Erstellt am 29. Oktober 2015, 05:17

von Tanja Barta und Christian Feigl

Pfefferspray-Attentäter aus der rechten Szene. Schottwiener wurde bereits – nicht rechtskräftig – wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz und Verhetzung verurteilt.

In diesem Mehrparteienhaus hat sich der Mann nach seiner Verurteilung in Wien ein neues Leben aufgebaut.  |  NOEN, Foto: Barta

Ein Schottwiener, der von sich selbst behauptet, Geschichte zu studieren, soll jener Mann sein, der am Bahnhof einer Flüchtlingsfamilie Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat. Wie bereits berichtet, befindet sich der Schottwiener in Untersuchungshaft. Die NÖN begab sich auf Spurensuche. Eine Suche, die bald ins braune, rechte Milieu abdriftet.

Es war ein Angriff, der österreichweit für Aufsehen gesorgt hatte. Ein paar Tage nach der fürchterlichen Tat steht nun fest: Ein Schottwiener, ein Mann, der auch dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands gut bekannt ist, soll jene afghanische Familie und deren österreichischen Begleiter Norbert Mang mit Pfefferspray attackiert haben. „Die Polizei hat mir schon ein Bild von ihm gezeigt und ich konnte ihn identifizieren. Ich bin mir sicher, dass er es war“, so Norbert Mang.

Hetze und NS-Propaganda

Der Verdächtige wohnt schon seit einiger Zeit in Schottwien. In der kleinen Gemeinde am Fuße des Semmerings ist er jedoch nie sonderlich aufgefallen. „Er ist einfach zugezogen. Es hat bisher keine Vorfälle gegeben. Er war immer unauffällig“, meinte ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Ruzicka, der sich zu der Tat des Schottwieners nicht mehr weiter äußern wollte. Auch die Bewohner im Ort fanden ihn unauffällig. Dass er Verbindungen in die rechte Szene hatte, wusste im Ort anscheinend keiner. „Er sollte ja eigentlich am 17. Oktober seine Haft antreten“, weiß Mang.

Denn der Mann musste sich am 19. Jänner vor einem Wiener Geschworenengericht verantworten. Die Anklage warf ihm nach einer Anzeige des Linzer Datenforensikers Uwe Sailer Verstöße gegen das Verbotsgesetz und gegen den Verhetzungsparagraphen (§ 283 StGB) vor. „In zahllosen Einträgen auf Facebook verbreitete er übelste Hetze und offene NS-Propaganda. Auch ein Blog mit dem bezeichnenden Titel ‚Ein Ort für Neonazis‘ soll von ihm betrieben worden sein. Schließlich postete er zum Beispiel über Muslime: ‚Wachen wir endlich auf und entfernen dieses Krebsgeschwür von unserem Volkskörper‘“, heißt es auf der Homepage des Dokumentationsarchivs.

Der auch vor Gericht Uneinsichtige wurde (noch nicht rechtskräftig) zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, davon sechs Monate unbedingt, verurteilt.