Erstellt am 08. Januar 2016, 12:58

Rax forderte fünf Tote. Obwohl im vergangen Jahr weniger Unfälle im Einsatzgebiet der Bergrettung der Ortsstelle Reichenau gezählt wurden, waren die Einsätze durchwegs schwerer und aufwendiger als die Jahre zuvor. „Leider waren dabei fünf Todesopfer zu beklagen“, so Helmut Dittler.

 |  NOEN, Bergrettung Reichenau Presse
Der erste schwere Unfall ereignete sich am 10. Februar: Ein aus dem Bezirk stammender, junger Snowboardsportler kam auf der vorderen Rax bei einem Lawinenunfall ums Leben. Elf  Wintersportler, Skifahrer und Snowboarder fuhren unabhängig voneinander die Standardabfahrt von der Raxbahn ins Tal ab. Als die Gruppe sich in der Talstation wieder traf, wurde eine Person vermisst.

Bei der anschließenden Suche entlang der Abfahrtsspur bemerkten sie im Bereich der Stütze 4 den Abriss einer gewaltigen Lawine. Ca. 600 Meter tiefer fanden sie dann den fast zur Gänze Verschütteten. Die sofort alarmierte Bergrettung Reichenau begann mit 13 Mann die Bergung. Sie wurden zum Teil von der Seilbahngondel abgeseilt, da das Befahren wegen der hohen Lawinengefahr nicht möglich war. Der Notarzthubschrauber konnte wegen Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern nicht eingesetzt werden. Nach einer mehrstündigen Rettungsaktion konnte der Arzt im Tal nur mehr den Tod des Sportlers feststellen.

Experte warnt vor Befahren der Abfahrten

„Generell hat sich die Situation im Bereich der vorderen Rax verändert. Durch das Fehlen von großen Bereichen des Schutzwaldes und den ungünstigen Schneedeckenaufbau, bedingt durch die bereits in den letzten Jahren immer wieder auftretenden Wetterkapriolen, wird die Bildung von Lawinenhotspots begünstigt. Vom Befahren dieser Abfahrten muss daher in den meisten Fällen abgeraten werden“, warnt der Experte.

Am 25. Mai kam es zu einem weiteren  tragischen Unfall am Wachthüttelkamm. Nachdem ein 19-jähriger Wiener nicht zum vereinbarten Treffpunkt ins Weichtal gekommen war, wurde eine  groß angelegte Suchaktion gestartet. Erst am nächsten Tag konnte er im „Großen Höllental“ im Bereich Preintalersteig tot gefunden werden. Die Unfallursache ist bis heute unbekannt. Der Tourist war erfahren und gut ausgerüstet, allerdings herrschte zum Zeitpunkt des Unglücks dichter Nebel und der Boden war infolge einer einige Tage andauernden Schlechtwetter-Periode rutschig und glatt.

Tragische Unfälle in Sommermonaten

Zu einem weiteren schweren Unfall kam es am 5. Juni im oberen Bereich des Preinerwandsteiges. Auf 1670 m Höhe stürzte am späten Nachmittag ein Ungar mehrere Meter über Schrofen in die Tiefe. Er verletzte sich dabei am linken Knöchel so stark, dass ein selbstständiger Abstieg nicht mehr möglich war.

Gegen 24 Uhr erreichten die Rettungskräfte den Verunglückten. Da sich die Unfallstelle in einem besonders steinschlaggefährdeten Gelände befand, konnte der Abtransport in der Nacht nicht durchgeführt werden. Der Verletzte wurde versorgt, außerdem ein Biwak eingerichtet.
In den frühen Morgenstunden wurde der Verletzte vom Notarzthubschrauber geborgen und in das Krankenhaus Wr. Neustadt geflogen.
 
Am 2. Juli gegen 14 Uhr stürzen zwei Tschechen aus der Preinerwand ca. 50 Meter in die Tiefe. Aufgrund ihrer schweren Verletzungen verstarben sie noch an der Unfallstelle.
 
Ein Hilferuf erreichte die Ortsstelle am 24. August: In der Nähe des Jakobskogel (unweit vom Otto-Haus) war ein 55-jähriger Bergsteiger in Folge einer Kreislaufschwäche zu Sturz gekommen. Es war zu einem Atemstillstand gekommen. Leider konnte nur mehr der Tod des Touristen festgestellt werden, es war dies bereits das fünfte Todesopfer auf der Rax alleine im heurigen Jahr.

50 Einsätze für Bergrettung

Die Bergrettung Reichenau wurde 2015 zu rund 50 Einsätze gerufen. Die meisten Verunglückten mussten nach Stürzen im Gehgelände geborgen werden (Knochenbrüche), vermehrt hatten die Touristen auch Kreislaufprobleme (Hitzewelle), und auffallend oft mussten Personen aus „misslichen Situationen“ gerettet werden, nachdem sie sich verirrt oder verstiegen hatten beziehungsweise überhaupt auf einem „falschen“ Weg unterwegs waren.
 
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind viele Ausbildungsstunden notwendig. Neben den „ortsstelleninternen“ Übungen war die Ortsstelle auch bei der Gebietsübung SÜD im Großen Höllental am 19. Sept. „federführend“ beteiligt. 
 
„Es ist zu befürchten, dass im kommenden Jahr die Einsätze noch schwieriger werden, da bis im Juni 2016 die Raxbahn wegen Renovierungsarbeiten total gesperrt ist. Es wird daher eine größere Anzahl von Helfern bei Rettungsaktionen auf der Hochfläche benötigt. Außerdem wird sich die Anmarschzeit durch das Fehlen der Aufstiegshilfe Raxbahn drastisch erhöhen. Von Seite der Bergrettung Reichenau wurde bereits in den vergangenen Tagen zusätzliches Rettungsgerät und Sanitätsmaterial an stark frequentierten Stützpunkten gebunkert. Außerdem werden, vor allem an den Wochenenden, auf der Trinksteinhütte die Dienstmannschaften verstärkt anwesend sein“, so Dittler.