Puchberg am Schneeberg

Erstellt am 27. Juli 2016, 04:42

von Tina Jedlicka

Verprügelt und beraubt. Neun Rumänen sollen unter anderem in Puchberg Senioren verprügelt und ihre Wertgegenstände mitgenommen haben. In Bayern sollen sie einen Mesner getötet haben.

NÖN

Den 18. Juli 2015 wird Martha Postl ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Durch ein offen stehendes Badezimmerfenster schlichen sich Mitglieder der sogenannten Froschbande in ihr Haus, in dem sie friedlich schlief. Die Männer weckten die Frau mit Faustschlägen ins Gesicht und bedrohten die schlaftrunkene Pensionistin mit einem Messer.

Die Frau, die um ihr Leben fürchtete, täuschte daraufhin einen epileptischen Anfall vor. Die Männer wussten nicht, was sie tun sollten und ließen von ihr ab. Dieses Manöver könnte der Frau tatsächlich ihr Leben gerettet haben. Denn dieser Raubüberfall war noch lange nicht der letzte dieser Art, den die Männer verübt haben. Am Landesgericht Wiener Neustadt mussten sie sich deshalb einem Prozess stellen.

Begleitet wurden sie von einem noch nie da gewesenen Aufgebot an bewaffneten Justizwachebeamten der Einsatzgruppe, allen voran ein Beamter mit Maschinengewehr. Die Angeklagten reisten mit zahlreichen Vorstrafen im Gepäck an. „Das sind echte Berufsverbrecher, die sämtliche Gerichte und Gefängnisse in Europa schon sehr gut von innen kennen“, erläuterte Staatsanwalt Markus Bauer. Die neun Rumänen, von denen drei Brüder und ein paar andere verwandt miteinander sind, stammen alle aus derselben Region, haben bis zu elf Kinder, keinen Job und kein Geld.

Raubüberfälle in Österreich

Die Männer traten immer in größeren Formationen auf und viele von ihnen sind relativ klein, weshalb sie sich die Froschbande nennen. Bei ihren Opfern sollen sie am Tag nach Wasser gefragt haben, um deren Wohnsituation auszuspionieren. In der Nacht, wenn die alleinstehenden oder/und älteren Leute schliefen, kehrten sie zurück und schreckten keineswegs vor der Anwendung von Gewalt zurück.

Einer Frau rissen sie den Ehering vom Finger, einer anderen brachen sie alle Knochen, sie hatte innere Einblutungen und laut Richterin noch heute Beschwerden ihr Essen zu sich zu nehmen. Dass sie prinzipiell dabei waren, gaben die Männer großteils zu. Doch Gewalt angewandt haben will keiner von ihnen.

Richter Gerald Grafl verlas die einzelnen Vorwürfe und bat diejenigen aufzuzeigen, die dem jeweiligen Opfer die Verletzungen zugefügt habe. Nur einer von ihnen hob bei einem Faktum zögerlich die Hand. „Wollen Sie sagen, dass sich die Menschen das alles selbst zugefügt haben oder lügen?“, fragte die vorsitzende Richterin Nina Morawetz nach. Die Angeklagten schwiegen.

Bei der zweitägigen Einvernahme beschuldigten sie sich gegenseitig. Zwischen ihren Raubüberfällen in Österreich fuhren die Männer nach Bayern. Dort sollen sie einen Mesner zu Tode geprügelt haben und den Sterbenden gemeinsam mit seiner Frau in einen Wandschrank gesperrt haben. Drei Tage später entdeckte der Briefträger die beiden und befreite die Frau. Die bayrischen Behörden haben nach Prozessende eine Auslieferung der Männer beantragt. Der Prozess soll am 25. Juli zu Ende gehen.