Reichenau an der Rax

Erstellt am 27. August 2016, 18:32

von Gila Wohlmann

Wanderer auf der Rax in Nöten. Elfköpfige Wandergruppe aus Tschechien musste mit Hubschrauber des Innenministeriums ins Tal geflogen werden!

So hat sich eine elfköpfige Wandergruppe aus Tschechien am Freitag ihre Tour auf die Rax nicht vorgestellt. Im Bereich des Preintalersteiges kamen die Freizeitsportler beim Aufstieg in Richtung Wachthüttelkamm von der Route ab.

Aufgrund der nahenden Finsternis  und um kein weiteres Risiko einzugehen, riefen sie den Bergnotruf 140. „Gegen 20 Uhr erhielten wir die Alarmierung“, schildert Einsatzleiter Roland Krätzel von der Ortsstelle Reichenau/Rax. 14 Leute der Ortsstelle gingen sofort zur Sache, drei davon blieben in der Einsatzleitzentrale und elf weitere rückten mit Stirnlampen  ins Gelände aus.

Letzte Rettung aus der Luft

„Die Lokalisierung der Vermissten gestaltete sich aufgrund der Sprachbarrieren und unklaren Angaben anfänglich eher schwierig“, schildert Krätzel, der mutmaßt, dass die Wanderer einfach zu spät losmarschiert seien.  Doch nach einiger Zeit konnte die Gruppe unversehrt abseits der Route aufgefunden werden.

„Ein 14-jähriges Mädchen hatte eine minimale Verletzung an der Schulter durch einen Steinschlag“, berichtet der Bergretter. Gesichert und unter Anleitung der Bergretter wurde die Gruppe wieder bis 2 Uhr morgens  auf die richtige Route gebracht. „Aufgrund der Finsternis entschieden wir uns zu biwakieren“, so der Bergretter. Gegen 7.30 Uhr morgens konnten die Wanderer dann aufatmen.

Die letzte Rettung kam aus der Luft. Der Hubschrauber des Innenministeriums brachte die Wanderer einzeln ins Tal. „Dieser Einsatz war für uns doch lange und anstrengend, aber wir freuen uns, dass alles so glimpflich verlaufen ist. Die Zusammenarbeit mit der Flugpolizei hat hervorragend funktioniert“, resümiert Krätzel.  Beim Preinstalersteig handelt es sich, so der Bergretter, um eine eher leichte, ungesicherte Kletterroute des Schwierigkeitsgrades 1 bis 2.

Schwechat Polizeihubschrauber im Einsatz

Die Suche der Wanderer erfolgte mithilfe des Polizeihubschraubers „Flir“ aus Schwechat unter Zuhilfenahme einer Wärmebildkamera und eines Scheinwerfers, nachdem die Bergrettung diese Unterstützung angefordert hatte. Der Scheinwerfer „lotste“ sozusagen die Bergretter zu den Gesuchten. Die Suche unterstützte auch der Alpinpolizist Stephan Binder, der sich sofort in seiner Freizeit, ohne lange zu fackeln, in den Dienst gestellt hat.

Aufgrund der Finsternis und der warmen Temperaturen entschieden sich die Einsatzkräfte, die Bergung erst bei Tagesanbruch durchzuführen. „Ein Flug im Finstern ist möglich, aber mit Risiken verbunden“, schildert Sven Kronheim, Pilot des Polizeihubschraubers „Libelle“, der dann bei beginnendem Tageslicht gemeinsam mit seinem Flightoperator Hans Buchebner die Bergung der Wanderer vornahm.

„Das große Höllental ist sehr eng, die dortige Wand extrem steil. Wir benötigten ein 40-Meter-Tau, um die Personen ins Tal zu fliegen“, schildert er. Gesichert durch den Flight-Operatur wurden die Wanderer zumeist zu zweit ins Tal geflogen. „Es war eine sehr anspruchsvolle Bergung, aber sie ist bestens verlaufen“, zieht Pilot Kronheim von der Flugeinsatzstelle Wien-Meidling positive Bilanz zum Einsatz.