesem Tag keinen Tropfen Alkohol getrunken, sogar meine eigenen Getränke mitgehabt.“ Entlastet wird er auch durch die Aussage eines Mieters, mit dem er ein paar Worte gewechselt hat: „Ich habe weder etwas gerochen, noch sonst irgendwelche Anzeichen einer Alkoholisierung bemerkt“, führt der Mann vor Gericht aus. Auch die anderen Arbeitskollegen haben Weninger nicht trinken gesehen.

Dennoch gibt Rechtsanwalt Jürgen Dorner, der die Neunkirchner Wirtschaftsbetriebe GmbH vertritt, zu bedenken, dass Weninger beim Entlassungsgespräch die Vorwürfe nicht bestritten hat. Allerdings „zugegeben hat er sie auch nicht“, wie sich alle Beteiligten erinnern.

Nach vier Stunden deutete Richter Neugebauer schließlich an, dass die Vorteile für eine Wiedereinstellung eher auf Weningers Seiten liegen würden und ersuchte die beiden Streitparteien noch einmal in sich zu gehen, um eine gütliche Lösung zu finden.

Bis 12. Oktober besteht diese Möglichkeit: Denn dann soll der Prozess in die dritte Runde gehen. Mit einem neuen Zeugen, dem ehemaligen Kollegen Weningers, der sich bereits verglichen hat.